Bozen – „Im Vergleich zu den anderen italienischen Regionen und Provinzen reiht sich Südtirol beim Angebot für frühkindliche Betreuung und bei den Ganztagesschulen eindeutig im unteren Mittelfeld ein.“ Zu diesem Schluss kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer Bozen. Das WIFO verweist auf die Datenlage, wonach es in Südtirol pro 100 Kinder im Alter von null bis zwei Jahren nur 23,9 zugelassene Plätze in Betreuungseinrichtungen gibt.
Zum Vergleich: Umbrien liegt als einzige italienische Region – die Daten beziehen sich auf die Jahre 2022/2023 – über dem EU-Ziel von 45. In der Nachbarprovinz Trient sind es mit 41,2 ebenfalls deutlich mehr als in Südtirol, das sich im hinteren Mittelfeld einreiht und nur vor den süditalienischen Regionen liegt.
Die Daten kamen jüngst beim Abschlusstreffen der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Zukunftswerkstatt Südtirol“ zur Sprache. Es wurde von der Handelskammer Bozen organisiert und fand in den Roner Brennereien in Tramin statt.
Die WIFO-Mitarbeiterin Mia Koncul referierte dort über die aktuelle Situation der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Südtirol. Demnach geben nur 47,5 Prozent der erwerbstätigen Personen mit Kindern an, Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren zu können. „Für die übrigen Familien erfordert die Organisation des Alltags hingegen ein hohes Maß an Zeit, Energie und organisatorischem Geschick“, so Koncul.
Elena Macchioni, Professorin an der Universität Bologna, verdeutlichte beim Event, „dass die Ungleichverteilung von Zeit – insbesondere durch unbezahlte Sorgearbeit – die berufliche Entwicklung und Karrierechancen von Frauen hemmt.“ Unternehmen seien daher gefordert, Zeit als strategische Ressource zu betrachten und dieser Ungleichheit mit flexiblen Arbeitsmodellen und einer familienfreundlichen Personalpolitik entgegenzuwirken.
„So können das Wohlbefinden der Mitarbeitenden und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden“, erklärte Macchioni.


















