Die Vorwahl der Volkspartei zur Ermittlung ihrer Kandidaten für die Parlamentswahlen war eine demokratiepolitisch und strategisch gelungene Aktion. Das derzeitige Wahlrecht erlaubt es nicht, neben Parteien- auch Vorzugsstimmen zu geben, was von den Südtirolern als großes Manko empfunden wird. Also hat es die Sammelpartei ihren Mitgliedern ermöglicht, darüber abzustimmen, wer ihre Kandidaten sind. Gerade weil es bei diesen Vorwahlen um Personen ging und nicht um politische Programme, haben sie viele Menschen mobilisiert, und die Volkspartei konnte erstmals seit längerer Zeit wieder Pluspunkte sammeln, die ihr zerbröckelndes Image kitten.
Das Wahlergebnis selbst muss jedoch recht differenziert betrachtet werden, denn es hat sich gezeigt, dass das Bezirks-, Standes- und Richtungsdenken tief in das Unterbewusstsein der Basis eingedrungen ist, so tief, dass es auf emotionaler Ebene Entscheidungen bestimmt, die eigentlich rationell begründet werden sollten. Ist es ausschlaggebend, ob ein Vinschger, Bozner oder Pusterer Südtirol im Parlament vertritt – oder welcher Richtung er angehört? Für die SVP-Basis offensichtlich schon. Sie hat das verinnerlicht. Dabei sollte man meinen, dass Parlamentarier erstens Fachleute und zweitens Netzwerker sein müssen. Entscheidend ist doch, dass Südtirol in Rom von Frauen und Männern vertreten wird, die nicht vor einem Gesetzentwurf der Regierung stehen wie der berühmte Ochs vor dem Berg. Die Texte sind auch für durchaus intelligente Laien ein Buch mit sieben Siegeln: Wer nicht durchblickt, was es bedeutet, wenn da steht, dass im Gesetz 234/2002 der Punkt b des zweiten Absatzes von Artikel 123 gestrichen wird, kann seine Aufgaben nicht wahrnehmen. Leider kommt es sogar im Landtag vor, dass Abgeordneten bei komplexen Normen wie etwa dem Landesraumordnungsgesetz nicht wirklich bewusst ist, worüber sie abstimmen. Aber was in Bozen kein Beinbruch ist, ist in Rom ein Genickbruch.
Ein Unternehmen, das eine Schlüsselstelle zu besetzen hat, erstellt ein Anforderungsprofil und nimmt dann jene Bewerber/-innen in die nähere Auswahl, die diesem entsprechen. Vielleicht sollte die SVP in Zukunft auch so eine Know-how-Liste erstellen, um zu vermeiden, dass es zu Fehlbesetzungen kommt.














