Bozen – In der renommierten Fachzeitschrift „Science“ wurde kürzlich eine Studie veröffentlicht, die einen deutlichen Anstieg sogenannter natürlicher Störungen bis zum Ende des Jahrhunderts prognostiziert. Insbesondere sind damit Waldbrände, Insektenbefall und Stürme gemeint. Als Hauptursache wurde der Klimawandel ausgemacht.
Die Studie wurde von einem internationalen Forschungskonsortium durchgeführt, an dem auch Eurac Research beteiligt war. Möglich wurde die Untersuchung durch eine große Menge verfügbarer Satellitendaten und den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Es handelt sich um die größte jemals durchgeführte Waldsimulation in Europa. Marco Mina, Forstwissenschaftler bei Eurac Research, ist Mitautor der Studie.
Vor allem viel mehr Waldbrände
Konkret zeigt die Studie, dass besonders Waldbrände stark zunehmen werden: Das düsterste Klimaszenario zeigt eine Zunahme der betroffenen Fläche um 183 Prozent. Die von Schädlingen befallenen Gebiete wachsen um bis zu 83 Prozent, jene mit Sturmrisiko um zwölf Prozent.
Am stärksten betroffen ist der Mittelmeerraum, doch Störungs-Hotspots finden sich in ganz Europa: Auch in gemäßigten Zonen wie dem Alpenraum werden Waldbrände zur Regel werden, so die Erkenntnis.
Eurac-Forscher Marco Mina sagt: „Wenn es nicht gelingt, den Klimawandel einzudämmen, indem wir die Emissionen zurückfahren, werden unsere Wälder zunehmend von Bränden und Schädlingen betroffen sein. Die veränderten Störungsdynamiken werden zu jüngeren Wäldern führen und damit ihre Struktur und Zusammensetzung grundlegend verändern – mit Auswirkungen auf die Biodiversität und die für uns Menschen so wichtigen Ökosystemleistungen.“
Es werden Maßnahmen gefordert
Auch in gemäßigten Zonen brauche es künftig Präventionspläne gegen Brände, so Mina. Außerdem seien Notfallstrategien auch für andere Störungen notwendig. „Und wir müssen mehr in Ausgleichsmaßnahmen investieren, wenn Wälder ihre Ökosystemleistungen nicht mehr erbringen können“, erklärt der Forstwissenschaftler. „Beispielsweise müssen dort, wo Wälder ihre Schutzfunktion nicht mehr erfüllen, Lawinenverbauungen oder Steinschlagzäune diese Aufgabe übernehmen.“

Aus Sicht des Forschers muss in der Waldbewirtschaftung verstärkt auf artenreiche und strukturell vielfältige Wälder hingearbeitet werden: „Mischwälder sind im Vergleich zu einem Reinbestand widerstandsfähiger. Reine Fichtenbestände etwa, die man in unseren Bergen häufig sehen kann, sind anfälliger für Insektenbefall und Sturmschäden.“
Ein neues Projekt soll helfen
In diesem Zusammenhang startete Eurac Research kürzlich das Projekt ALPFOR-CSF in Zusammenarbeit mit dem Landesforstdienst. Ziel ist es, durch experimentelle Eingriffe in ausgewählten Dolomitengebieten die dortigen Fichtenreinbestände langfristig zu diversifizieren.
„Natürlich lässt sich die Struktur und die Zusammensetzung eines Waldes nicht von heute auf morgen verändern“, betont Marco Mina, aber: „Die Maßnahmen, die wir heute treffen, werden den Wäldern in 50 oder 100 Jahren helfen, widerstandsfähiger zu sein.“
Mina bekräftigt mit Verweis auf die Studienergebnisse: „Wenn wir nichts verändern – oder weiterhin so wirtschaften wie bisher –, werden die Schäden für Wälder und Gesellschaft zunehmen. Eine Entwicklung, die wir durch den Klimawandel selbst mitverursacht haben.“
Der im Journal Science veröffentlichte wissenschaftliche Artikel ist verfügbar unter: https://www.science.org/doi/10.1126/science.adx6329

















