München – Europas Bauwirtschaft wächst. Laut Prognosen der Forschergruppe EUROCONSTRUCT, der das Münchner Wirtschaftsfroschungsintitut ifo angehört, soll sie im laufenden Jahr 2,4 Prozent wachsen, im kommenden Jahr 2,2 und 2028 noch 1,9 Prozent. Im vergangenen Jahr wuchs der Bausektor nur um 0,3 Prozent.
„Die europäische Bauwirtschaft schaltet 2026 aus dem Leerlauf direkt in den übernächsten Gang und hält dieses Tempo bis 2028 weitgehend durch“, sagt ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister.
Die Forschergruppe rechnet mit einer dynamischen Entwicklung im Wohnungs- sowie im Tiefbau. Hier wird das Marktvolumen 2028 voraussichtlich um jeweils rund 7,5 Prozent höher liegen als 2025. Gründe sind das regional knappe Wohnraumangebot und der Investitionsbedarf im Verkehrs- und Energiesektor.
Der übrige Hochbau wird in Europa bis 2028 um lediglich 4,7 Prozent wachsen. „Zwar wirken auch hier die verbesserten Rahmenbedingungen, was Wirtschaftswachstum, Lohnsteigerungen oder die Gewöhnung an das neue Zins- und Baukostenniveau angeht“, sagt Dorffmeister. Im Neubau dürfte sich der Privatsektor aufgrund ungünstiger Branchen- und Standortfaktoren aber zurückhalten. Dafür werden die staatsnahen Baubereiche wie Bildung oder Gesundheit laut Prognose weiter zulegen.
60 Prozent fließen in Sanierung
Seit 2009 fließen in Europa mehr Mittel in die Sanierung von Wohnimmobilien als in Wohnungsneubauten. Aktuell sind es mehr als 60 Prozent. Im übrigen Hochbau haben Sanierungen dagegen erst 2024 den Neubau überholt. „Die Aufwendungen für bestehende Nichtwohngebäude dürften weiter zunehmen und damit den Marktanteil bei knapp über 50 Prozent stabilisieren“, sagt Dorffmeister.
Die Lage in Südtirol
Auch in Südtirols Bauwirtschaft war die Stimmung zuletzt positiv. Laut dem letzten Wirtschaftsbarometer des Wirtschaftsforschungsinstitutes der Handelskammer (Wifo) waren 89 Prozent der Unternehmen mit der Ertragslage 2025 zufrieden. Etwa 90 Prozent der Unternehmen im Bausektor gaben an, mit moderatem Optimismus in dieses Jahr zu starten.
Einige Bedenken gab es im Bereich Tiefbau, wo die Unternehmen befürchten, dass das Auslaufen des PNRR zu einem Rückgang der Aufträge und des Umsatzes führen wird. Optimistischer zeigten sich die Unternehmen im Baunebengewerbe. Diese gehen davon aus, dass die steigenden Betriebskosten durch die Anpassung der Verkaufspreise aufgefangen und somit angemessene Gewinnmargen aufrechterhalten werden können. Im Hochbau herrschte größere Ungewissheit: Das Geschäftsvolumen dürfte auf hohem Niveau bleiben, aber die Unternehmen beabsichtigen, ihre Investitionen zu reduzieren, und 15 Prozent von ihnen rechnen für das nächste Jahr mit einer unbefriedigenden Rentabilität.

















