Köln – Die 116-seitige Studie „Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2017“ des EHI Retail Institute dokumentiert die Entwicklung der Zahlungsarten wie bar, girocard (= Bankomatkarte), SEPA-Lastschrift, Kreditkarte, handelseigene Karten mit Zahlungsfunktion/Gutscheinkarten oder Internet-Bezahlsysteme im Omnichannel-Handel sowie den Einsatz von Bezahltechnologien in verschiedenen Branchen des deutschen Einzelhandels. Die umfassendste und repräsentativste Untersuchung zum Thema Kartenzahlung beziffert Umsatz- und Transaktionsanteile, durchschnittliche Einkaufsbeträge, aktuelle Akzeptanzkonditionen und nennt Investitionsschwerpunkte. Im Untersuchungspanel sind ca. 80.000 Betriebe aus 35 Branchen des Einzelhandels vertreten. Die Erhebungsteilnehmer repräsentieren einen Brutto-Umsatz von 237,5 Milliarden Euro (57,9 Prozent des Einzelhandelsumsatzes).
Kartenzahlung wächst, Bargeld bleibt – Der kartengestützte Umsatz des deutschen stationären Einzelhandels nimmt seit Jahren stetig zu. Auch 2016 konnte mit einem deutlichen Zuwachs um 9,1 Milliarden Euro (auf insgesamt 187 Milliarden Euro) ein deutliches Plus erzielt werden. Die 187 Milliarden entsprechen einem Anteil von 45,6 Prozent (Vorjahr 44,5 Prozent) am Gesamtumsatz der Einzelhandelsgeschäfte in Höhe von 410 Milliarden Euro. Begünstigt wird die positive Entwicklung auch durch die Gebührenliberalisierung, die für eine gesteigerte Kreditkartenakzeptanz bei den Händlern gesorgt hat.
Nach einem leichten Anteilsverlust 2015 vor der EU-weiten Deckelung der InterChange-Gebühren auf 0,3 Prozent für Kredit- und 0,2 Prozent für Debitkarten (= Bankomatkarten) verzeichnet das girocard-System der Deutschen Kreditwirtschaft 2016 wieder einen deutlichen Umsatzzuwachs. Damit hat sich das girocard-Verfahren 2016 als stärkster Treiber etabliert. Jeder vierte Euro im Einzelhandel wird somit aktuell mit Debitkarte plus PIN umgesetzt. Das unterschriftbasierte SEPA-Lastschriftverfahren hingegen hat gegenüber dem Vorjahr 0,8 Prozentpunkte verloren und verzeichnet damit noch einen Anteil von 13,4 Prozent (Vorjahr 14,2 Prozent). Die Mehrheit (rund 70 Prozent) der befragten Händler halten dennoch eine Dualität von PIN- und Unterschriftverfahren nach wie vor für unverzichtbar.
Laut Europäischer Zentralbank tätigte jeder Einwohner Deutschlands 2015 rund 44 Kartenzahlungen. Somit liegt Deutschland bei den Kartenzahlungen je Einwohner auf Platz 23 von 28 unter den EU-Mitgliedsländern. Italien liegt mit 37 Kartenzahlungen sogar zwei Plätze dahinter auf Rang 25. Unangefochten an der Spitze liegen die skandinavischen Länder: Die ersten drei Ränge nehmen Dänemark (300 Zahlungen), Schweden (290) und Finnland (259) ein. Schlusslicht ist Bulgarien mit elf Kartenzahlungen je Einwohner im Jahr.
Neue Technologien drängen auf den Markt – Die EHI-Untersuchung zeigt, dass Bargeld nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen bleibt. Zwar liegt der Umsatzanteil von Bargeld bei nur noch etwas mehr als der Hälfte (51,3 Prozent) des Gesamtumsatzes, der deutsche Kunde zahlt trotzdem nach wie vor die meisten (77,9 Prozent) seiner Einkäufe bar. Vor allem für geringfügige Beträge wird bevorzugt Bargeld eingesetzt. Dieser weiterhin hohe Anteil liegt zum Teil am Mangel an Alternativen, die eine breite Akzeptanz bei der Kundschaft finden und flächendeckend im deutschen Einzelhandel eingesetzt werden können. Das führende Kartensystem für kontaktloses Bezahlen, girocard, versucht diese Lücke allerdings seit diesem Jahr mit girocard kontaktlos (bis zu Beträgen von 25 Euro) zu schließen.
Die aktuell noch sehr geringen Umsatzanteile von Lösungen wie Payback-Pay oder BlueCode zeigen, dass Mobile Payment noch in den Kinderschuhen steckt. Demzufolge sind mehr als zwei Drittel (71,7 Prozent) der Befragten der Ansicht, dass Bargeld für Beträge unter zehn Euro auch in den nächsten fünf Jahren die dominante Zahlungsart bleibt. Mit deutlichem Abstand folgen girocard kontaktlos (16,7 Prozent) und erst dann Mobile Payment (vier Prozent).
Zwar drängen somit neben den Kartenzahlungen immer neue, innovative Zahlungssysteme (mobil oder contactless) auf den Markt und versprechen in erster Linie dem Verbraucher neue Vorteile. Allerdings sind hier die Bewegungen mit Vergleich zu den anderen Zahlungsarten noch sehr gering (in Italien betrifft das aktuell eine Zahlung auf 85 vor allem in der Großverteilung).
Gerne gesehene Geschenkkarten – Beim kartenunterstützten Zahlungsverkehr sind Gutscheinsysteme nicht mehr wegzudenken. Besonders bei kurzentschlossenen Kunden sind Geschenkkarten gerne gesehen. Für Händler bedeutet das Angebot einen zusätzlichen Kundenservice und bei der Ausgabe eigener Gutscheinkarten auch eine stärkere Kundenbindung (91 Prozent von Gutschein-Einlösern sagen, sie würden ein Geschäft wieder aufsuchen, nachdem ihnen ein Gutschein angeboten worden ist). Zudem generieren Gutscheinkarten mögliche Zusatzeinkäufe und zusätzlichen Umsatz: 60 Prozent der Kunden kaufen Waren für einen höheren Wert als den des Gutscheins. Erfreuliche Nebeneffekte sind weiters die Senkung der Umtauschraten (da der Kunde das Produkt selbst aussucht) und das große Potenzial für virales Marketing (Mund-zu-Mund-Werbung). Aus diesen Gründen nimmt die Ausgabe und Akzeptanz von Geschenk- und Gutscheinkarten im Handel weiter zu.
Ein bemerkenswerter Anteil von knapp 90 Prozent der befragten großen Handelsunternehmen nutzt eigene Gutscheinkarten. Bei mittelständischen Unternehmen liegt dieser Anteil bei etwa 45 Prozent. Fast ein Drittel (30,6 Prozent) der großen Händler vertreibt auch fremde Karten, bei den mittelständischen Unternehmen sind es immerhin fast 18 Prozent. Gut 14 Prozent der großen Unternehmen und knapp drei Prozent der mittelständischen lassen zudem ihre Gutscheinkarten durch Dritte vermarkten. Der Umsatz mit Gutscheinkarten liegt im deutschen Einzelhandel zurzeit bei gut drei Milliarden Euro.
Erstmals seit Jahren rückläufig sind hingegen die Anteile von handelseigenen Karten bzw. Kundenkarten mit und ohne Zahlungsfunktion. Dabei liegt der Schwerpunkt der Nutzung mehr auf der Bonus- und Rabattfunktion als auf der Zahlungsfunktion. Kundenkarten mit Zahlungsfunktion sind in Deutschland weniger verbreitet als in anderen Ländern. Insbesondere Käufe auf Kredit mit eigenen Karten haben einen weitaus niedrigeren Stellenwert als in den USA oder Großbritannien.

















