Daniel Tocca, Modelabel Re-Bello
So, so schwierig und so, so fantastisch
Vor
der Gründung von Re-Bello hatte ich einen gut bezahlten Job in einem
internationalen Unternehmen in Rotterdam. Aber das war auf Dauer nichts
für mich. Tief drinnen in mir wusste ich, dass ich mein eigenes Ding
machen wollte. Dann kam der Schlüsselmoment: In Rotterdam wurde ich auf
die Nische der Öko-Mode aufmerksam, die in Holland in unmöglichen
Schnitten daherkam. Die Kleider sahen aus wie Kartoffelsäcke. Ich fragte
mich, ob es nicht möglich wäre, die tolle Philosophie der Ökostoffe mit
modernen Schnitten und italienischem Design zu kombinieren. Das war der
Startschuss für das Projekt Re-Bello, die Initialzündung für unsere im
wahrsten Sinne des Wortes „Schöne Revolution.“
Diese Revolution war
am Beginn keine einfache. Ich und meine beiden Partner, Daniel Sperandio
und Emanuele Bacchini, waren zwar sehr modeaffin, hatten aber wenig bis
gar keine Erfahrung in der Bearbeitung von Naturmaterialien. Die ersten
Bedruckungen und Waschungen von T-Shirts gingen völlig daneben, aber
wir haben nicht aufgegeben. Dabei half mir persönlich mein Netzwerk in
Südtirol. Ich hätte mir wirklich keinen besseren Ort auf der Welt
vorstellen können, um ein Unternehmen zu gründen. Zu meinem Netzwerk
zähle ich neben privaten und beruflichen Kontakten auch die
institutionelle Ebene. Die Zusammenarbeit mit dem damaligen TIS, heute
IDM, im Bereich der Textilforschung hat uns als Unternehmen sehr viel
gebracht.
Die Entwicklung ist so rasant verlaufen. Mittlerweile
liefern wir über unseren Onlineshop nach ganz Europa. Echte
B2B-Verkaufspunkte haben wir hauptsächlich in Italien, Österreich,
Deutschland, der Schweiz, Holland und Dänemark. Zuletzt haben wir auch
einige Verkaufspunkte in Asien und in den USA eröffnet. Um überhaupt so
weit kommen zu können, muss man seine Idee und sein Produkt lieben. Es
ist wirklich so, so schwierig, ein Unternehmen zu gründen, dass man es
sich am Anfang nicht einmal vorstellen kann, wie schwierig das sein
kann. Deshalb: Wenn man selbst nicht tausendprozentig daran glaubt, dann
braucht man gar nicht anzufangen. Wichtig ist auch, dass man gute
Partner im Boot hat, auf die man sich voll verlassen und denen man voll
vertrauen kann. Ich habe solche Partner. Ohne sie hätte ich es nie
geschafft. Deswegen meine Botschaft: Glaube an deine Idee und verfolge
sie konsequent, tue dich mit guten Leuten zusammen, die ebenso stark
daran glauben, und gib nicht auf!
Verena Lazzeri, Inhaberin der Boutique Thilda
Probieren geht über Studieren
Die
Idee, mein eigenes Geschäft zu verwirklichen, gibt es schon sehr, sehr
lange. Es ist ein alter Mädchentraum, Kleidung auszuwählen, sie
zusammenzutragen und zu verkaufen. Bevor ich das Geschäft in Bozen
aufgemacht habe, schrieb ich mehrere Jahre lang über Mode auf meinem
eigenen Blog. Irgendwann vor zwei Jahren wurde das neben meinem
eigentlichen Job zu zeitaufwändig, und ich wollte den Schritt in die
echte und harte Selbstständigkeit gehen. Ich dachte mir: Bei all meiner
Passion für die Mode muss ich es einfach probieren.
Mittlerweile
sind vier Saisonen vergangen. Was ich nach dieser kurzen Zeit schon
sagen kann, ist, dass die Selbstständigkeit in meiner Branche viele
Freuden bereithält. Zu den schönsten zählt, wenn der Kunde wiederkommt.
Es ist wie in einem Gastbetrieb, wo Leute immer wieder einkehren, weil
Ihnen das Essen schmeckt oder das Ambiente gefällt. Natürlich steckt in
einer solchen Anfangszeit viel Arbeit. Es geht nicht nur darum, den
Betrieb am Laufen zu halten, sondern auch darum, den Laden
weiterzuentwickeln. Wer, so wie ich, den Laden alleine führt, muss da
sehr viel Energie investieren.
Ich bin gerne Unternehmerin – trotz
der Rahmenbedingungen, die es in Südtirol gibt. Diese sind einfach nicht
förderlich für junges Unternehmertum. Für einen Neueinsteiger sind die
Kosten – ebenso wie für einen etablierten Unternehmer –
extrem hoch.
Das fängt bei der Miete an und hört bei den Personalkosten auf. Hinzu
kommen die Steuern, die in diesem Staat einfach wahnsinnig hoch sind.
Solche Rahmenbedingungen fördern natürlich nicht die Initiative, und man
überlegt es sich schon zweimal, ob man wirklich das Risiko eingeht, auf
die Nase zu fallen. Ist die Leidenschaft nicht groß genug, kommt es
also gar nicht zur Unternehmensgründung.
Das liegt auch daran, dass
in unserer Unternehmenskultur das Scheitern – im Unterschied etwa zu
Amerika – sehr negativ besetzt ist. Wenn in den USA etwas schiefgeht,
wird einfach das nächste Unternehmen gegründet. Hierzulande gibt es viel
Angst vor dem Scheitern. Natürlich oft auch begründet, etwa dann, wenn
Schulden bestehen. Aber insgesamt möchte man sich selbst und auch
anderen öfter eigentlich zurufen: Immer mit Mut!
Kunigunde Weissenegger, franzLAB
In der Bewegung liegt die Kraft
Für
uns war der Prozess des Gründens fließend. franzLAB, wie das kreative
Dienstleistungsunternehmen im Bereich Kommunikation heute heißt (und
unter anderem franzmagazine.com und die Reisebuchserie JOSEF Travel Book
herausgibt), entstand aus dem damaligen Medienprojekt cool_schrank, in
dem Fotografen, Texter, Grafiker und Journalisten recht lose und nicht
kommerziell zusammengearbeitet haben. franzmagazine, deren Gründung vor
sieben Jahren erfolgte, war eine Weiterentwicklung der Idee, über eine
mehrsprachige Plattform einen Raum zwischen Südtirol, Trentino und Tirol
zu erkunden und zu beleben, der sich abseits des bereits Bekannten und
Gängigem bewegt – eben „more than apples und cows“, wie es in unserem
Leitmotiv heißt.
Hinter der Gründung standen keine Investoren. Das
wollten wir nie, weil wir nie in irgendeiner Form gesteuert werden
wollten. Es heißt nicht umsonst so schön: wer zahlt, schafft an. Die
Investoren waren wir selbst, mit unserer Arbeit und unserer Zeit. Wir
hatten damals alle unsere Brotjobs, hauptberuflich oder im Nebenerwerb,
und haben unsere
freie Zeit darauf verwendet, um das Projekt
aufzubauen. Wir hatten kein Startup-Kapital, wie man heute so schön
sagt, sondern unsere Freizeit der Nächte und der Wochenenden waren
unsere Ressourcen. Sehr intensiv von Anfang an verfolgten Anna Quinz und
ich die Unternehmung, die wir – seit einigen Jahren auch zusammen mit
Barbara Elias Da Rocha – bis heute lenken. Was sich ebenfalls wie ein
roter Faden aus der Anfangszeit heraufzieht, ist unser Arbeitsstil: wir
arbeiten mit den unterschiedlichsten Personen für die
unterschiedlichsten Projekte für eine Zeit zusammen, ob es
Kommunikations- oder Werbekampagnen, Text-, Grafik- oder Filmprojekte,
Veranstaltungen wie BUSK oder Rosengarten Festa oder unser kürzlich
erschienener dreisprachiger Reiseführer für Meran und Umgebung JOSEF
sind.
Ich könnte mir heute gar nicht mehr vorstellen, nicht
selbständig zu sein. Das Unternehmertum hält natürlich Nachteile und
Vorteile bereit, aber ich sehe im Moment vor allem die positiven Seiten.
So gefällt mir die Tatsache, dass ich auch abends, dann, wenn andere
vielleicht wirklich Feierabend haben, noch mit dem Kopf in verschiedenen
Projekten hänge. Ich denke im Grunde ständig an Projekte und bringe sie
mit Personen in Verbindung, wenn ich draußen unterwegs bin. Ich mag es,
nicht um sechs den Kopf auszuschalten. Das bin ich. Das bedeutet für
mich, in Bewegung zu sein. Und unsere Unternehmung braucht das auch. Wir
leben ja von Ideen und vom Netzwerken. Der größte Vorteil bei allem ist
doch, seine eigenen Entscheidungen treffen zu können und Ideen im Guten
umsetzen zu können. Das ist für mich Selbstständigkeit.
Matthias Polig, Geschäftsführer der Kletterplattform Vertical-Life
Der Mut und das Selbstvertrauen der Senkrechten
Es
war schon länger mein Ziel, eine Firma mit Partnern auf die Beine zu
stellen. Vor der Gründung von Vertical-Life hatte ich verschiedene
Firmen, mit denen ich mein Studium finanziert habe: vom Skiservice über
die Eventveranstaltung bis zum Import von Kletterprodukten. Bei all
diesen Projekten aber war ich alleine. Als ich der
Kommunikationsexpertin Maria Hilber und dem Grafiker und Texter Arno
Dejaco begegnet bin, war dieser Teil meiner Vorstellung von
Selbstständigkeit mehr als erfüllt. Später kam auch Iiro Virtanen hinzu,
unser Head of Development und mittlerweile auch Gesellschafter des
Unternehmens. Ich hatte Leute getroffen, von denen ich wusste, dass sie
sehr gut zu mir und zu unserer Idee passen, dass wir einander vertrauen
können und dass sie natürlich auch sehr gut in ihrem jeweiligen Bereich
sind. In diesem Moment habe ich alle meine anderen Projekte eingestellt
und mich nur mehr auf das Projekt Vertical-Life fokussiert. Das war ein
bewusster Schritt: Ich wollte mit der neuen Firma das nächste Level
erreichen – im Klettern würde man sagen: den nächsten Grad.
In der
ersten Zeit des Tüftelns und Feilens am Projekt haben wir als Gründer
gar nichts verdient. Genau genommen haben wir uns in den ersten drei
Jahren nichts ausbezahlt, sondern alle drei – jeder, wie er konnte –
Eigenkapital in das Unternehmensprojekt hineingesteckt. Die Ziele und
auch das Projekt wurden rasch größer. Eine Idee fügte sich zur anderen,
sodass schlussendlich Vertical-Life entstand, wie es heute aussieht:
eine Plattform, auf der Kletterer das ganze Jahr über mit dem „versorgt“
werden, was sie brauchen: die Outdoor-Kletterführer mit Routen auf der
ganzen Welt in eigenem Verlag, Indoor-Software für Kletterhallen und
Trainingsprogramme. Alles digital und individuell nutzbar.
Wir haben
viel Lehrgeld gezahlt und Fehler gemacht, aber haben diese durch viel
Arbeit kompensiert, mit unglaublich viel Arbeit. Damit sind alle hier
bei uns gemeint. Wir hatten das Glück, Leute zu finden, die
überdurchschnittlich talentiert in ihren Bereichen sind und die die
Motivation hatten, am Anfang für weniger Geld zu arbeiten, als sie es
andernorts bekommen hätten. Als die Erfolge gekommen sind, sei es durch
die Marktzahlen, durch die Awards oder durch die Beteiligung von
Investoren, war dies natürlich für alle eine große Genugtuung und hat
vieles leichter gemacht. Letztendlich hat Leidenschaft aus unserem
Unternehmen das gemacht, was es heute ist. Dazu kommt Mut und das
Selbstvertrauen, etwas Großes schaffen zu können. Bis heute habe ich
nicht einen Tag am Projekt gezweifelt. Denn ich habe letztendlich immer
gedacht: Solange wir verstehen, in welche Richtung die Digitalisierung
geht, solange wir die digitale Sprache verstehen und die Leute haben,
die die nötigen Tools anwenden und umsetzen können, können wir nichts
falsch machen. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen aufzuhören.

















