Bozen – Das Arbeitsförderungsinstitut (AFI) hat die Lohnentwicklung der Beschäftigten im Südtiroler Privatsektor anhand offizieller Datenbanken untersucht. Als Fazit hat das AFI zwei positive Nachrichten und eine negative zu vermelden.
Die erste positive Nachricht: Im Jahr 2024 – dem zuletzt verfügbaren Berichtsjahr – lagen die Nominallöhne in Südtirols Privatwirtschaft um zehn Prozent über dem gesamtstaatlichen Durchschnitt. Zehn Jahre vorher waren es nur vier Prozent.
Konkret betrug 2024 die durchschnittliche Brutto-Tagesentlohnung eines lohnabhängig Vollzeit-Beschäftigten in der Südtiroler Privatwirtschaft 130 Euro, italienweit hingegen 118 Euro.
Details am Rande: Führungskräfte in Südtirol erzielten im Durchschnitt 589 Euro pro Tag, leitende Angestellte 267 Euro, Angestellte 142 Euro und Arbeiter:innen 112 Euro. Im Vergleich mit Italien fällt der Lohnvorsprung bei den niedrigeren beruflichen Qualifikationen deutlich höher aus als bei den höheren. Bei Arbeiter:innen beträgt der Lohnvorteil gegenüber Italien 19,3 Prozent, bei Angestellten 17,2 Prozent, bei leitenden Angestellten hingegen 9,7 Prozent und bei Führungskräften 6,1 Prozent (siehe Grafik).
Lohnentwicklung zunehmend von Italien abgekoppelt
Die zweite positive Nachricht: Die Löhne in Südtirol sind von 2014 bis 2024 stärker gestiegen als im italienischen Schnitt. In Südtirol waren es plus 21,5 Prozent, in Italien nur plus 14,2 Prozent.
Überdurchschnittlich hohe Lohnzuwächse verzeichneten in Südtirol Führungskräfte (plus 28,5 Prozent) und leitende Angestellte (plus 23,8), während die Einkommen von Angestellten (plus 21,3) sowie Arbeiter:innen (plus 20,7 Prozent) etwas schwächer zunahmen.
AFI-Direktor Stefan Perini kommentiert: „Dass sich die Lohnentwicklung in Südtirol zunehmend von der gesamtstaatlichen Dynamik abkoppelt, werten wir zunächst als sehr positive Entwicklung – wären da nicht die hohen Lebenshaltungskosten.“
Die Inflation als entscheidender Faktor
Und damit zur negativen Nachricht: Zwischen 2014 und 2024 stiegen die Verbraucherpreise in Südtirol um 27,3 Prozent, im gesamtstaatlichen Schnitt hingegen „nur“ um 19,6 Prozent.
Die Entwicklung der Nominallöhne (plus 21,5 bzw. plus 14,2 Prozent) konnte den Anstieg der Lebenshaltungskosten also in beiden Fällen nicht ausgleichen. Es ist somit in Südtirol genauso wie in Italien zu einem Kaufkraftverlust gekommen.



















