Brixen – Über 400 Unternehmer, Führungskräfte und Entscheider aus Süd- und Nordtirol trafen sich am vergangenen Freitagnachmittag im Forum Brixen, um beim mittlerweile traditionellen Südtiroler Wirtschaftsforum aus dem Alltagsgeschäft auszubrechen und sich erste Impulse von fünf Vortragenden (aus aller Welt) zu holen sowie zweitens Kontakte zu pflegen und zu knüpfen. Es ist wohl die Mischung aus Vorträgen und Gedankenaustausch, die das Wirtschaftsforum so beliebt macht – heuer war es restlos ausverkauft. Viele Teilnehmer sind Stammgäste.
Der Nachmittag war diesmal dem Motto „Innovation, Unternehmergeist & Start-ups – Südtirol und die Europaregion Tirol mit Mut zur Zukunft“ gewidmet. Passend dazu sagte Landeshauptmann und Wirtschaftslandesrat Arno Kompatscher in seinen Gedanken zum Tag, dass das Beschreiten von neuen Wegen zwar immer ein Risiko berge, dass sich Mut zur Zukunft aber auszahle – Mut zur Zukunft dürfe dabei nicht mit Kopflosigkeit verwechselt werden, meinte Kompatscher.
Mut zur Zukunft forderten auch die Referenten. Paolo Pininfarina, Präsident der weltbekannten italienischen Designschmiede Pininfarina, sprach unter dem Vortragstitel „Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern“ davon, wie wichtig es für (s)ein Unternehmen sei, stets nach Neuem zu suchen und „kreative Zerstörung“ zu betreiben. Dieser Weg sei mit Erfolgen, aber auch Misserfolgen gepflastert – dabei gelte es, bei Erfolgen nicht abzuheben und sich von Misserfolgen nicht demotivieren zu lassen. Ausgerechnet darin sieht Südstern-Mitglied Elmar Mair – ein Pusterer, der im kalifornischen Silicon Valley am Autonomen Fahren und folglich am Revolutionieren der Mobilität arbeitet – eine der Stärken der Unternehmen des Silicon Valley: Sie ruhen sich nie auf den Lorbeeren ihrer Erfolge aus und stellen sich ständig in Frage. Unter Mut zur Zukunft versteht Mair – mit den Erfahrungen aus dem pulsierenden Silicon Valley im Rücken – eine positive Einstellung gegenüber allem Neuen, aber auch den Mut, die eigene Komfortzone zu verlassen und das Risiko des Versagens in Kauf zu nehmen.
Diesen Mut hat der Risikokapitalist Hermann Hauser offensichtlich im Blut. Schon Ende der 1970er-Jahre gründete der gebürtige Wiener – als 30-Jähriger – im britischen Cambridge ein Unternehmen, das frühe PCs entwickelte. Das Abenteuer ging gut, weitere Erfolge (aber auch Misserfolge) folgten. Heute investiert Hauser als Risikokapitalist international in vielversprechende Ideen. Auch Südtiroler Ideen kommen in Frage, seit 2015 das IECT gegründet wurde, das Start-ups im Alpenraum unterstützen will.
Dass 90 Prozent der Start-ups scheitern, darf laut der Innsbrucker Jungunternehmerin Christina Scholochow, Risikokapitalgeberin in der Welt der Apps, nicht demotivieren. Vielmehr könne man aus den Fehlern lernen – sehr oft scheitere eine gute Idee am falschen Team. Und dass Mut zur Zukunft harte Arbeit bedeutet, weiß Erfolgsmanager und Durst-Präsident Richard Piock: Innovation ist ein Prozent Invention und 99 Prozent harte Durchsetzungsarbeit.
Die vielzitierte Europaregion Tirol fand sich beim Wirtschaftsforum nicht nur im Titel, sondern wird von den Veranstaltern konkret gelebt. Veranstalter aus Süd- und Nordtirol machen gemeinsame Sache: Es sind dies das Management Center Innsbruck (MCI), der Verlag business bestseller, das Netzwerk der Südtiroler im Ausland Südstern, der Unternehmerverband Südtirol (UVS), die Stiftung Südtiroler Sparkasse und – als Medienpartner – die SWZ. Am Ende durften die Veranstalter und ihre Partner (Südtiroler Sparkasse, Marketing Factory, Longo, IDM Südtirol, Corriere dell’Alto Adige, Standortagentur Tirol, Fercam, Kellerei Terlan) hochzufrieden sein, denn die Teilnehmer äußerten sich durchwegs positiv zum Nachmittag. Der Ausklang erfolgte mit Bioprodukten vom Moserhof im Ahrntal und mit Weinen der Kellerei Terlan.



















