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Klingende Kassen

Schluss mit Warteschlangen an der Kasse! Mobile Kassen sollen es dem stationären Einzelhandel in den nächsten Jahren ermöglichen, Kundenströme in Spitzenzeiten besser zu bewältigen. Auch soll die bargeldlose Bezahlung beschleunigt werden. Das ist das Ergebnis einer EHI-Studie.

Südtiroler Wirtschaftszeitung von Südtiroler Wirtschaftszeitung
25. März 2016
in Allgemein
Lesezeit: 3 mins read

Köln/Bozen – Die EHI-Studie „Kassensysteme 2016“ gibt einen Überblick über die aktuelle Kassenlandschaft im deutschen Einzelhandel und zeigt Themen und Trends am POS auf. Diese Trends sind durchaus auch für Südtirol interessant.

Das durchschnittliche Alter der Kassenhardware liegt demnach bei 4,9 Jahren, wobei 71 Prozent der befragten Handelsunternehmen ihre Hardware in den nächsten Jahren ganz oder teilweise erneuern. Hier stehen bedeutende Investitionen an. Sieben Jahre ist hingegen die durchschnittliche Laufzeit einer Kassensoftware. Bei der Auswahl neuer Kassensoftware wird den Omnichannel-Strategien große Bedeutung beigemessen. Aktuell haben 27 Prozent der Teilnehmer an ihren Kassen Schnittstellen zu Onlineshops. Allerdings erwarten 63 Prozent, dass künftig ihre Kassensysteme an Onlineshops angebunden sind. Heute können online begonnene Einkaufsprozesse offline im Geschäft abgeschlossen werden. Hierfür müssen die Kassensysteme Informationen mit den entsprechenden Systemen austauschen können.

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Eines der wesentlichen Themen der kommenden Jahre werden mobile Kassensysteme sein. 67 Prozent der Studienteilnehmer planen, künftig den Check-out-Prozess auch auf mobilen Geräten abzuwickeln. Bereits heute kassieren knapp zehn Prozent der Unternehmen zusätzlich mobil. Die Mehrheit der Entscheider sieht vor allem im Einsatz von mobilen Geräten mit Kassenfunktion eine Möglichkeit, den Kassenprozess wesentlich zu verbessern. Gerade Handelsunternehmen mit kleiner Check-out-Fläche und/oder stark saisonalem Geschäft sehen hier großes Potenzial. Die Fläche ist für die stationären Händler wertvoll. Sie mit Checkouts zu besetzen, die gegebenenfalls nur für eine kurze Zeit im Jahr genutzt werden, ist wirtschaftlich nicht sinnvoll. Mobile Checkouts bieten die Möglichkeit, die Kassenplätze in diesen Spitzenzeiten einfach auszuweiten.

Optimierungspotenzial gibt es nach Ansicht der Befragten auch beim Zahlungsprozess. Eine erhöhte Geschwindigkeit bei der Kartenzahlung und die effizientere Abwicklung von bargeldlosen Bezahlverfahren stehen weit oben auf der To-do-Liste. In Zukunft möchten 57 Prozent der Befragten die Nutzung von Bargeld auf unbare Zahlungsmittel verschieben. 47 Prozent geben an, dass Kassenhardware und -software bereits auf die mobile Bezahlung (egal ob NFC-, QR- oder App-basiert) vorbereitet sind. Weitere 45 Prozent geben an, dass sie ihre Kassensysteme mittelfristig auf eine mobile Bezahlmethode vorbereiten werden. Noch ist unklar, welche Form des Contactless/Mobile Payment sich durchsetzen wird. Dennoch werden hier Investitionen getätigt. In der Regel setzen die Unternehmen deshalb auf größtmögliche Flexibilität der Systeme. Wenn sich ein Verfahren beim Konsumenten durchsetzt, dann wird der Handel diese Methode an den Checkouts zügig anbieten.

Die Verbreitung von unterschiedlichen Self-Check-out- und Self-Scanning-Systemen verläuft in Deutschland nach wie vor weniger dynamisch als in anderen europäischen Ländern. Checkout-Prozesse können dabei ganz oder teilweise durch den Kunden ausgeführt werden. Dennoch ist ein steigendes Interesse festzustellen. Vor allem hat sich der Anteil der Unternehmen, die zukünftig den Einsatz von SCO/Self-Scanning planen, von 28 Prozent im Jahr 2014 auf 37 Prozent erhöht.

33 Prozent der Händler, die diese Systeme ablehnen, geben als Grund unter anderem an, dass ihre Sortimentsstruktur nicht für einen Self-Check-out geeignet ist. Vor allem bei beratungsintensiven Produkten sehen viele Handelsunternehmen einen Konflikt zwischen ihrem Serviceversprechen und dem Selbstbedienungsgedanken am POS. 31 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ein Self-Check-out-System nicht zum Image des Unternehmens passt. Zudem gibt es häufig Bedenken wegen der fehlenden Kundenakzeptanz. 29 Prozent fürchten, dass diese Self-Check-out-Systeme bei ihren Kunden auf Ablehnung stoßen könnten. Ein weiterer Aspekt ist, dass der Kassiervorgang – wenn er vom Kunden selbst durchgeführt wird – am Self-Check-out immer noch länger dauert, als wenn eine geschulte Kassiererin ihn durchführt. Ein ungeübter Kunde benötigt am SCO-Terminal im Schnitt zwei- bis dreimal mehr Zeit als eine erfahrene Kassenkraft. Gerade bei Produkten wie Obst, Gemüse und Backwaren, die der Kunde manuell im System suchen muss, kann es schnell zu Fehleingaben und damit zu Verärgerung beim Kunden kommen.

Der Touchscreen als Eingabemedium hat sich über Branchengrenzen hinweg etabliert. Auch bisher skeptische Branchen wie der Lebensmitteleinzelhandel sehen zunehmend Vorteile gegenüber der Tastatur. Die Bedenken hinsichtlich der Geschwindigkeit, Bedienbarkeit und Fehleranfälligkeit waren bis vor einigen Jahren noch sehr groß. Künftig wollen aber alle befragten Unternehmen Touchscreens einsetzen. 76 Prozent werden dabei auch auf eine unterstützende Tastatur verzichten. Die Führung durch das Menü der Kassa ist für die Handelsmitarbeiter eine große Hilfe. Insbesondere, wenn es sich bei den Kassenkräften um Aushilfen oder Teilzeitkräfte handelt, sind intelligente Bedienerführungen von Vorteil. Vielfach wird zudem über den Einsatz erweiterter Funktionen des Touchscreens wie Gestensteuerung nachgedacht.

Der Leistungsumfang, der an den Kassen des Einzelhandels abgebildet wird, hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Die Abwicklung von Coupons ist die am häufigsten anzutreffende Zusatzfunktion eines Kassensystems. Die klassischen papierbasierten Coupons treten seit Jahren immer weiter in den Hintergrund. Mittlerweile nutzen die Kunden verstärkt mobile Coupons der Handelsunternehmen und der Industrie. Aktuell bieten 59 Prozent die Couponing-Funktion auf ihren Kassen an. Zukünftig wollen dies 78 Prozent der Befragten tun.

Das Thema E-Loading – das Aufladen von Telefonkarten oder Geschenkkarten mit Guthaben – bleibt für die Handelsunternehmen weiterhin interessant. Erst wenn der Kunde ein entsprechendes Guthaben vor Ort erwerben möchte, wird eine Karte mit dem Wunschwert an der Kasse aufgeladen. Der Händler hat kein Kapital im Betrieb gebunden, zusätzlich wird das Diebstahlproblem minimiert. Solange die Karte nicht durch den Mitarbeiter am POS aktiviert wird, ist sie wertlos.

Schlagwörter: 12-16freenomedia

Info

Die Studie
An der Studie „Kassensysteme 2016“, deren Ergebnisse das EHI Retail Institute auf 62 Seiten zusammenfasst, haben sich Handelsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Das 1951 gegründete EHI Retail Institute ist ein Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel und seine Partner. Sein internationales Netzwerk umfasst rund 750 Mitgliedsunternehmen aus Handel, Konsum- und Investitionsgüterindustrie sowie Dienstleister. Das EHI erhebt wichtige Kennzahlen für den stationären und den Onlinehandel, ermittelt Trends und erarbeitet Lösungen.

Ausgabe 12-16, Seite 13

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