Neulich habe ich meinem Sohn, noch nicht ganz fünf, ein ferngesteuertes Auto gekauft. Ich weiß nicht, wer den größeren Spaß am Spielzeug hat, der Sohn oder der Vater. Denn jedes Mal, wenn der Vater auch einmal spielen darf, wird er selbst zum Kind. Ich kann mich mit so einem ferngesteuerten Auto köstlich unterhalten – ehrlich. Und ich weiß, dass sich andere Väter ebenso köstlich unterhalten können. Es kommt nicht von ungefähr, dass Spielwarenverkäufer den Vätern zuweilen mit einem Augenzwinkern raten, das Geburtstagsgeschenk für ihren Sohn vor dem Geburtstagsfest selbst auszuprobieren, heimlich, versteht sich. Sonst könnte es sein, dass der Sohn an seinem Geburtstag gar nicht zum Spielen kommt, weil der Vater das Geschenk „ausprobieren“ muss – natürlich nur, damit er dann dem Sohn nützliche Tipps geben kann. Jeder kennt die Situation bei Geburtstagsfesten: „Warte, mein Sohn, lass mich mal probieren“, sagt der Vater. „Papi, das ist mein Geschenk“, wehrt sich der Sohn. „Ich will’s dir ja nur zeigen“, setzt sich der Vater durch.
Aber ich schweife ab. Ich wollte ja eigentlich vom neuen, ferngesteuerten Auto erzählen. Mein Sohn ist sehr anständig mit mir und drückt mir immer mal wieder die Fernsteuerung in die Hand. Meistens freilich muss ich mit dem alten Auto vorlieb nehmen, das natürlich weniger toll ist – aber auch nicht schlecht. Als mein Sohn das Geschenk bekam, habe ich ihn auch sofort probieren lassen. Ich habe mit viel Selbstdisziplin vermieden, die Fernsteuerung selbst in die Hand zu nehmen, während mein inneres Teufelchen mir zurief: „Ach komm, du hast es gekauft, also darfst du es auch zuerst probieren!“ Aber nein, mein Sohn hat das Auto zuerst probiert. Und während er mit dem nagelneuen Gefährt schon an die erste Wand krachte, las ich – sozusagen als Ablenkung – die Gebrauchsanleitung. Weil ferngesteuerte Autos alle mehr oder weniger gleich funktionieren, las ich eigentlich nichts Neues und wollte das Heftchen schon schließen, als mein Blick auf die „Sicherheitsbestimmungen“ fiel. Die hatten es in sich! Unter anderem stand dort: „Mit einem Carrera-RC-Fahrzeug dürfen keine Güter, Personen oder Tiere transportiert werden.“ Weiters: „Achtung! Verwenden Sie das Carrera-RC-Fahrzeug nicht im Straßenverkehr.“ Dann: „Stellen Sie das Fahrzeug immer von Hand auf dem Boden ab. Werfen Sie das Fahrzeug niemals aus dem Stand auf den Boden.“
Das war doch glatt eine Gebrauchsanleitung mit Unterhaltungswert! Eigentlich fehlte nur noch der Hinweis, dass sich das Fahrzeug nicht zum Sahneschlagen eignet. Gut, ein Kind könnte vielleicht tatsächlich auf die Idee kommen, eine Katze auf das Auto zu setzen oder mit dem Auto im Straßenverkehr Slalom zu fahren oder seine Widerstandsfähigkeit mit einem Wurf zu testen. Nur dumm, dass mein Sohn noch gar nicht lesen kann. Folglich werden solche Hinweise für die Erwachsenen geschrieben. Aber gibt es wirklich Erwachsene, die auf solche dummen Ideen kommen könnten? Für wie vertrottelt werden die Konsumenten verkauft?
Es ist schon eigenartig. Auf der einen Seite werden Bürger bei Volksbefragungen aufgefordert, Entscheidungen über komplexe Themen zu fällen, die selbst für Fachleute zuweilen eine harte Nuss sind. Auf der anderen Seite werden die Bürger für intellektuell beschränkt erklärt, wenn ihnen in Gebrauchsanweisungen Tipps gegeben werden. Auf Pflanzen steht dann, dass sie nicht zum Verzehr geeignet sind – darüber hat die SWZ schon einmal berichtet.
So unsinnig die Tipps scheinen mögen, so triftig ist deren Grund. Die Produzenten versuchen sich gegen Schadenersatzforderungen und unangenehme Rechtsstreitigkeiten abzusichern. Zu oft schon haben Gerichte in der Vergangenheit überraschende Urteile zugunsten der Konsumenten gesprochen.
Trotzdem, manche Tipps sind dermaßen unsinnig, dass sie schon wieder amüsant sind. Deshalb mein Tipp an alle Väter: Lasst euren Kindern das Spielzeug und lest derweil die Gebrauchsanweisung – das ist fast gleich unterhaltsam. Und bis ihr bei den Tipps durch seid, ist das Kind eh bereits zum ersten Mal des neuen Spieles überdrüssig. Dann seid ihr an der Reihe. Nur, wenn das Volk, das solche Gebrauchsanweisungen nötig hat, wirklich der Politik wichtige Entscheidungen abnehmen soll, dann gnade dir Gott, liebe Welt!


















