Seit einigen Jahren macht eine Idee die Runde, die ihren Ursprung im Volk der Dichter und Denker hat, das auch für seinen Hang zu romantischer Schwärmerei bekannt ist. Das Rezept: Der Staat soll allen Bürgern von der Geburt bis zum Tod ein Grundeinkommen gewähren, das unabhängig von Erwerbsarbeit oder Rente macht und das es allen ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben ohne Zwang, aber ohne Luxus zu führen. Wie hoch die Zuwendungen sein sollen, bleibt offen, doch müssten es monatlich wohl an 1.000 Euro pro Kopf sein, für Singles mehr, für Kinder weniger. Die Einkommensteuern sollen abgeschafft und hohe Konsum- und Kapitalertragssteuern eingeführt werden. Die Menschen, so die Vermutung, werden trotzdem arbeiten, weil Arbeit befriedigt, und wer eine Erwerbsarbeit verrichtet, wird zusätzlich auch einen Lohn erhalten. Das Ziel ist wohl eine Nivellierung der Entlohnungen, ein alter Traum der Linken.
Die Verfechter der Lehre von den Segnungen des Grundeinkommens scheinen überzeugt, dass das System funktioniert und finanzierbar ist, und dass wir damit auf einen Schlag viele Probleme lösen – von der Arbeitslosigkeit bis zu den Zukunftsängsten, kurz: Das einfache, aber sorgenfreie, das wirklich gute Leben wird möglich.
Die Pläne fußen im Prinzip auf einem Menschenbild, an dem schon der Kommunismus gescheitert ist, auch wenn sie jetzt in einer ganz neuen Aufmachung daherkommen und als vollkommen neue Lösung der Kapitalismusprobleme verkauft werden. Zudem halten die mathematischen Modelle zur Finanzierung des neusozialistischen Traums keinem Praxistest stand. Gut 700 Milliarden bräuchte es im Jahr dafür in Italien an Einnahmen, etwa so viel, wie derzeit an Steuern und Sozialabgaben aufgebracht werden. Aber womit werden alle anderen Ausgaben finanziert, etwa Schulen, Krankenhäuser oder Nahverkehrseinrichtungen? Dass wir viel konsumieren müssen, um das System zu erhalten, ist ein Widerspruch in sich. Und überhaupt: Wie können Unternehmen in diesem Umfeld organisiert werden?
Fragen über Fragen im Abenteuer Grundeinkommen. Muss man da zu Risiken und Nebenwirkungen noch die Packungsbeilage lesen?


















