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Kommentar: Deutsch-Chauvinisten und Inklusionsapostel

SCHULE – In der Debatte um Inklusion und Sprachförderklassen reden Gegner:innen und Befürworter:innen aneinander vorbei.

Robert Weißensteiner von Robert Weißensteiner
10. September 2024
in Bildung, Meinung
Lesezeit: 2 mins read
Kommentar: Deutsch-Chauvinisten und Inklusionsapostel

Foto: Shutterstock / EF Stock

Klar ist: Die Einbindung von Kindern mit welchen Defiziten auch immer in Klassen mit allen anderen ist rechtlich vorgeschrieben und hat sich in vielerlei Hinsicht bewährt. Aber darum geht es gar nicht, wenn sich Deutsch-Chauvinisten unter Berufung auf das Recht auf muttersprachlichem Unterricht und Inklusionsapostel mit dem Verweis auf die Sprach- und Sozialwissenschaft sowie auf das Gesetz in den Haaren liegen. Es geht ganz einfach darum, dass deutsche Schulen mit einem hohen Anteil an Ausländerkindern und italienischsprachigen Kindern, die allesamt kein (oder so gut wie kein) Deutsch sprechen, bei deren Einbeziehung in Normalklassen absolut überfordert sind, trotz der teilweise separaten Förderung durch zusätzliche Sonderlehrkräfte, wie sie sich (fast) nur das reiche Südtirol leistet.

Wie erginge es Südtiroler Kindern in Frankreich?

Sprachdefizite kann man so beseitigen oder abmildern, aber so gut wie keine Kenntnisse lassen sich nicht mit ein paar Stunden Sonderförderung (in welcher vorläufigen Hilfssprache denn?) aus der Welt schaffen. Die meisten Eltern wären froh, wenn ihr Kind zuerst einmal mündlich und spielerisch die Unterrichtssprache erlernt, um es dann (wohl nach einem Jahr) gut gerüstet in den Normalunterricht einzubeziehen und es dort weiterhin separat betreuen zu lassen. Dann hat es bessere Aussichten auf Erfolg. Wer von Südtirol nach Frankreich auswandert und selbst kaum Französisch spricht, wäre wohl froh, wenn sein sechsjähriges Kind, das nur Deutsch kann, zuerst einmal mit anderen auf Staatskosten Französisch lernen darf, anstatt es zusammen mit zwei Brasilianerinnen, zwei Arabern und einem Ungarn sowie zwölf französischen Schülerinnen und Schülern in eine Klasse zu geben, in der die sechs Ausländerkinder nur Bahnhof verstehen, auch wenn sie zeitweise speziell geschult werden (durch den Einsatz welcher für alle Kinder verständlichen Sprache?).

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Die ladinischen Täler als Vorbild

Der Verweis auf den recht geringen Ausländeranteil (von knapp zehn Prozent) an unseren Grundschulen ist irreführend, denn insbesondere in Bozen kommen mindestens noch einmal so viele italienischsprachige Kinder dazu, die keinen deutschen Kindergarten besucht haben und deren Eltern selbst kein Deutsch sprechen, sondern nur vom verständlichen Wunsch beseelt sind, dass ihre Sprösslinge gut Deutsch lernen. Ganz offensichtlich gehen sie davon aus, dass dies im obligatorischen Deutschunterricht an Schulen mit italienischer Unterrichtssprache nicht geschieht, so, wie es an den deutschen Schulen nicht gelingt, den Kindern in acht Jahren ein passables Italienisch zu vermitteln (dies entgegen allen Beteuerungen der verantwortlichen Stellen). Manche italienischen Maturanten sind nicht in der Lage, auf Deutsch eine gut verständliche Antwort auf eine recht einfache Journalistenfrage zu geben, wie sich im Frühjahr bei einem Versuch von Rai Südtirol gezeigt hat.

Die derzeitigen sprachlichen Missstände lassen sich nur dadurch abstellen, dass jenen Eltern, die dies wünschen, auf breiter Basis eine zweisprachige Pflichtschule nach dem Vorbild der Regelung in den ladinischen Tälern angeboten wird. Das wäre die beste und billigste Lösung. Und die Zeit wäre reif dafür!

Schlagwörter: free
Robert Weißensteiner

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