Bozen – Die Sommerferien waren noch weit weg, als die Landesregierung im November neue Richtlinien für die Sommerbetreuung präsentierte. Das Ziel: Die Landesbeiträge, die die Träger der Angebote erhalten, sollten standardisiert, die Finanzierung transparenter gestaltet werden. Infolgedessen gab es einen großen Aufschrei vonseiten vieler Organisatoren der Sommerprojekte. Gar einige gaben bekannt, ihr Angebot für Kinder und Jugendliche unter den neuen Rahmenbedingungen nur mehr teilweise oder gar nicht mehr durchführen zu können. Die Unsicherheit zog sich über mehrere Monate, dann verstummte die Kritik. Nun steht der Sommer vor der Tür – und die Fragen sind, zumindest wenn man die Anbieter fragt, noch nicht vollständig gelöst.
Das Land stockt auf
Die Frage, wo die Kindergarten- und Schulkinder die Sommermonate über untergebracht werden sollen, bewegt viele Familien. Laut Zahlen des Landes waren im vergangenen Jahr mehr als 25.500 Kinder und Jugendliche pro Woche zu den verschiedenen Angeboten angemeldet. Sie reichen – je nach Anbieter und Gemeinde – von Sommerkindergarten über Kinderferien bis hin zu Fahrrad-, Schwimm- oder Wanderwochen. Die öffentliche Hand lässt sich die Betreuung etwas kosten: Sie steuerte 2025 insgesamt 20,6 Millionen Euro bei, für fast 500 Projekte. Für dieses Jahr wurde der Betrag noch einmal erhöht: Zunächst auf 25 Millionen Euro, dann auf 26 Millionen (siehe Interview).
Die größten Kritikpunkte zur Sommerbetreuung bleiben derweil weiter bestehen. Zu ihnen zählt das Durcheinander an Angeboten, unter dem sich Familien zurechtfinden müssen, genauso wie die unterschiedlichen Anmeldetermine und -prozeduren – Stichwort Clickdays.
Auch die Kosten sorgen regelmäßig für Kritik. Sie reichen von einigen Dutzend bis einigen Hundert Euro pro Woche. Christa Ladurner, Sprecherin der Allianz für Familie, sagte im Januar gegenüber der SWZ (siehe SWZ 01/26): „Die wirklich tollen Angebote sind oft nur für die gehobene Mittelschicht bezahlbar.“ Das größte Problem aber ist: Es gibt meist deutlich mehr Nachfrage als Angebot. Viele Eltern berichten von Kursen, die nach wenigen Minuten ausgebucht sind.
Einige wollten das Angebot kürzen
Rund um den Jahreswechsel sah es danach aus, als wäre das Angebot in diesem Jahr möglicherweise noch knapper als sonst: Einige Trägerorganisationen hatten bekannt gegeben, ihr Programm heuer kürzen zu müssen.
Bei den Trägerorganisationen kamen die Änderungen alles andere als gut an. Einige gaben bekannt, sie seien unter den neuen Bedingungen nicht mehr in der Lage, ihre Projekte durchzuführen.
Der Hintergrund: Im November hatte die Landesregierung neue Finanzierungskriterien für die Sommer- und Ferienbetreuungsprojekte verabschiedet. Die Kriterien sollten standardisiert werden, die Handhabung vereinfacht. „Es kann nicht sein, dass wir 500 verschiedene Projekte haben, die alle auf unterschiedliche Weise finanziert werden“, beschreibt Familienlandesrätin Rosmarie Pamer das alte Modell (siehe Interview). Im neuen Modell wurden etwa fixe Personalsätze vorgesehen, genauso wie fixe Verpflegungskosten pro Kind und Tag.
Bei den Trägerorganisationen kamen diese Änderungen alles andere als gut an. Einige gaben bekannt, sie seien unter den neuen Bedingungen nicht mehr in der Lage, ihre Projekte durchzuführen.
Daraufhin besserte das Land im Januar nach. Als die Änderungen vorgestellt wurden, sagte Landesrätin Pamer: „Wichtig ist uns, dass auch im Sommer 2026 wiederum zahlreiche Betreuungsangebote in möglichst allen Südtiroler Gemeinden organisiert werden.“ Nach Protesten im Januar und Februar hörte man von den Trägern der Betreuungsprojekte nichts mehr. Alles in Butter also? Nein, sagen die Anbieter.
„Niedrigere Qualität“
Einer der vielen Organisatoren im Land ist „Jugend Cultura Unterland“ mit seinem „Youth Summer“ für Mittelschüler:innen. Im vergangenen Jahr bot der Verein 14 Projekte für 275 Jugendliche an, heuer sind es zwölf Projekte mit knapp 170 Plätzen. Zwei Projekte wurden aufgrund des neuen Beitragsmodells gestrichen. Geschäftsführer Michele Braito sagt, dieses stelle seine Organisation vor eine große Herausforderung. „Für die Projekte, die sich an ältere Jugendliche richten – wie jene für Mittelschüler, die wir betreuen –, reichen die Fördermittel nicht aus.“
„Wir haben die Ausflüge reduziert, verzichten auf das Anmieten von Fahrzeugen, um entferntere Ziele zu erreichen, und behelfen uns mit internen Ressourcen, anstatt externe Fachleute zu engagieren. Das alles senkt die Qualität des Angebots.“
Projekte für Jugendliche seien kostenintensiver, so Braito: „Ein Jugendlicher in der dritten Klasse Mittelschule benötigt strukturiertere Aktivitäten und komplexere pädagogische Inhalte. Die Vereinheitlichung benachteiligt die Projekte für die Älteren.“ Die Folge bekommen die Jugendlichen zu spüren: „Wir haben die Ausflüge reduziert, verzichten auf das Anmieten von Fahrzeugen, um entferntere Ziele zu erreichen, und behelfen uns mit internen Ressourcen, anstatt externe Fachleute zu engagieren. Das alles senkt die Qualität des Angebots.“ Das neue System bringe Unsicherheit mit sich. Michele Braito: „Es ist schwierig, Projekte im Wert von Zehntausenden Euro zu organisieren, ohne mit Sicherheit zu wissen, welche Fördermittel fließen werden.“
Noch viele Fragen offen
Auch bei der Sozialgenossenschaft Kinderwelt, einem der größten Anbieter für Ferienbetreuungsangebote, sind noch viele Fragen offen. Geschäftsführerin und Präsidentin Martina Ladurner sagt: „Für uns bringen die Neuerungen einen enormen Mehraufwand mit sich.“ Der Stichtag, um die Ansuchen einzureichen, ist der 30. April. „Dabei haben wir erst gegen Ende März die Formulare bekommen. Die Zeit ist knapp“, so Ladurner. Wie die Abrechnung am Ende konkret ablaufe, welche Dokumente und Belege notwendig sind und welche nicht, sei noch unklar. „Es sind noch viele Fragen offen“, sagt Martina Ladurner.
Ihre Sozialgenossenschaft verzeichnete im vergangenen Jahr knapp 9.000 Anmeldungen für Projekte in 24 Gemeinden. Heuer gibt es das Angebot der Kinderwelt in 17 Gemeinden. Reduziert worden sei „nicht nur wegen der Neuerungen – in einigen Gemeinden haben andere Faktoren eine Rolle gespielt –, aber auch deswegen“.
„Die vielen Änderungen und Anpassungen haben zu Unsicherheit geführt. Von den Trägern wird hier viel Flexibilität verlangt.“
Die Vertreterin einer weiteren Organisation, die anonym bleiben möchte, sagt, der Großteil des Angebotes werde auch heuer wieder durchgeführt. Nur einzelne Projekte mit Übernachtungsmöglichkeit wurden gestrichen, weil ihre Finanzierung auf wackligen Beinen stand. „Die vielen Änderungen und Anpassungen haben zu Unsicherheit geführt. Von den Trägern wird hier viel Flexibilität verlangt“, meint sie. Ob die neuen Richtlinien den bürokratischen Aufwand für die Träger reduzieren, müsse sich erst zeigen. „Wie dieses Konzept wirklich funktioniert, wissen wir erst, nachdem dieser Sommer vorbei ist.“
Die Familien dürften aber wenig von den Änderungen spüren, meint sie. „Für die Eltern bleibt das Ganze – solange wir mit dem Modell der privaten Träger arbeiten – ein Flickenteppich.“ Für die Familien habe die Reform nichts geändert. Geschweige denn gebessert.
Interview
„Habe ein gutes Gefühl“

SWZ: Frau Pamer, im Winter gaben einige Organisatoren von Ferienbetreuungsangeboten bekannt, dass ihr Programm heuer kleiner ausfallen wird, weil sie weniger Landesbeiträge erhalten. Was ist der Stand der Dinge?
Rosmarie Pamer*: Mein Gefühl sagt mir, dass wir heuer mehr Angebote haben werden, vor allem für die Kindergartenkinder. Ab heuer soll ja jede Gemeinde sicherstellen, dass die Kindergartenkinder mindestens sechs Wochen betreut werden. Bis Ende April können die Träger Ansuchen für die Beiträge stellen. Dann werden wir konkret wissen, wie viele Angebote es heuer gibt. Ich habe aber ein gutes Gefühl. Wir stellen heuer auch mehr Geld zur Verfügung. Im vergangenen Sommer waren es 20,6 Millionen Euro. Für heuer haben wir zuerst auf 25, dann auf 26 Millionen aufgestockt. Sollte das nicht reichen, werden wir im Nachtragshaushalt nachbessern.
Heuer werden die Landesbeiträge für die Angebote erstmals nach einem neuen, standardisierten System vergeben. Warum war die Überarbeitung notwendig?
Unser Ziel war es – das war auch eines der Ergebnisse der Haushaltsüberprüfung von Andrea Zeppa –, die Beiträge zu vereinheitlichen und transparenter zu gestalten. Es kann nicht sein, dass wir 500 verschiedene Projekte haben, die alle auf unterschiedliche Weise finanziert werden. Wenn die Anbieter nun vorab das Formular ausfüllen, wissen sie genau, welchen Beitrag sie bekommen. Es gibt keine Überraschungen.
Als die Neuerungen im Herbst angekündigt wurden, gab es einen großen Aufschrei vonseiten vieler Anbieter. Es hieß, manche Angebote seien mit dem neuen System nicht mehr durchführbar.
Eine Neuerung bringt immer Unsicherheiten, es gibt Gewinner und Verlierer. Es gab in der Vergangenheit Träger, das muss man sagen, die recht unverschämt abgerechnet haben. Eigentlich waren bei den Projekten 60 Prozent Betreuungsspesen und 40 Prozent Restkosten vorgesehen. Bei einigen Projekten lagen die Restkosten aber bei 70 Prozent und jene für die Betreuung bei 30. Da gab es ein gewisses Ungleichgewicht. Dazu war es an der Zeit für Vereinfachungen und mehr Transparenz. Es handelt sich am Ende doch um Steuergelder.
Zu Jahresanfang hat das Land die Kriterien noch einmal überarbeitet. War der Gegenwind zu groß geworden?
Nein, es gab nicht viel Gegenwind. Seitdem wir nachgebessert haben, bekommen wir aber die Rückmeldung, dass es gut läuft.
Einige Organisatoren sagen, sie hätten Betreuungsangebote gestrichen oder reduziert – Hüttenlager oder Sommerwochen für Jugendliche zum Beispiel.
Hier werden wir künftig genauer unterscheiden, was in den Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf fällt und damit in den Zuständigkeitsbereich der Familienagentur, und was in den Bereich Jugendarbeit. Früher wurden einige Projekte bei der Familienagentur eingereicht, die eigentlich in den Bereich Jugendarbeit gehört hätten. Weil die Beiträge dort teils höher sind, war das natürlich verlockend. Für heuer haben wir eine Übergangslösung mit dem Amt für Jugendarbeit gefunden. Danach müssen wir schauen. Es sind allesamt wertvolle Angebote, das möchte ich unterstreichen. Aber sie gehören in einen anderen Bereich.
Man hört, dass noch einige Fragen offen sind, auch wenn der Sommer immer näher rückt.
Sicher, wenn etwas neu ist, gibt es zunächst einen großen Aufschrei. Aber viele Informationen haben wir bereits gegeben, und das, was noch fehlt, kommt rechtzeitig. Wir haben auch vonseiten der Eltern wenig gehört. Außerdem werden wir noch nachbessern.
* Rosmarie Pamer ist als Landesrätin u. a. für den Bereich Familien zuständig.


















