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Konkurrenz aus dem Osten?

Osteuropa rüstet in Sachen Alpinsport kräftig nach. Doch mehr als eine Konkurrenz für die Alpenländer sind die östlichen Skizentren eine Chance, mehr Menschen an das Skifahren heranzuführen.

Südtiroler Wirtschaftszeitung von Südtiroler Wirtschaftszeitung
28. Februar 2014
in Südtirol
Lesezeit: 3 mins read

Bozen/Bruneck – Poiana Brasov liegt in den rumänischen Karpaten, nicht weit von Bukarest entfernt, und ist mit etwa 25 Pistenkilometern und immerhin zwei schwarzen Pisten das bedeutendste unter den immerhin 90 kleinen Skigebieten in Rumänien. 1906 wurde hier das erste Skirennen ausgetragen, 2011 wurden 25 Millionen Euro in die Infrastrukturen investiert.

Bansko heißt das dreimal so große Skigebiet im Piringebirge in Bulgarien: „Mit rund 75 Pistenkilometern und zahlreichen modernen Liftanlagen und guten Pisten kann sich Bansko sehen lassen“, sagt Christian Klenkhart, der am Montag auf Einladung des Tourismus Management Clubs Bruneck neben Oskar Schenk von der Firma Prinot zum Thema „Im Osten viel Neues“ referierte. Im Vergleich dazu: Ulten hat 25 Pistenkilometer zu bieten, der Kronplatz 107. In den Jahren 2003/04 wurde Bansko groß ausgebaut. Sogar ein 5-Sterne-Hotel der Kempinski-Kette stellt die anspruchsvollen Gäste zufrieden. Weitere schon recht bekannte Wintersportorte im Osteuropa sind Špindleruv Mlýn/Spindlermühle im Norden von Tschechien (das Land zählt insgesamt 237 Skiorte), Zakopane im Süden von Polen, Jasná in der Slowakei (83 Skigebiete) und Bukovel in der Ukraine (s. auch obige Karte). Im Vergleich dazu zählt Österreich 412 Orte mit Aufstiegsanlagen und Pisten, Deutschland 545, Südtirol 45.

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Was nach viel aussieht, hat aber kaum Relevanz für die Wahl eines Skiurlaubs, denn „weniger als zehn Prozent der osteuropäischen Skigebiete haben mehr als zehn Pistenkilometer“, weiß Klenkhart. Bevor diese Gebiete so weit ausgebaut werden, dass sie mit alpenländischen Destinationen mithalten können, müssen also noch etliche Winter und Abermillionen Investitionsmittel ins Land kommen.

„Wer heute ein Skigebiet plant, weiß um die Qualitätsansprüche, die der Gast auf allen Ebenen hat“, sagt Klenkhart zur SWZ. Die Alpenländer haben in den letzten 20 Jahren Standards für Skigebiete entwickelt, an die sich nun auch die neuen oder erneuerten Skigebiete anderswo orientieren müssen, wenn sie mit den Alpenländern mithalten wollen. „Dazu zählen moderne Liftanlagen, viele Pistenkilometer, gut präparierte Pisten und Schneesicherheit, aber auch Hotels und Gastronomiebetriebe, in denen man sich sowohl in puncto Ausstattung als auch Service wohl fühlt, sowie originelle Skihütten“, so der Skigebiet-Fachmann.

Bei einer Umfrage der österreichischen WKO (2010) über die Kriterien für die Destinationsentscheidung gaben 74 Prozent der Skigäste aus Deutschland und Österreich an, dass die Skipisten das wichtigste Kriterium seien, als nächste folgten die Schneeverhältnisse und die Größe des Skigebiets. Für nur 27 Prozent zählte der Preis der Tageskarte. Mehr als die Konkurrenz zu fürchten, sollten sich die Alpenländer also bewusst sein, dass sie die Qualitätsmaßstäbe setzen.

„Die wichtigste Erkenntnis ist aber, dass diese kleinen Skigebiete im Osten dazu dienen, den Skiurlaubern von morgen, also der heutigen Jugend, den Zugang zum Skifahren zu ermöglichen. Je früher die Menschen mit dem Skifahren beginnen, desto eher werden sie später hochwertige Skigebiete in den Alpen wählen. Wir haben die Markenprodukte unter den Skigebieten, der Osten hat – mit wenigen Ausnahmen – die Produkte zum Kennenlernen“, erklärt Klenkhart.

Keine wirklichen Kennenlern-Preise haben die Tageskarten in Osteuropa: In Bansko kostet ein Tagesticket 28 Euro, in kleineren Gebieten in Bulgarien um die 20 Euro, in Jasná in der Slowakei sogar 35 Euro. „Die Investitionskosten sind überall gleich hoch“, erklärt Klenkhart, „nur die Personalkosten sind geringer.“

Eine Zahl, die den Erfolg eines Skigebiets misst, sind die „Skier Days“: Man zählt die Gäste, die an einem Tag das erste Mal eine Liftanlage nutzen – auch bei mehrmaliger Beförderung wird pro Gast nur ein Skier Day berechnet. Während es Frankreich und Österreich 2012 auf über 55 Millionen Skier Days brachten, Tirol und Italien auf etwa halb so viele, kommt Deutschland trotz der vielen Skigebiete gerade mal auf 4,5 Millionen – und der Osten Europas ist nicht einmal getrennt angeführt, so irrelevant sind diese Gebiete statistisch gesehen.

Sehr aufschlussreich ist wiederum die Anzahl der Ski- und Snowboardfahrer in den einzelnen Nationen (s. Grafik 2): Die meisten Skifahrer gibt es in Deutschland, und zwar 15 Millionen Menschen – obwohl Deutschland nur wenige Skier Days aufweist. Das würde die These von Klenkhart bestätigen: Die Deutschen lernen oder üben in ihren kleinen Skigebieten am Wochenende das Skifahren, um dann im Winterurlaub in die großen Skidestinationen zu fahren.

Relativ gering ist mit 2,3 Millionen hingegen die Anzahl der Skifahrer in Polen – das bei einer Gesamtbevölkerung von 38,5 Millionen. Da ist also noch viel Luft nach oben, denn die Osteuropäer sind schneeaffin: „Kleine Skigebiete in der näheren Umgebung sind deshalb hilfreich, um Lust auf mehr zu machen, Lust auf die Alpen“, so Klenkhart.

Schlagwörter: 08-14freenomedia

Info

Grafik: Anzahl der Wintersportler – In Polen gibt es noch Luft nach oben

Das ist Christian Klenkhart

Der gelernte Diplomingenieur plant über seine Firma Klenkhart & Partner Consulting ZT Gesellschaft m.b.H. in Absam (A) seit 20 Jahren den Ausbau von Wintersportorten, mit einem besonderen Auge auf den Landschaftsschutz. „Zufrieden sind wir mit unseren Projekten erst dann, wenn wir nach deren Ausführung die Bergwelt wieder so vorfinden, wie sie vorher war: einzigartig, sehenswert und spürbar“, ist sein Credo. Neben Ausbau der Pisten und der Beschneiung für die Alpine Ski-WM 2011 in Garmisch hat er Masterpläne für Skigebiete in Deutschland, der Türkei, der Ukraine und in Rumänien ausgearbeitet. Von seinem Referat in Bruneck stammen auch die Grafiken auf dieser Seite.

Ausgabe 08-14, Seite 6

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