Bozen – Die Seilbahnbranche in der Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino zeigt sich stark, innovativ und zukunftsgerichtet. Beim 15. Gemeinsamen Seilbahntag wurde deutlich: Der Sektor bleibt ein zentraler Treiber für Tourismus, Wertschöpfung und Beschäftigung – trotz wachsender Herausforderungen.
Starke Zahlen, klare Wirkung
Für Helmut Sartori, Präsident des Verbandes der Seilbahnunternehmer Südtirols, ist die Rolle der Branche eindeutig: Die Europaregion deckt 60 Prozent des alpinen Wintertourismusmarktes ab und bildet mit 163 Millionen Skier Visits sowie 44 Prozent Marktanteil weltweit das Zentrum des globalen Skitourismus.
Auch wirtschaftlich sei die Wirkung enorm: In Südtirol generierte der Sektor laut Satori in der Saison 2023/2024 2,7 Milliarden Euro an touristischen Ausgaben. Gleichzeitig flossen 280 Millionen Euro Steuern in die öffentlichen Kassen. Der Präsident betont zudem den Multiplikatoreffekt: Eine Million Euro Umsatz bei Aufstiegsanlagen erzeugt 5,63 Millionen Euro touristische Ausgaben.
Investitionen sichern die Zukunft
Um diese Position zu halten, wird massiv investiert. 161 Millionen Euro flossen 2023 in Südtirol in moderne und nachhaltige Technologien – vor allem in Infrastruktur und Betriebsgeräte.
Für Sartori ist klar: Ohne diese Investitionen sei Wettbewerbsfähigkeit nicht möglich. Gleichzeitig fordert er gezielte Unterstützung für kleinere Gebiete, die mit steigenden Kosten und begrenzten Mitteln kämpfen.
Gäste kommen häufiger, aber kürzer

Der Wintertourismus bleibe stabil, verändere sich aber, so Satori. Klassische Wochenurlaube werden seltener, Kurzaufenthalte häufiger. Die Nachfrage steigt dennoch weiter:
- Dezember 2025: +6,5 Prozent Ankünfte, +7,5 Prozent Übernachtungen
- Jänner 2026: +6,1 Prozent Ankünfte, +1,6 Prozent Übernachtungen
Für Sartori ein klares Signal: Investitionen und Qualität zahlen sich aus.
Der Klimawandel zwinge auch die Seilbahnen zum Umdenken. Laut Sartori setzen viele Betriebe bereits vollständig auf grüne Energie, investieren in Photovoltaik und analysieren laufend ihre Emissionen. Das Ergebnis: Nur sechs Prozent der Emissionen im Wintertourismus entstehen im Skigebiet selbst. Die technische Beschneiung verursacht 150 g CO2 pro Skifahrertag – vergleichbar mit einem km Autofahrt.
Saison fordernd – Stimmung gut
Eine operative Einordnung der Saison lieferte Thomas Schroll, der in Vertretung der Fachgruppe Tiroler Seilbahnen sprach. Sein Fazit: „Es ist nun schon der zweite Winter in Folge mit relativ wenig Naturschnee zum Saisonauftakt. Ohne einer schlagkräftigen Beschneiung wäre bei fast allen Betrieben ein Saisonbeginn, ja sogar ein Skibetrieb über Neujahr hinaus nicht möglich gewesen.“
„Ohne einer schlagkräftigen Beschneiung wäre bei fast allen Betrieben ein Saisonbeginn, ja sogar ein Skibetrieb über Neujahr hinaus nicht möglich gewesen.“ Thomas Schroll
Der Winter brachte laut Schroll weitere schwierige Bedingungen: windreiche Phasen, intensive Niederschläge und hohe lawinentechnische Anforderungen. Gleichzeitig verschiebe sich das Buchungsverhalten – weg vom März, hin zum Jänner. Trotzdem fällt die Gesamtbilanz positiv aus: Gute Pistenbedingungen zum Saisonende und überwiegend schönes Wetter sorgten für zufriedene Gäste.
Nachfrage bleibt stabil
Auch wirtschaftliche Unsicherheiten in Europa hätten die Branche kaum gebremst. Schroll betont: „Unsere Branche ist insgesamt gesund und gut aufgestellt, doch die Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd.“ Die Nachfrage nach Wintersport bleibt hoch: 84 Prozent der Tiroler Winterurlauber betreiben alpinen Wintersport.
Ein Jubiläum unterstreicht die Bedeutung der Branche: 100 Jahre Zugspitzbahn stehen für Innovation und regionale Entwicklung. Schroll dazu: „100 Jahre Pioniergeist, 100 Jahre Innovation, 100 Jahre die einen wesentlichen Beitrag zum heutigen Wohlstand, gerade in unseren Seitentälern, ermöglicht haben.“
Zum Abschluss bringt es Schroll auf den Punkt: „Wir Seilbahnen bewegen Menschen von A nach B, bergauf – bergab. Wir Seilbahnen bewegen Menschen auch emotional – und vor allem DAS ist seit 100 Jahren unsere Erfolgsgeschichte.“

















