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Genossen mit Kapital: Was tun die Raikas mit den Rekordgewinnen?

RAIFFEISENKASSEN – Die Raikas sind Genossenschaftsbanken, aber sie stecken voller Geld. Die harte Kernkapitalquote (CET 1) ist im vergangenen Jahr auf über 30 Prozent geklettert. Manche Mitglieder würden sich angesichts der hohen Gewinne bessere Konditionen wünschen. Für die Raikas selbst ist ihr Kapital ihre Stärke.

Robert Weißensteiner von Robert Weißensteiner
30. Juni 2026
in Südtirol
Lesezeit: 4 mins read

Die Raiffeisenkassen haben sagenhafte 30 Prozent Eigenkapital. (Foto: Raiffeisenverband Südtirol)

Bozen – Bei der Jahresversammlung des Raiffeisenverbandes am 11. Juni wurden die Geschäftsergebnisse 2025 der Mitgliedergenossenschaften vorgestellt. Im Mittelpunkt des Interesses standen dabei die Resultate der 39 Raiffeisenkassen, die dem Verband sowie dem Sicherungssystem IPS angehören. Und diese können sich sehen lassen. Die Summe der Aktiva beläuft sich auf rund 17,7 Milliarden Euro, die Einlagen sind um 6,6 Prozent auf 14,5 und die Ausleihungen um ein Prozent auf 9,7 Milliarden angewachsen. Besonders erfreulich für die Kassen ist ihre Ertragslage: Der Gewinn nach Steuern beträgt 219 Millionen (nach 207 Millionen im Jahr davor), was zu einem Teil auch darauf zurückzuführen ist, dass Genossenschaftsbanken steuerlich begünstigt sind. Zusammen mit der Raiffeisen Landesbank (einer Aktiengesellschaft und Tochter der Raikas) beträgt der Reingewinn gar 246 Millionen. Das gute Ergebnis reiht sich ein in jenes der beiden großen Banken in Südtirol, der Sparkasse, die rund 88 Millionen verdient hat, und der Volksbank, die es letztes Jahr gar auf 131 Millionen gebracht hat.

Der Eigenkapitalanteil beträgt 30 Prozent

Als Genossenschaftsbanken dürfen die Raiffeisenkassen zwar Gewinne machen, aber sie dürfen diese nicht an die 86.000 Mitglieder ausschütten – ganz im Gegensatz etwa zu Volksbank und Sparkasse, die einen Teil ihrer Gewinne an die zusammen über 80.000 Aktionäre ausschütten, denn diese haben ja Geld investiert und erwarten sich, dass dieses eine angemessene Rendite abwirft. Nach den Kursverlusten in den Jahren vor Corona sind Gewinne ein Gebot der Stunde. Auch Volksbank und Sparkasse nutzen einen Teil ihrer Gewinne zur Verbesserung des Eigenkapitalanteils.

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Anders bei den Raiffeisenkassen. Deren jeweiliger Reingewinn fließt zu 100 Prozent in das Eigenkapital. Die sogenannte Harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1, kurz CET1 genannt) beläuft sich nach den Zuführungen vom letzten Jahr auf traumhafte 30,2 Prozent. Rücklagen von zusammen fast 2,6 Milliarden stehen bereit. Es ist dies Kapital, das ständig zur Verfügung steht, um eventuell auftretende Verluste (insbesondere durch Kreditausfälle) abzudecken. Von den Aufsichtsbehörden vorgeschrieben sind bloß etwas mehr als acht Prozent, aber je mehr Eigenkapital eine Bank hat, desto solider ist sie und desto mehr Geld darf sie verleihen, wobei jeder Kredit je nach Risikobewertung mit einem bestimmten Eigenkapital unterlegt werden muss. Die großen, von der EZB beaufsichtigten Banken bringen es auf einen Eigenkapitalanteil von gut 16 Prozent; knapp darüber liegen die Südtiroler Sparkasse (16,6 Prozent) und die Südtiroler Volksbank (17,8 Prozent). Dies sind ausgezeichnete Werte, doch werden sie von den Raiffeisenkassen wie erwähnt weit übertroffen.

Bessere Konditionen, statt satte Gewinne?

Die satten Gewinne und damit Rücklagen der Raiffeisenkassen stellen viele Mitglieder zufrieden, denn sie sind ein Zeichen dafür, dass gut gearbeitet wird und ihre Bank auch mögliche magere Jahre überstehen könnte. Manche dagegen sind der Meinung, dass es angesichts der Gewinne und der umfangreichen Rücklagen an der Zeit wäre, ein Stück des Kuchens den Mitgliedern zukommen zu lassen – nicht in Form von Dividenden (dies ist nicht möglich), sondern von besseren Konditionen, sprich: etwas höheren Einlagen- bzw. etwas niedrigeren Ausleihungszinsen oder geringeren Kontoführungsspesen. Jemand, der bei einer Raiffeisenkasse zwecks Erwerb einer Eigentumswohnung einen Kredit von 200.000 Euro aufgenommen hat, hat ausgerechnet, dass er durch um einen halben Prozentpunkt niedrigere Zinsen 1.000 Euro im Jahr sparen würde, was über die Laufzeit von 20 Jahren eine deutliche Entlastung darstelle. Und die Gesamtrechnung? 9,7 Milliarden hatten die Raikas 2025 an Krediten laufen. Auf diese Summe einen halben Prozent weniger Ausleihungszinsen zu verlangen, würde bei den Raiffeisenkassen zu Mindererlösen in Höhe von knapp 50 Millionen führen. Und würden den Sparern gleichzeitig 0,3 Prozentpunkte mehr für ihre Einlagen bezahlt, würde dies die Banken bei Spar- und Kontokorrenteinlagen in Höhe von 14,5 Milliarden zusätzlich knapp 45 Millionen kosten. Auf diese Weise hätten sich die Gewinne 2025 um etwa 95 Millionen auf 124 Millionen verringert. „Für die Banken“, sagt das Raika-Mitglied, „wäre dies kein Beinbruch, denn zusätzlich 124 Millionen an Reserven scheinen mir ausreichend. Uns Mitgliedern wäre aber geholfen – und die Kassen wären attraktiver für Kunden und hätten einen Wettbewerbsvorteil.“

Genossenschaftsbanken brauchen hohe Rücklagen

Eine solche Lageeinschätzung können die Führungsgremien der Kassen nicht teilen. Für Vorstände und Direktoren sind die derzeit guten Gewinne kein Grund, kurzfristig die Strategie zu ändern und dem Zuwachs an Eigenkapital weniger Bedeutung beizumessen. „Die Höhe des Eigenkapitals“, urteilt Andreas Mair am Tinkhof, der Leiter des Bereichs Banken im Raiffeisenverband, „ist entscheidend für die Kreditvergabe und damit für die Möglichkeit der Kassen, wirtschaftliche Initiativen oder auch Investitionen von privaten Haushalten zu finanzieren. Je mehr Eigenkapital eine Bank hat, desto mehr Kredite und Darlehen darf sie vergeben. Auch sind diese Mittel ein Puffer zur Überbrückung schlechter Jahre. Eine Raiffeisenkasse kann im Falle einer Schieflage keine Kapitalerhöhung vornehmen und dafür Geld von Anlegern sammeln, wie es andere Banken getan haben. Ein deutlich höherer Eigenkapitalanteil ist somit wichtig, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Eigenkapital hat eine Genossenschaftsbank nie genug.“ Mair am Tinkhof unterstreicht, dass die Rücklagen auch den Einlegern viel Sicherheit geben. „Ich kann verstehen, dass Mitglieder bessere Konditionen wünschen, aber ich denke, die Raiffeisenkassen bieten im Vergleich vorteilhafte Bedingungen. Noch einmal: Viel Eigenkapital ist essenziell für eine Genossenschaftsbank.“

Alex Weissensteiner, Professor für Quantitative Finance an der Universität Bozen und auch deren Rektor, will in der Bewertung der beiden gegensätzlichen Einschätzungen keine allgemeingültige Antwort geben, denn – so lässt er durchklingen – es handle sich um eine interne Entscheidung aufgrund einer Bewertung der jeweiligen betriebswirtschaftlichen Lage und der Marktsituation. Es liege an der Mitgliederversammlung, entsprechende Beschlüsse zu fassen.

Schlagwörter: 26-26free

Ausgabe 26-26, Seite 5

Robert Weißensteiner

Robert Weißensteiner

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