Bozen/Girlan – Exakt 20 Jahre nach seiner Gründung durchlebt der FC Südtirol in diesen Wochen eine der schwersten sportlichen Krisen seiner Vereinsgeschichte – oder besser gesagt, die erste Mannschaft tut dies, denn die Jugendmannschaften spielen durchwegs erfolgreich. Dabei kommen die enttäuschenden Auftritte der Fußballprofis zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Hinter den Kulissen gelangen nämlich schön langsam zwei Bauprojekte auf die Zielgerade, die zwar ihre Berechtigung haben, deren Angemessenheit die breite Bevölkerung aber gerade in sportlich mageren Zeiten reflexartig bezweifelt. Erstens wird weiter daran gearbeitet, dass das Unternehmen „FC Südtirol“, das aus weit mehr als der Profimannschaft besteht, ein standesgemäßes Trainingszentrum samt Verwaltungssitz in der Sportzone Rungg in Girlan/Eppan bekommt. Zweitens wird die überfällige Sanierung des Drususstadions in Bozen vorbereitet, das nach erfolgter Modernisierung künftig weit mehr sein könnte als der alleinige Austragungsort von Fußballspielen.
Egal, ob nun jemand die beiden Bauprojekte als sinnvolle Investition betrachtet oder aber als überflüssiges „Geschenk“ an einen Profifußballclub, fallen doch die langen Vorlaufzeiten auf. Über die notwendige Sanierung des Drususstadions wird seit ewigen Zeiten diskutiert, genauso wie über ein Fußballzentrum. Im November 2007 beschloss die Landesregierung daher, dass in Leifers ein Stadion samt Trainingsplätzen entsteht, um dem FC Südtirol endlich eine Heimat zu geben und das Nomadenleben zwecks Training zu beenden. Damals sagte Landeshauptmann Luis Durnwalder euphorisch: „Wir rechnen damit, dass schon 2010 im Stadion gespielt werden kann.“ Daraus wurde nichts. Wegen anhaltender Probleme in Leifers entschied die Landesregierung im Juli 2012, alternativ das Drususstadion zu sanieren und für Trainingszwecke die bereits bestehende Sportzone Rungg in Girlan zu adaptieren.
Seither sind weitere drei Jahre vergangen. In Eppan wurden inzwischen die bestehenden Trainingsplätze saniert. Das zweite Baulos mit dem Verwaltungsgebäude und einem weiteren Fußballplatz befindet sich hingegen noch in der Genehmigungsphase. Wenn alles gut geht, kann 2016 mit dem Bau begonnen werden – vier Jahre nach dem Beschluss der Landesregierung. Selbiges gilt für das Drususstadion. Auch dort starten die Bauarbeiten bestenfalls 2016.
Kann es sein, dass vier Jahre vom Beschluss bis zum Baubeginn vergehen? Die Verantwortlichen halten den Ball tief und anerkennen den guten Willen von Landespolitik, Gemeindepolitik und Verwaltung, die beiden Projekte weiterzubringen. Gegen die gesetzlich vorgegebene Prozedur kann allerdings auch der beste Wille nichts ausrichten. Die Prozedur hat es bei öffentlichen Bauvorhaben nämlich in sich. Das lässt sich am Beispiel des zweiten Bauloses für das Trainingszentrum in Eppan nachvollziehen. Es ist durchaus begrüßenswert, dass mit Steuergeldern sorgsam umgegangen wird. Wo aber ist der Punkt, an dem die Sorge um das Steuergeld in geldfressende Bürokratie ausartet?
Zunächst musste die Gemeinde die Projektsteuerung ausschreiben, dann erfolgte die Ausschreibung der Planung. Nach der Zuweisung des Planungsauftrages erstellte der Planer ein Vorprojekt, das vom Projektsteurer überprüft, von der Gemeinde validiert und vom Gemeinderat genehmigt wurde. Nun muss das genehmigte Vorprojekt – ergänzt durch Modell, Heizungsplan, Elektroplan und andere Unterlagen – zur Begutachtung in den technischen Landesbeirat. Gibt dieser sein Okay, kann der Planer das sogenannte definitive Projekt ausarbeiten, auf dessen Grundlage die Gemeindebaukommision die Baukonzession erteilen und der Gemeindeausschuss die Kostenberechnung absegnen kann. Wieder erfolgt die Überprüfung durch den Projektsteurer und die Validierung durch die Gemeinde. Dann erst kann das Ausführungsprojekt ausgearbeitet werden, das wieder überprüft, validiert und vom Gemeindeausschuss genehmigt werden muss. Erst dann kann die Ausschreibung starten. Nach dem Zuschlag der Arbeiten ist eine Rekursfrist abzuwarten, bevor der Auftrag endgültig zugewiesen werden kann. Mehr oder weniger denselben Weg muss auch das Bozner Drususstadion durchlaufen.
Klingt kompliziert, ist es auch. Das definitive Projekt als Ersatz für das frühere Einreichprojekt und die Validierung der verschiedenen Projektstufen wurde erst vor einigen Jahren eingeführt, weil die öffentliche Hand die Kostensicherheit erhöhen wollte. „Tatsächlich hat die Qualität der Projekte ganz allgemein zugenommen“, sagt Architekt Wolfgang Simmerle, der Planer des Trainingszentrums in Girlan. Ist die Prozedur also sinnvoll? „Sie ist halt so“, antwortet Simmerle lapidar. Ähnlich sieht es Architekt Ralf Dejaco, der für die Planung der Stadionsanierung in Bozen zuständig ist: Die Bürokratie sei bei öffentlichen Vorhaben hart, aber wenn alle Beteiligten einen guten Willen zeigen, dann sei sie „nicht unmenschlich.“ Private freilich können nur darüber staunen, um wie viel mehr Bürokratie die öffentliche Hand benötigt als ein Privater. Und der Private achtet ja auch auf sein Geld.















