Meran/Biel – Frauen an den Schaltstellen der Bau- und Holzwirtschaft sind auch im Jahr 2012 noch rar. Da berufliche Weiterbildung einer der Schritte auf dem Weg zu erfolgreicher Zukunftsgestaltung ist, hat forum-holzbau (Erklärung zum Verein siehe Infobox) das Internationale Branchenforum für Frauen (IBF 2012) im Holzbau und Innenausbau ins Leben gerufen.
Die Idee dazu hatte Uwe Germerott, Geschäftsführer von forum-holzbau und Professor an der Berner Fachhochschule, nachdem sich eine Teilnehmerin am Internationalen Holzbau-Forum in Garmisch-Partenkirchen, mit jährlich rund 1400 Teilnehmern die größte der von forum-holzbau organisierten Veranstaltungen, bei ihm beschwerte: Es nerve sie, dass die männlichen Forumsteilnehmer meist aufhörten über Fachliches zu sprechen, sobald sie zu einer Gruppe stoße, bemängelte die Architektin, und damit begännen, sich über das Wetter, den Urlaub oder über Autos zu unterhalten. Seit 2003 können Fachfrauen nun beim IBF in Meran nach Belieben fachsimpeln und müssen sich nicht mehr über Männer ärgern, die ihnen keine Fachkompetenz zutrauen – zumindest während der Dauer der Veranstaltung.
Zielgruppe des Branchenforums sind alle Frauen, die in der Holz- und Bauwirtschaft in leitenden Positionen im mittleren und höheren Management tätig sind, beispielsweise Architektinnen, Geschäftsführerinnen oder Mitarbeiterinnen aus den Bereichen Marketing, Planung, Entwicklung, Einkauf/Verkauf, Human Ressources oder Kommunikation.
Im Vorjahr trafen sich rund 150 Fachfrauen aus dem deutschsprachigen Raum zum IBF. Bei der zehnten Auflage, die am 28. und 29. Juni 2012 stattfindet, erwarten die Organisatoren 170 Teilnehmerinnen.
Auf dem Programm stehen Fachvorträge zu aktuellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen der Holz- und Baubranche. Aber auch Referate zu Management und Karriere, in denen die Teilnehmerinnen Wissenswertes zur Stellung der Frau in Gesellschaft und Wirtschaft, zu erfolgversprechenden Unternehmensstrategien in der täglichen Arbeit sowie zu künftigen Herausforderungen erfahren.
Einer der Höhepunkte des IBF 2012 dürfte der Themenblock „Explosion der Sinne“ (Donnerstag, 28. Juni) werden – wenn es auch kein rein fachlicher ist. Im Mittelpunkt stehen zwei Südtiroler, die in ihrer jeweiligen Branche international Erfolge feiern: Matteo Thun, aus Bozen stammender Architekt und Designer, wird über „Nachhaltige kontemplative Architektur“ referieren und der Frage nachgehen: Wie gelingt es Neues zu schaffen, sodass es zu dem bereits Vorhandenen passt, dessen Besonderheiten sogar unterstreicht und gleichzeitig funktional ist? Lösungen für die alltäglichen Probleme hat hingegen der in Brixen geborene Sternekoch Heinz Winkler parat. Er meint, für alles sei ein Kraut gewachsen und stellt sein Rezept „Powerfood“ vor.
Der erste Themenblock beim IBF 2012 ist „Land und Wirtschaft“ (28. Juni): Sophie Karmasin von der Karmasin Motivforschung aus Wien wird Empfehlungen für die richtige Inszenierung von Produkten geben, Pater Albert Ziegler aus Zürich stellt die menschliche Ethik dem Produktivitätsstreben gegenüber und Landeshauptmann Luis Durnwalder spricht über das Wirtschaftsmodell Südtirol.
Im Modul „GEBÄUDEkonstruktionen“ (28. Juni) beschäftigen sich die Referentinnen mit Konstruktionssystemen für den Holzausbau, Schwingungen bei Holzdecken sowie dem Konstruieren im Spannungsfeld ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Parallel findet das Modul „INNENgestaltung“ statt, in dem u.a. Dagmar Krapf von der Villnösser Tischlerei Gottfried Krapf zum Thema „Kreativer Einsatz von Furnier“ und Eliane Ernst (Creation Baumann, Schweiz) über Entwicklungsprozesse von Textilien für die Raumgestaltung referieren.
Am Freitag (29. Juni) geht es vormittags um „GEBÄUDEhülle“. Esther Strahl (lattkearchitekten, Deutschland) wird anhand eines praktischen Beispiels die TES EnergyFacade vorstellen. TES EnergyFacade ist ein internationales Forschungsprojekt zur Entwicklung eines großformatig vorgefertigten Holzbausystems zur energetischen Sanierung der Gebäudehülle von Bestandsbauten. Susanne Gosztonyi (AIT Austrian Institute of Technology, Österreich) geht der Frage nach, ob aus der Bionik Ansätze für adaptive energieeffiziente Fassaden der Zukunft abgeleitet werden können.
Ein weiterer Perspektivwechsel wird den Teilnehmerinnen im Block „WERTEgestalten“ (29. Juni) ermöglicht. Sie können den Designprozess aus dem Blickwinkel des Automobilherstellers Mercedes-Benz/Daimler kennenlernen. Außerdem erfahren sie, welche Überlegungen es im Bereich Konzernpersonalwesen der BMW Group gibt, um dem Fachkräftemangel, verursacht durch den demografischen Wandel, zu begegnen.
Neben den Referaten bieten sich den IBF-Teilnehmerinnen Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch und für Networking. Anlässlich des Jubiläums „10. Auflage des IBF in Meran“ findet am Donnerstag, 28. Juni, beim Galaabend eine kleine Show mit Modenschau und Verlosungen statt. So können die Teilnehmerinnen ein Wochenende bei Heinz Winkler in seiner Residenz in Aschau im Chiemgau oder Gutscheine von Meraner Geschäften gewinnen. (tres)














