Wir alle kennen die Geschichte von der Ameise, die emsig arbeitet, um für den Winter gerüstet zu sein, und von der Grille, die singt, und nicht daran denkt, dass es einmal kalt werden könnte. Und am Ende will die fröhliche und sympathische Grille natürlich an die Vorräte der verbissenen und unsympathischen Ameise. Das Bild beschreibt recht treffend das, was derzeit in der Euro-Zone passiert. Die Grillen singen nicht mehr und leiden stark unter dem Frost, und sie fordern von den Ameisen die Zustimmung zur Verlängerung des Sommers, um sich spät aber doch auf den Winter vorzubereiten. Manche Politiker in südeuropäischen Staaten sehen im Sparen keine Lösung und möchten neue Schulden manchen, um Zeit zu gewinnen, und sie sagen oder vermitteln den Eindruck, Deutschland in der Person von Kanzlerin Angela Merkel sei das Problem. Zu ihnen gehört auch Silvio Berlusconi, der erst in dieser Woche angeregt (aber später seine Aussagen relativiert) hat, der Staat solle ein noch höheres Bilanzdefizit in Kauf nehmen, um in der Rezession Akzente zu setzen.
Es ist eine Tatsache, dass das staatliche Sparen bei gleichzeitigen Steuererhöhungen Gift für das Wachstum ist – und dass viele Bürgen sich nichts sehnlicher wünschen, als dass die öffentlichen Mittel nicht spärlicher fließen. Aber bei einer Verschuldung von 130 Prozent der Wirtschaftsleistung und angesichts des Umstandes, dass Italien dafür 90 Milliarden, also ein Drittel der Steuereinnahmen, an Zinsen aufwenden muss, führen neue Schulden in die alte Bankrottgefahr. Wenn Ausgabenerhöhungen zu einem nachhaltigen Wachstum führen würden, könnte man sie verantworten. Aber allen ist klar, dass höhere Schulden die Problemlösung zwar zeitlich aufschieben, sie aber erschweren, weil die Last immer größer wird. Das ist der Grund, warum Ministerpräsident Enrico Letta beim jüngsten G8-Gipfel versichert hat, Italien werde seien Haushalt wie versprochen konsolidieren.
Die Grillen sollten nicht die Schlauen spielen und im Bemühen, dem Hungertod zu entgehen, auf die knappen Vorräte der Ameisen schielen. Wohl aber können sie auf die Hilfe der EZB zählen.














