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Arbeitsbedingungen in der Euregio: Psychische Belastung in Südtirol am höchsten

STUDIE – Wie sind die Arbeitsbedingungen im Bundesland Tirol, in Südtirol und im Trentino? Diese Frage ist in der Euregio-Studie zu den Arbeitsbedingungen analysiert worden.

Südtiroler Wirtschaftszeitung von Südtiroler Wirtschaftszeitung
25. Mai 2022
in News
Lesezeit: 3 mins read
Arbeit Psyche Belastung

Foto: Shutterstock

Innsbruck/Bozen/Trient – Wie sind die Arbeitsbedingungen im Bundesland Tirol, in Südtirol und im Trentino? Diese Frage ist in der Euregio-Studie zu den Arbeitsbedingungen analysiert worden. Insgesamt führten die Euregio und ihre Partnerinstitute, die Arbeiterkammer Tirol, das Arbeitsförderungsinstitut Südtirol AFI und die Agenzia del lavoro im Trentino, dazu 4.500 Interviews (1.500 pro Landesteil). Nach zwei Jahren Vorarbeit wurden am heutigen Mittwoch in Innsbruck die ersten Ergebnisse der repräsentativen Umfrage vorgestellt. Wie der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter unterstrich, ermögliche die Studie erstmals, interregionale Vergleiche anzustellen und Rückschlüsse auf relevante Standortfaktoren zu ziehen, welche einen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen haben.

Auf die Bedeutung guter Arbeitsbedingungen verwies Südtirols Landesrat Philipp Achammer in seiner Videobotschaft: „Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ist im Wettbewerber mit anderen Regionen um die klügsten Köpfe und die kräftigsten Arme, um jene nachkommende Generation, die soziales Miteinander, psychisches Wohlergehen und Verantwortung für Gesellschaft und Natur groß schreibt – auch bei der Arbeit. Gute Arbeitsbedingungen helfen bei der Anwerbung neuer Fachkräfte, beugen Berufskrankheiten und Unfälle vor und halten Beschäftigte auch im höheren Erwerbsalter noch fit.“

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Körperliche Arbeitsbelastungen: Klares Nord-Süd-Gefälle

Bei vielen körperlich belastenden Messgrößen zeigt sich innerhalb der Euregio ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Das Bundesland Tirol ist beispielsweise stärker von körperlichen Arbeitsbelastungen geprägt (26 Punkte) als es die Beschäftigten in Südtirol (23) sind. „Die Beschäftigten im Trentino weisen hier mit 19 Punkten den besten Wert auf, sind also beispielsweise starkem Lärm, dem Tragen von schweren Lasten oder Kontakt mit chemischen oder ansteckenden Stoffen weniger ausgesetzt als in den anderen beiden Landesteilen“, erklärt Projektkoordinator und Arbeitspsychologe Tobias Hölbling.

Psychische Belastungen: Flächendeckend ein Problem

Psychisch belastende Arbeitsbedingungen wie Arbeitsverdichtung (hohe Arbeitsgeschwindigkeit, Zeitdruck usw.) und emotionsbedingte Arbeitsbelastungen (schwierige emotionale Situationen erleben, sich auch in der Freizeit um die Arbeit Sorgen machen müssen usw.) sind demgegenüber in der gesamten Europaregion grundsätzlich deutlich stärker ausgeprägt als die körperlich belastenden Arbeitsbedingungen. Hölbling hierzu: „Gerade Südtirol sticht in fast allen Branchen bei psychisch belastenden Arbeitsbedingungen negativ heraus, der psychische Druck ist hier am höchsten.“

Zweieinhalb Problembranchen

So richtig problematisch werden belastende Arbeitsbedingungen dann, wenn mehrere Faktoren zusammenwirken, wie es bei einigen Wirtschaftszweigen ganz deutlich der Fall ist: Im Gesundheits- und Sozialwesen, in Hotellerie und Gastronomie und zum Teil in Erziehung und Unterricht erzeugen das Zusammentreffen von körperlichen und psychischen Faktoren jene Mehrfachbelastung, die auf die Dauer besonders schädlich wirkt. Der Grund: In allen drei Branchen wird mit Menschen gearbeitet: Kranke und alte Menschen, „erholungswütige“ Gäste und quirlige Kinder samt deren Eltern fordern zusätzlichen emotionalen Tribut. „Diese Belastungen summieren sich und machen die Arbeit in diesen Wirtschaftszweigen für immer weniger Beschäftigte attraktiv, was bei der Bedeutung dieser Branchen für den Wirtschaftsstandort und die Gesellschaft der Europaregion zu einer schweren Hypothek werden kann“, gibt in diesem Zusammenhang AFI-Direktor Stefan Perini zu bedenken.

Bessere Arbeitsbedingungen oder unterschiedliches Problembewusstsein?

Auffällig ist, dass das Bundesland Tirol in vielen Belangen schlechter abschneidet als das Trentino, und Südtirol sehr oft eine Mittelposition einnimmt. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Die Arbeitsbedingungen können zum einen tatsächlich unterschiedlich sein – ein Landesteil macht es schlichtweg besser als die anderen -, oder aber es besteht eine unterschiedliche Problemwahrnehmung: Was von manchen Befragten bereits als belastend empfunden wird (z. B. starker Lärm oder emotional schwierige Situationen bei der Arbeit), ist für andere nicht der Rede wert. Dazu die Direktorin der Landesarbeitsagentur Trient, Isabella Speziali: „Diesen und ähnlichen Unterschieden werden wir in weiteren Studien auf den Grund gehen und uns über gute Ansätze zur Problemlösung in den einzelnen Landesteilen zum Nutzen der gesamten Europaregionsebene austauschen.“

Die nächste Veranstaltung ist bereits geplant. Sie wird im Herbst in Trient zum Thema „Arbeitszeiten“ stattfinden.

Die Euregio-Studie EWCS steht hier zum Download bereit.

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