Innsbruck/Percha – Für Persönlichkeiten mit vorbildhafter Haltung zur Baukultur hat die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino am Montag im Innsbrucker Landhaus erstmals den Euregio-Baukulturpreis verliehen. Unter dem Motto „Weiterbauen am Bestand und in Umgebung“ waren dabei Architekturschaffende zur Teilnahme eingeladen, die Umbauten, Sanierungen oder Erweiterungen in einem oder mehreren der drei Länder realisiert haben.
Insgesamt wurden 55 Projekte eingereicht: 27 aus Tirol, 19 aus Südtirol und neun aus dem Trentino. Eine Jury wählte je einen Preisträger pro Land aus: Studio Lois (Innsbruck) für das Projekt „Zeit des Erwachens – Klösterle“ in Imst, Lukas Mayr (Percha/Innsbruck) für das Projekt „Haidacher, weiterbauen: Arbeiten & Wohnen“ in Percha sowie Campomarzio (Trient/Bozen) für das Projekt „Recupero del Moderno“ in Trient. Sie erhalten für ihren sensiblen und zukunftsweisenden Umgang mit bestehender Baukultur eine von Lois Anvidalfarei geschaffene Bronzeskulptur.
Zudem wurde ein Publikumspreis durch ein Online-Voting ermittelt. Diesen gewann das Innsbrucker Architekturbüro „he und du“ für das Projekt „FELSA“. Der Preis: eine Lithografie des ladinischen Künstlers Anvidalfarei.
Das Südtiroler Projekt
Lukas Mayr, 1973 in Bruneck geboren, lebt und arbeitet in Percha und Innsbruck. Seine Haltung sei geprägt vom respektvollen Weiterbauen im Bestand und der Suche nach kollektiver Identität im Gebauten.
Sein siegreiches Projekt transformiert die über 100-jährige Tradition eines Tischlereibetriebs. Ausgangspunkt war die Umnutzung einer kleinen Hütte zum Atelier „Haidachers Küche“. In mehreren Bauphasen entstanden eine erweiterte Tischlerei mit neuen Produktionsflächen und Wohnungen für die Familie.
„Der Entwurf bindet Alt- und Neubauten sensibel in Gelände und Bestand ein: Ein begrüntes Dach fügt sich in den Hang, Oberlichter bringen Licht tief in die Werkstatt, die Materialwahl verbindet Stahl, Sichtbeton und Massivholz. Das Projekt setzt auf Transformation statt Abriss und betont die Kontinuität von Leben und Arbeiten am gleichen Ort“, heißt es in einer Aussendung.

Die Jury hob hervor, dass hier „Baukultur als Zusammenspiel von Tradition, Innovation und Handwerk absolut vorbildlich gelingt. Durch etappenweise Erweiterungen, pragmatische, aber sehr qualitätsvolle Architektur und den respektvollen Umgang mit Bestand und Landschaft entsteht ein Ensemble, das funktional, identitätsstiftend und langfristig wertig ist.“
Der Baukulturpreis
Der Tiroler Alt-Landeshauptmann Wendelin Weingartner hat den Euregio-Baukulturpreis mitinitiiert und stiftet ihn für vier Ausgaben. Herausragende Bauprojekte sollen beispielhaft zeigen, wie Bauen die Umwelt, Lebensqualität und Identität positiv prägen kann.
Die Fachjury mit Landschaftsarchitektin Rita Illien, Bauingenieur Jürg Conzett und Architekt Armando Ruinelli bestimmte die Preisträger. Weitere Informationen: www.euregio.info/baukultur

















