Franz Josef Viehweider
International Sales Supervisor Rovagnati (Biassono bei Monza)
Seit jeher war es mein Wunsch, beruflich in Kontakt mit anderen Menschen und Kulturen zu sein. Der Verkauf schien mir dafür besonders geeignet, weshalb ich nach der Oberschule und dem Militärdienst einen Job im Außendienst beim Getränkegroßhändler Agostini in Bozen angenommen habe. Nach fünf Jahren zog es mich ins Ausland. Für die Firma Gasser Speck wurde ich in München im nationalen Vertrieb tätig. Acht lehrreiche Jahre war ich in ganz Deutschland unterwegs, zuletzt drei Jahre lang als Leiter der Niederlassung, bis meine damalige Freundin Brigitte Schrott mich vor die Wahl gestellt hat, entweder sie oder meinen Lebensmittelpunkt in Deutschland aufzugeben: Heute, gut 15 Jahre später, leben wir längst wieder in Bozen, haben drei wunderbare Kinder und sind verheiratet. Beruflich bot sich mir die Chance, für die Firma Loacker im internationalen Vertrieb zu arbeiten. Dort erlebte ich zehn sehr spannende Jahre und lernte, was es bedeutet, mit Menschen aus verschiedensten Ländern mit unterschiedlichsten Mentalitäten zu verhandeln und sie als Freunde zu gewinnen. Zuerst für die DACH-Region zuständig, wurde mit später die Verantwortung für ganz Europa (mit Ausnahme des Heimatmarktes Italien) übertragen. In dieser Zeit war ich zuweilen in einer Woche in drei oder gar vier verschiedenen Staaten unterwegs, aber zwischendurch auch für ein paar Tage im Firmensitz am Ritten.
Irgendwann kam dann der Punkt, an dem mir bewusst wurde, dass ich einfach zu oft und zu lange von meiner Familie getrennt war. Mein Verstand gebot mir, einen Job mit weniger Reisetätigkeit anzunehmen. Diesen fand ich bei der Brauerei Forst als kaufmännischer Direktor. Diese Verbindung hielt allerdings nur ein knappes halbes Jahr. Einerseits hatte ich andere Auffassungen als die Geschäftsleitung, andererseits fehlte mir die Internationalität, die ich gewohnt war. Ich habe mir dann eine Auszeit von einem halben Jahr genommen, um endlich die Dinge zu machen, die ich vernachlässigt hatte, allem voran, mich um die Familie zu kümmern, aber auch persönliche Wünsche zu erfüllen. So habe ich in dieser Zeit intensiv Französisch gelernt, meinen Segelschein gemacht und mich fachlich weitergebildet. Seit dieser Zeit habe ich den allergrößten Respekt vor der Leistung von Frauen, die Familie und Beruf unter einen Hut kriegen.
Ein Headhunter brachte mich dann in Kontakt mit der Rovagnati SpA in Biassono bei Monza. Dieses Familienunternehmen gehört zu den italienischen Marktführern im Fleisch- und Wurstwarenbereich und stellt hochwertige Markenprodukte her, wie etwa den bekannten Kochschinken „Gran Biscotto“, das stärkste Einzelprodukt der gesamten italienischen „Salumeria“ überhaupt. Ich kannte diese Firma kaum, die Leistungen sowie das hohe Qualitätsniveau in Produktion, Branding und Verkauf überzeugten mich. Top-Produkte, Wille zum Wachstum, der Export aber noch in den Kinderschuhen – eine tolle Gelegenheit für einen internationalen Verkaufsleiter, die ich mir nicht entgehen ließ. Rovagnati hatte nacheinander Niederlassungen in den USA, Frankreich, Belgien und Deutschland eröffnet. Mir wurde zuerst die Verantwortung für das europäische, später dann für das gesamte internationale Geschäft übertragen. So kommt es, dass ich nun wieder ständig unterwegs bin. Und ich bin glücklich damit. Die Wochenenden gehören aber voll und ganz meiner Familie, und wann immer es geht, versuche ich vom Home Office aus zu arbeiten. Um dies alles zu bewältigen, braucht es vor allem viel gegenseitigen Respekt, Verständnis und Liebe zwischen den Ehepartnern, gepaart mit Intelligenz und Disziplin. All dies habe ich in meiner Frau gefunden.“
Aufgezeichnet von: Robert Weißensteiner
Thomas Geissler
Chief Executive Officer (CEO), Frener & Reifer (Brixen)
Zwei Tage in London, eine Woche im Monat in New York oder an der US-Westküste. Mein Arbeitsalltag klingt eigentlich aufregend, ist in Wirklichkeit aber anstrengend und deutlich weniger romantisch, als man sich das vorstellt. Das meiste, was Geschäftsreisende unserer Firma sehen, sind Autobahn, Flughafen, Hotel, Baubüro und Baustelle. Das heißt, dass wenn man wie ich seit 25 Jahren viel unterwegs ist, verbringt man eigentlich sehr viel tote Zeit. Wenn ich beispielsweise um neun Uhr morgens ein Meeting in London habe, klingt das relativ gemütlich. Es bedeutet aber um drei Uhr nachts aufstehen, mit dem Auto zum Münchner Flughafen zu fahren und auf den Flug zu warten. Bis zum Beginn des Meetings habe ich oft so insgesamt schon sechs Stunden in den Knochen. Am Ende des Tages gibt es meistens ein Geschäftsessen mit dem Kunden: nette Lokale, feine Gegenden. Das ist toll, aber der Preis, den man als Reisender dafür bezahlt, ist relativ hoch. Ein normaler Arbeitstag von neun bis fünf Uhr in London dauert für mich insgesamt 24 Stunden, wenn man den Rückflug noch am selben Abend miteinrechnet. Deshalb versuchen wir oft, zwei oder drei Tage für jeweils einen Aufenthalt einzuplanen. Zusätzlich haben wir als Unternehmen unseren Führungskräften im Ausland „kleine Zuhause“ geschaffen. Das Schlimmste an den Geschäftsreisen ist, dass man wie in meinem Fall die Hälfte der Arbeitszeit ohne seine Familie und ohne seine sozialen Netzwerke verbringt. Hinzu kommt, dass man aus dem Koffer lebt. Man kann nicht einfach schnell in seine Turnschuhe und in die Jeans schlüpfen. Deshalb bietet die Firma Frener & Reifer ihren Mitarbeitern fixe Wohneinheiten in New York, in London, in Paris, in Cupertino und an Standorten in der Schweiz. Dort können Reisende ein kleines Stück Heimat parken. Es ist ungemein wertvoll, wenn man am Abend anstatt ins Hotel in die eigene Wohnung geht und dort die eigene Kleidung und das eigene Zeug hat. Ich schätze es sehr, anstatt immer nur irgendwo essen zu gehen, mir einfach einen Topf Nudel aufzusetzen und ein Bier aus dem Kühlschrank zu nehmen.“
Gerhard Ploner
Operations Director, Frener & Reifer (Brixen)
Ich bin rund 30 bis 40 Prozent meiner Arbeitszeit im europäischen Ausland unterwegs. Je nach Auftragslage pendle ich zwischen England, Südfrankreich, Paris und Italien. Als Geschäftsreisender muss man sich auch vor Augen halten, dass es in der heutigen digitalen Welt für Reisende kaum Ruhepausen gibt. Unterwegs zu sein, bedeutet auch immer, erreichbar zu sein. Die Leute denken, dass ich sowieso nur im Auto sitze, also kann ich auch mit ihm telefonieren. Die immer bessere Erreichbarkeit, auch im Flugzeug, hat einen Dauerdruck mit sich gebracht. Als Reisender muss man deshalb darauf bestehen, sich Auszeiten zu nehmen und das Handy ab und zu einfach auszuschalten. Der eigentliche Luxus unterwegs ist nicht das tolle Steak im tollen Restaurant, sondern die Nicht-Erreichbarkeit. Bei einem Leben auf Achse ist es beinahe notwendig, auch im Ausland einen ähnlichen Rhythmus in der Abwechslung von Arbeitszeit und Freizeit zu haben wie zu Hause.
Den großen Unterschied macht hier natürlich die Familie. Von der ist man die meiste Zeit getrennt. Deshalb ist es sehr angenehm, dass unser Unternehmen die Möglichkeit bietet, die Familie ein bis zwei Mal im Jahr auf den Geschäftsreisen mitzunehmen. Insgesamt muss man natürlich schauen, alles unter einen Hut zu bringen. Besonders dann, wenn man neben der Familie auch noch eine Vereinstätigkeit oder sonstige Verpflichtungen hat. Es braucht ein Höchstmaß an Organisation, aber es ist alles möglich.
Bei allen Nachteilen, die man in Kauf nimmt, schätze ich wie meine Kollegen auch die schönen Seiten des Reisens. Man hat wirklich die Möglichkeit, andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen. Für eine international tätige Firma mit einem Exportanteil von 70 Prozent ist es ungemein wichtig, die Fremdsprachen und hier insbesondere Englisch im Ausland intensiv zu vertiefen.
Aufgezeichnet von: Hannes Peintner
Andi Punter
Sales & Marketing Director Export, Weingut Franz Haas (Montan)
Ich mag meinen abwechslungsreichen Job. Wenn ich mal einen Monat nicht unterwegs bin und ständig Büroarbeit mache, dann fehlt mir etwas. 150 bis 180 Tage im Jahr bin ich auf Geschäftsreisen rund um den Globus, auf etwa 250.000 Flugmeilen komme ich jährlich. Ich habe Freunde und Bekannte, die der Meinung sind, dass mein Job fast mit ständigem Urlaub gleichgesetzt werden kann. Doch das ist keinesfalls so. Ein Beispiel dafür, wie anstrengend es sein kann: meine erste Geschäftsreise nach San Francisco. Nach 15 Stunden Reisezeit inklusive mehrerer Zwischenlandungen kam ich an, war eine Stunde im Taxi unterwegs, habe dann auf einer Verkostung fünf Stunden lang Wein ausgeschenkt, bevor ich wieder zum Flughafen musste und weiter nach Seattle flog, wo es am nächsten Tag wieder weiterging.
Sicher sieht man auch wenn man beruflich unterwegs ist, das eine oder andere, doch eingehendes Sightseeing oder Ausflüge gehen sich höchstens an Wochenenden aus. Doch wenn möglich, versuche ich auch dann einige Termine einzuschieben. Es gilt, die Zeit so gut wie möglich zu nutzen.
Kultur und Mentalität der Menschen lernt man während Geschäftsreisen relativ gut kennen. So war es zum Beispiel, als ich vor fünf Jahren meine Tätigkeit bei Franz Haas begonnen habe, ab und zu etwas frustrierend, wie manche Gegenüber reagiert haben, als sie verstanden hatten, dass ich nicht Franz Haas selbst bin. Da hat sich der eine oder andere schon mal respektlos verhalten; solche Situationen muss man in den verschiedenen Kulturkreisen managen können, und zwar so, dass man Grenzen aufzeigt und sich Respekt verschafft und zugleich den Kunden doch für deine Produkte begeistert.
Oder: In manchen Ländern wird es geschätzt, wenn man einige Sätze in der Landessprache sagen kann, doch es ist allen bewusst, dass dann auf Englisch umgestiegen wird. Das ist die wichtigste Sprache fürs Geschäftliche. Für Fahrten mit Taxis in nicht so touristischen Gegenden lasse ich mir von unseren Partnern vor Ort die Adresse, zu der ich hin muss, vorab in der Landessprache und -schrift zuschicken, diese kann ich dem Fahrer in die Hand drücken und erreiche das gewünschte Ziel relativ einfach.
Jeder hat, auch wenn er unterwegs ist, seinen Alltag. Damit ich meinen so gut wie möglich leben kann, buche ich Hotels und Flüge nach Möglichkeit selbst: Ich bin Sportler (Punter war, bevor er bei Haas begann, im Bereich Fitness und als Konditionstrainer selbstständig, Anm. der Red.) und suche mir deshalb die Hotels danach aus, dass sie sowohl für das Berufliche als auch für das Sportliche gut geeignet sind.
Wichtig für das ständige berufliche Reisen sind Bequemlichkeit und Funktionalität. Das fängt beim Kofferpacken an: Wenn ich irgendwohin fahre, wo es sehr lange dauert, bis ich am Flughafen zum Koffer komme, dann reise ich nur mit Handgepäck – auch wenn ich zwei Wochen unterwegs bin. Dann nutze ich den Wäscheservice in den Hotels. Oder: Durch die vielen gesammelten Flugmeilen und die damit zusammenhängenden Upgrades wird das Reisen sehr viel angenehmer, deshalb fliege ich, so oft es geht, mit derselben Allianz von Fluggesellschaften.
Man muss sich als Verkaufsleiter im Export an den Rhythmus im jeweiligen Land anpassen, ganz egal, ob man gerade im Ausland unterwegs oder zu Hause ist. Der Samstag beispielsweise ist nicht überall Wochenende, ebenso sind Feiertage oftmals länderbezogen, und wenn Kunden an diesen Tagen arbeiten und mir schreiben, dann erwarten sie sich auch eine Antwort.
Meine Tochter wird jetzt neun Jahre alt und versteht immer besser, was ich tue und warum ich so oft auf Reisen bin. Doch schon vor einigen Jahren wollte sie eine Weltkugel, damit sie immer weiß, wo ihr „Tati“ gerade unterwegs ist.
Aufgezeichnet von: Simone Treibenreif















