Bozen – Die lokalen Unternehmerverbände und die Handelskammer werden nicht müde, die Unternehmer zu mehr Kooperation zu animieren, denn Südtirols klein strukturierte Wirtschaft nutzt kaum die Chancen, die daraus entstehen. Das lässt Unternehmen in ihrer Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit oft nachhinken. „Zudem lassen sich für Unternehmensnetzwerke Finanzierungsquellen erschließen, zu denen kleine Unternehmen keinen Zugang hätten“, sagt Handelskammer-Generalsekretär Alfred Aberer.
So hat die Abteilung Unternehmensentwicklung der Handelskammer am 17. Dezember zu einer Informationsveranstaltung geladen. Es wurden die Alternativen der Zusammenarbeit von Unternehmen bis hin zum Zusammenschluss erörtert sowie Beispiele von bestehenden Netzwerken präsentiert.
Während Konsortien und Genossenschaften in ihren verschiedenen Formen als eher starr und aufwendig angesehen werden, ermöglichen seit 2009 gesetzlich geregelte Netzwerkverträge zwischen Unternehmen („contratto di rete“) eine lockere, aber formalisierte Zusammenarbeit. Es gibt diesbezüglich auch einige Neuerungen.
„Das Besondere ist, dass ein Netzwerkvertrag so ausgearbeitet werden kann, wie die Unternehmen es brauchen“, sagt die Juristin Monica Devilli von Legacoopbund und Referentin der Tagung. „Und er ist hilfreich, wenn man eine Kooperation erst einmal testen will, bevor man beispielsweise eine Fusion ins Auge fasst.“
Auf jeden Fall muss das Unternehmensnetzwerk in das Handelsregister eingetragen werden und mit einem gemeinsamen Vermögen ausgestattet sein, beispielsweise, um eine gemeinsame Marke aufzubauen. Das Netzwerk hat keine MwSt-Position und reicht keine Steuererklärung ein, denn Rechnungen werden direkt vonseiten der Mitgliedsunternehmen ausgestellt. Das Prinzip „Jeder für sich“ gilt zudem für steuerliche Vorteile wie für die Haftung. Das Unternehmensnetzwerk hat dafür eine Steuernummer, mit der es Förderungen erhalten kann. „Inzwischen können auch Mitarbeiter angestellt werden, beispielsweise vonseiten des Netzwerkmitgliedes A. Nach einer gewissen Zeit kann derselbe Mitarbeiter problemlos dem Netzwerkmitglied B überlassen werden“, erklärt Devilli. Weil es sich nicht um eine juridische Person handelt, kann dieses Netzwerk jederzeit problemlos aufgelöst werden.
Es gibt eine noch lockerere Kooperationsform, das RTI („raggruppamento temporaneo di imprese“). Diese zeitlich beschränkten Organisationen sind nur auf ein Projekt ausgerichtet und ermöglichen es beispielsweise, an öffentlichen Wettbewerben teilzunehmen (s. SWZ Nr. 16 vom 20. April 2012).
Seit ein paar Monaten ist eine neue Form des Netzwerkvertrags hinzugekommen, die „rete imprese soggetto giuridico“, kurz „rete soggetto“, so Devilli. Damit kann ein Netzwerk von mindestens zwei Unternehmen als juridische Person eingetragen werden. Das „Jeder für sich“ wird zum „Eigenständig“: Eine eigene MwSt-Nummer und auch eigene Mitarbeiter sind vorgesehen. Beide Formen des Unternehmensnetzwerks können an Ausschreibungen teilnehmen.
Der Vorteil gegenüber einem Konsortium oder einer Konsortialgesellschaft ist weiterhin die Flexibilität der Vereinbarungen. „Es gibt aber Konstellationen, für die eine Konsortialgesellschaft durchaus sinnvoll ist. Netzwerkverträge dürfen zum Beispiel keine Freiberufler als Mitglieder haben, die in einem Berufsalbum eingetragen sind, wohl aber freiberufliche Einzelunternehmen. Es gilt also, jeden Einzelfall genau zu prüfen“, rät Devilli.
In einer italienischen Erhebung von „Retimpresa.it“ rangiert Südtirol mit 53 Firmen, die an Netzwerken beteiligt sind, am unteren Ende der Tabelle, gemeinsam mit dem Süden Italiens, während die Lombardei 1309 solcher Netzwerke aufweist (s. Info).
Infratec heißt ein Südtiroler Beispiel. Es setzt sich aus der GA Linel GmbH (elektrische Anlagen) aus Brixen und Erdbau GmbH (Erdbewegung) aus Meran zusammen und übernimmt Aufträge für den technischen Infrastrukturbau. Das erste Projekt, ein Umspannwerk, hat das Duo erfolgreich hinter sich gebracht, sagt Michael Erspamer von GA Linel, der auch bei der Tagung über seine Erfahrungen berichtet hat. „Wir haben uns für den Netzwerkvertrag entschieden, weil wir langfristig eine einheitliche Vermarktung forcieren möchten, ohne die Kosten für eine Unternehmensgründung tragen zu müssen“, sagt Erspamer. Entstehende Marketingkosten werden einfach auf die beiden Unternehmen aufgeteilt. Er findet es wichtig, dass die Sektoren sich ergänzen und nicht überlappen, denn sonst besteht die Gefahr, dass Konkurrenzüberlegungen den Synergieeffekt schmälern. „Eine Überlappung ist nur dann sinnvoll, wenn beispielsweise zwei Baufirmen in völlig unterschiedlichen Gebieten tätig sind“, erklärt er. „Wichtig ist aber auch, dass die Köpfe in den Partnerbetrieben gut zusammenpassen.“
Diese ernüchternde Erfahrung hat das Unternehmensnetzwerk Sigmaprint gemacht, an der die gleichnamige Bozner Druckerei und eine Druckerei aus Verona beteiligt war – es hat keine sieben Monate überdauert. „Wir haben zwar früher schon öfter zusammengearbeitet, nun haben wir aber gesehen, dass die Inkompatibilität der Charaktere unüberwindbar war. So haben wir den Netzwerkvertrag vor Kurzem wieder aufgelöst“, sagt Claudio Magnani. „Dennoch bin ich von dieser Form der Zusammenarbeit ganz und gar überzeugt.“
Hinter der Einrichtungsmarke Walpur steht seit Jahresanfang das Konsortium Areda mit acht Südtiroler Betrieben aus dem Bereich Innenausbau: der Designer Arnold Dapunt, zwei Tischlereien, ein Glaser, ein Schmied und weitere Spezialisten. „Das Schöne ist daran, dass kaum ein Handwerksbetrieb sich den Luxus leisten kann, seine Produkte auszustellen – ein gemeinsamer Showroom ist hingegen erschwinglich“, sagt Dapunt, der der Kopf der Gruppe ist. „Das Konsortium selbst verkauft nichts, es kassiert nur eine Provision: Die Ausstellungsstücke gehören den einzelnen Mitgliedern. Nur die Erstinvestitionen in die Struktur und die laufenden Kosten werden vom Konsortium getragen“, erklärt Dapunt. „Wir müssen noch das Werbebudget ausbauen, denn noch ist die Marke zu wenig bekannt“, räumt Dapunt ein. Etwas enttäuscht ist er über den schwachen Verstärkereffekt: „Leider erwartet sich jeder, dass die anderen das Konsortium in den Erfolg führen. Man will lieber aus der Kooperation Vorteile schöpfen, als Zeit und Energie hineinzustecken“, sagt er. Nur Einzelne hätten sich beispielsweise die Mühe gemacht, in ihrer eigenen Webseite einen Link zur Seite von Walpur einzurichten. Dennoch glaubt Dapunt, dass es eine Erfolgsidee ist, die nur etwas Zeit braucht, um in den Köpfen der Partnerbetriebe zu reifen.
Das ist ein Hemmschuh, den auch Erspamer anführt: „Die geringen laufenden Kosten des Netzwerks verleiten dazu, dass jedes Unternehmen seiner Arbeit nachgeht, anstatt sich für die gemeinsame Marke zu engagieren, wie man es für das eigene Unternehmen tut“, gibt er zu bedenken.
Zuletzt noch ein seit zehn Jahren bestehendes Konsortium für den Tourismusmarkt: die Dolce-Vita-Hotels. Fünf Vinschger Wellnesshotels im Viersternebereich bedienen denselben Markt und wären eigentlich Konkurrenten. Anstelle dessen bieten sie unter der Formel „Give-me-five“ ihren Gästen die Möglichkeit, fast alle Leistungen (Spa, Restaurant usw.) einmal da, einmal dort zu nutzen – fix ist nur das Zimmer. „Verrechnet werden diese gegenseitigen Leistungen praktisch kaum, denn am Ende des Jahres gleichen sie sich in der Regel aus“, erklärt Peter Vaja vom Konsortium Dolce Vita. „Die Gäste schätzen diese Formel sehr. Und für die Hotels bedeutet es außerdem, dass die Sichtbarkeit erhöht wird“, sagt Vaja.















