Bozen – Die Nachricht machte am Dienstag schnell die Runde. Josef „Sepp“ Aichner ist im Krankenhaus von Bruneck nach längerer Krankheit verstorben. Wer ihn kannte, erinnert sich an einen Mann mit unbändiger Energie und enormer Lebensfreude. Er vermittelte immer den Eindruck, gern zu tun, was er tat. Und er tat viel. Einerseits war er ein äußerst umtriebiger Akteur in der Bau- und Immobilienbranche in Südtirol und am Gardasee, andererseits investierte er viel Zeit (und Geld) in seine Leidenschaft für Pferde. Ebendiese Leidenschaft hat Aichner über die Immobilienbranche hinaus bekannt gemacht.
Vom Maurer zum Immobilienunternehmer
Josef Aichner stammt aus Sarnthein, wo er auf einem kleinen Nebenerwerbshof aufwuchs. „Wir hatten zwei Kühe“, erzählte er der SWZ im Frühjahr 2020 – soeben war die Coronapandemie ausgebrochen – in einem Interview. Die Eltern waren einfache Arbeiter. Nach der zweiten Klasse Mittelschule schmiss Aichner die Schule und wurde Maurer. Mit 21 Jahren machte er sich selbstständig und gründete die Firma Bauservice, spezialisiert auf Verputze. Das Unternehmen wuchs, die Mitarbeiter:innen wurden mehr.
Weil die Firma ein größeres Büro brauchte, baute Aichner gleich ein paar Wohnungen dazu. Damit war das erste Immobilienprojekt abgewickelt. Aus der ersten Immobilie in Sarnthein wurden viele andere. Josef Aichner gründete Aichner Invest, später gemeinsam mit dem Sarner Wirtschaftsberater und Immobilienunternehmer Richard Moser AIMO Immobilien. Als Immobilienhai oder Verbetonierer betrachtete sich Josef Aichner nie: „Wir bauen zu 98 Prozent für Einheimische. Und wir geben vielen Firmen Arbeit. Wir sind keine Spekulanten“, sagte er einmal zur SWZ.
Aichner Invest ist übrigens ein echter Familienbetrieb. Auch Ehefrau Christine und die Kinder Devid und Nadine sind dort tätig.
Die Leidenschaft für Pferde
Mit Pferden hatte Josef Aichner eigentlich nie etwas am Hut. Das änderte sich erst, als Sohn Devid und Tochter Nadine nach ersten Reitversuchen am Nachbarshof immer besser wurden und als Jugendliche erfolgreich Haflingerrennen bestritten. Das Hobby seiner Kinder steckte Josef Aichner an. Er selbst ritt zwar nie, aber irgendwann standen am elterlichen Hof in Sarnthein um die 20 Pferde.
Ab 2014 wurde aus der Leidenschaft ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein. Josef Aichner gründete gemeinsam mit Sohn Devid die „Scuderia Aichner GmbH“. Seither gehören die Aichners zu den wichtigsten Akteuren im italienischen Hindernissport.
Geschichte geschrieben hat Aichner mit Ausnahmepferd L’Estran. Bei einem Verkaufsrennen in Frankreich entdeckte er das Pferd und erwarb es für vergleichsweise bescheidene 24.000 Euro. 2019 gewann L’Estran dann den prestigeträchtigen Großen Preis von Meran, das zweitwichtigste Hindernisrennen Europas. Es war der Ritterschlag für den Aichner-Rennstall und die Erfüllung eines Traums für Josef Aichner. L’Estran gewann in Meran in der Folge noch weitere drei Mal (2020, 2021 und 2022) und wurde zum Rekordchampion.
Josef Aichner hinterlässt Spuren weit über das Sarntal hinaus.

















