Vereinzelt gab es zwar wohlwollende – wenngleich keine lobenden – Worte für uns Medienschaffende, aber alles in allem haben wir vergangene Woche im Landtag gehörig den Kopf gewaschen bekommen. Der Succus: Wir lassen nur die Meinungen zu, die uns in den Kram passen, und wir manipulieren damit die Bevölkerung.
Nun, Journalistinnen und Journalisten tragen eine enorme Verantwortung. Und – so viel Selbstkritik muss sein – dieser Verantwortung werden sie tatsächlich nicht immer gerecht. Zum Beispiel, wenn sie Themen in reißerischer Manier aufblasen. Oder wenn sie leichtfertig Skandale konstruieren, die keine sind. Oder wenn sie negative gegenüber positiven Meldungen übergewichten, weil das mehr Aufmerksamkeit generiert. Oder wenn sie sich mit dem Interviewen der „richtigen“ Leute zum gewünschten Ergebnis recherchieren. Oder wenn sie Tatsachen verzerren, manchmal gar nicht absichtlich, sondern weil sie zu wenig vom Thema verstehen. Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden. Journalismus kann viel kaputt machen, denn eine nachträgliche Richtigstellung ist nie so stark wie der ursprüngliche Bericht.
Filtern für den guten Zweck
Aber mal ehrlich: Wäre die Welt ohne die klassischen Medien wirklich besser? Sind die Internetplattformen, wo jeder und jede den abstrusesten Käse ungefiltert verbreiten kann, die besseren Medien? Wohl kaum. Der Filter der Medien mag manchmal nicht perfekt funktionieren, aber er ist trotzdem besser als keiner. „Filter“ ist natürlich ein böses Wort. Es verkörpert genau das, was den (Südtiroler) Medien im Landtag vorgeworfen wurde, nämlich das Unterdrücken unliebsamer Meinungen. Aber es steht auch für Hinterfragen, Prüfen, Abwägen. Genau das macht verantwortungsvoller Journalismus.
Dabei ist klar: Objektivität ist ein hartes Geschäft. Journalistinnen und Journalisten nehmen die eigenen Ansichten und Prägungen zwangsläufig mit in die Redaktion – die lassen sich nicht einfach an der Redaktionstüre abstreifen wie eine Jacke. Gute Journalistinnen und Journalisten ringen aber zumindest um eine bestmögliche Objektivität. Das tun ausgerechnet jene Politiker:innen, die im Landtag am lautesten geschrien haben, hingegen selten. Ihr Geschäft ist die Polarisierung, selbst wenn sie genau wissen, dass ihre vereinfachende Schwarz-Weiß-Malerei nicht die Realität abbildet. Wenn diese Politiker:innen die mangelnde Objektivität der Medien anprangern, dann ist das befremdlich.
Im Übrigen gibt es „die Medien“ genausowenig wie „die Politiker:innen“. Es gibt auf beiden Seiten gute, schlechte und mittelmäßige. Aber so wie man schlechte Politiker:innen nicht vom Landtag fernhalten kann, so kann man eben auch nicht schlechten Medienleuten den Job verbieten. Wenn in einer Landtagsdebatte über die Meinungsfreiheit den Medien vorgeschrieben werden soll, wie sie zu berichten haben, dann bleibt ein Beigeschmack. Aber es erinnert uns an den Auftrag, uns unserer Verantwortung bewusst zu sein und diese ernst zu nehmen. Guter Journalismus bedeutet nicht, undifferenziert allen Ergüssen Platz zu geben. Er hinterfragt, prüft, wägt ab.
Hier geht’s zum Artikel „Sind Südtirols Medien böse?“


















