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Matriarchin mit Kanten

Im Alter von 97 Jahren ist am 8. Dezember Margarethe Fuchs, die Seniorchefin der Spezialbier- Brauerei Forst, verstorben. Mit ihr hat Südtirol eine bedeutende Unternehmerin verloren und eine Frau, die nicht über die Gleichberechtigung der Geschlechter diskutiert, sondern sie gelebt hat.

Robert Weißensteiner von Robert Weißensteiner
18. Dezember 2015
in Südtirol
Lesezeit: 3 mins read

Algund/Bozen – Margarethe Fuchs kam am 28. Juni 1918 als Margarethe Brandner in Innsbruck zur Welt, wenige Monate vor dem Ende des Ersten Weltkrieges, der zum Zusammenbruch der Donaumonarchie führte. Was damals im Großen hinweggefegt wurde, hat sie später im Kleinen ererbt und bewahrt – das Reich auf Forst, und es scheint geradezu symbolisch, dass man von Bier- oder Schaumkrone spricht, um das zu beschreiben, was ein trefflicher Bierzapfer zaubert. Etwas von der Aura einer Königin, das hat Margarethe Fuchs zeitlebens verströmt. Wie keine andere vor ihr hat sie das Matriarchat auf Forst verkörpert, wo Frauen immer schon eine starke, oft auch eine dominante Rolle gespielt haben, und der Hinweis auf die „Brauherrin zu Forst“ in der Todesanzeige der Familie ist in zweifacher Hinsicht von Bedeutung: „Die Frau Fuchs“ war einerseits Braumeisterin, anderseits eine echte Herrin in ihrem Reich und stand damit in der Tradition starker Frauen in der Dynastie der Eigentümerfamilie Fuchs, von Filomena Fuchs etwa, der Frau von Josef Fuchs, der die 1857 gegründete Brauerei im Jahr 1863 übernommen hat, oder von Fanny Fuchs, der Frau von Hans Fuchs, welche die Brauerei Forst nach dem Tode ihres Mannes im Jahre 1917 durch die Wirren der damaligen Zeit führte, bis 1933 Luis Fuchs die Führung übernahm.

Diesen Luis Fuchs heiratete Margarethe Brandner, und das Paar hatte zwei Töchter, Margherita und Maria Gabriele Cellina. Unter der Leitung von Luis Fuchs wuchs die Brauerei zur heutigten Bedeutung heran. 56 Jahre lang stand er an der Spitze der Forst und hat das Unternehmen nachhaltig geprägt und entwickelt. Seine Frau war aber immer stark eingebunden, was sie befähigte, nach seinem Tode im Jahre 1989 im Alter von immerhin schon 71 Jahren die Zügel in die Hand zu nehmen. Bis 2006 führte sie die Geschäfte, übergab diese dann aber an ihre Tochter Margh­erita; noch bis 2009, als sie 91 wurde, blieb sie Präsidentin des Verwaltungsrates. Mit Margherita steht erneut eine Frau an der Spitze, und da diese wiederum zwei Töchter hat, zeichnet sich mit Cellina von Mannstein eine Fortführung der weiblichen Regentschaft auf Forst ab. „Der Forst tun Frauen gut“, hat Margherita Fuchs von Mannstein einmal festgestellt.

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Deren Mutter Margarethe war in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Frau. Bemerkenswert war zum Beispiel ihr Führungsstil, der manchen modernen Betriebswirten wie aus einer anderen Zeit erscheint – weit weg von den heute geprägten flachen Hierarchien, aber in diesem Unternehmen durchaus erfolgreich. Margarethe Fuchs herrschte auf Forst und damit in einem Unternehmen, dessen äußeres Erscheinungsbild so gar nicht nach dem modernen Industriebetrieb aussieht, um den es sich handelt, sondern nach gehobener ländlicher Idylle. Margarethe Fuchs war, ist bemerkt worden, keine Frau, kein Weib und keine Dame, sondern eine Lady – und mir schien, auch ein wenig eine eiserne Lady wie weiland ihre Namensverwandte Margaret Tatcher. Loyalität war ihr immer wichtiger als Widerspruch, und mir hat sie, als ich einmal am Telefon um eine Auskunft in einer für sie anscheinend delikaten Frage bat, den Rat gegeben, ihr solche Fragen nur bei einem persönlichen Treffen zu stellen, ihr dabei in die Augen zu schauen und mir davor die Hände zu waschen. Ich habe die Direktheit und Ehrlichkeit, mit der sie ihre Entrüstung zum Ausdruck brachte, immer geschätzt, denn mit Schauspielkunst wird man als Journalist schon zur Genüge konfrontiert. Dass sie mit ihrer Unverblümtheit zuweilen auch Grenzen überschritten hat, ist mir verschiedentlich zu Ohren gekommen.

Die „Frau Fuchs“ und ihre Mitarbeiter, das ist ein eigenes Kapitel, denn zu diesen hatte sie ein besonderes Nahverhältnis, und von diesen wurde sie als Chefin nicht nur anerkannt, sondern vielfach verehrt; den einen oder anderen konnte sie aber richtig abkanzeln, wenn sie sich dazu veranlasst sah. Menschen, die sie einmal ins Herz geschlossen hatte, konnten aber immer auf sie zählen, denn Loyalität war für sie keine Einbahnstraße.

Margarethe Fuchs war nicht nur eine überaus selbstbewusste, sondern auch religiöse und heimatbewusste Frau. Nicht von ungefähr wurde im Jahr 2009 der Grundstein für das neue Sudhaus am 8. Dezember, dem Tag der unbefleckten Empfägnis, gelegt, und es mag ein Zeichen sein, dass die ehemalige Forst-Chefin, um die sich viele Gerüchte ranken, am Tag der unbefleckten Empfängnis verstarb und ihrem Wunsch gemäß in aller Stille beigesetzt wurde. Ungemein gefreut hat sie sich darüber, dass Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., Anfang August 2004 der Brauerei einen Besuch abgestattet hat. Es heißt von ihr, dass sie viel in aller Stille geholfen hat und dabei recht großzügig war; zuweilen wurde Menschen, die dringend eine Spende für ein bestimmtes Vorhaben benötigten, geraten, es doch einmal „bei der Frau Fuchs“ zu versuchen.

Mit Margarethe Fuchs ist eine Frau verstorben, die auf eine ihr eigene Weise ein Unternehmen und einen Führungsstil geprägt hat. Sie wird in Südtirol lange in Erinnerung bleiben, durch ihre Worte und Werke.

Schlagwörter: 48-15freenomedia

Ausgabe 48-15, Seite 5

Robert Weißensteiner

Robert Weißensteiner

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