In Teilen Europas grassiert die Jugendarbeitslosigkeit. In manchen Gebieten ist jeder dritte junge Mensch ohne Arbeit. Der Mangel an Jobs ist persönlich schlimm für die Betroffenen, die keine Erwerbs- und damit Selbstverwirklichungsmöglichkeit finden, und er schürt zahlreiche gesellschaftliche Probleme, die erst mit der Zeit akut werden: Frust, materielle Not, Kriminalität, Lethargie, Gewalt.
Die gefährliche Entwicklung hat zwar auch wirtschaftliche Gründe, ist aber in erster Linie auf bildungspolitische Fehlentscheidungen und auf ungenügende Aufklärung zurückzuführen. Klar ist: Junge Menschen sollen sich bei der Berufswahl in erster Linie an ihren individuellen Fähigkeiten und Neigungen orientieren. Wer etwas besonders gern tut, entwickelt darin weit überdurchschnittliche Kenntnisse und Fertigkeiten und wird auch in schwach nachgefragten Berufen seinen Weg machen. Und klar ist auch, dass Bildung schwerer wiegt als Ausbildung, weil sie zum Durchblick und zum Wandel befähigt und nicht bloß Wissen vermittelt, das rasch überholt sein kann.
Zugleich ist es aber auch eine Tatsache, dass in manchen Staaten seit Jahren an der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und den Berufschancen vorbei ausgewählt und ausgebildet wird. Dass die Spanier derzeit in Deutschland die duale Berufsausbildung studieren, spricht Bände, und Italien hat zu lange Maturanten en masse ohne besondere Leistungsprofile und zu viele Akademiker in stark überlaufenen Modefächern produziert. Die entstandene Schieflage ist wohl auch auf eine bestimmte geistige Grundhaltung in unserer Gesellschaft zurückzuführen, die Technik und Naturwissenschaften misstraut (siehe Gastkommentar auf Seite 4). Dabei reißen sich heute Unternehmen auch um mittelmäßige Physiker oder Elektroingenieure, während Soziologen und Kommunikationswissenschaftler keinen Berufseinstieg finden.
Südtirol hat in der Bildungspolitik viel richtig gemacht, aber es muss jetzt schleunigst bestimmte Weichen neu stellen, statt zu warten – etwa bis der Staat die Ausbildungskurse für Orthoptisten und Physiotherapeuten an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe streicht, deren Abgänger schon in den letzten zwei Jahren keinen Job gefunden haben.














