Bozen – Jährlich lädt der Wirtschaftsverband hds Ende August zu einem „Abend für die Wirtschaft“. Heuer fand das Event am Donnerstag auf Schloss Maretsch in Bozen statt. Die Zusammenkunft der Unternehmer:innen im Handel, in der Gastronomie und in der Dienstleistung stand unter dem Motto „Superkraft Service – Kunden verstehen, gewinnen und begeistern“.
In seinem Eröffnungsstatement war es hds-Präsident Philipp Moser ein Anliegen, vor den über 300 anwesenden Wirtschaftstreibenden und politischen Entscheidungstragenden das Bild dieser Sektoren zurechtzurücken: „Gar einige Bilder, die von Handel, Gastronomie und Dienstleistungen gezeichnet werden, sind oft schief und verzerrt. Es tut weh, wenn Menschen mit Leidenschaft ihren Betrieb führen – und dann in den Schlagzeilen nur von Geschäftesterben oder Wucherpreisen zu lesen ist. Es tut weh, wenn Verkäuferinnen und Verkäufer, die täglich mit einem Lächeln Kunden betreuen, als Billiglohnkräfte abgestempelt werden. Es tut weh, wenn fantastische Dienstleister in Südtirol einfach übersehen werden – weil irgendjemand glaubt, dass sie in Mailand oder in Berlin etwas Besseres finden.“
Mehr Verkaufsfläche, höhere Löhne
Zum vermeintlichen Geschäftesterben erklärte Moser, dass sich die Anzahl der Handelsbetriebe in Südtirol innerhalb von zehn Jahren von 4.712 auf 4.580 reduziert habe, was nur ein Minus von drei Prozent bedeute. Im selben Zeitraum sei aber die Verkaufsfläche um elf Prozent gewachsen – und die Zahl der Mitarbeitenden um 23 Prozent.
Zudem habe es zuletzt klare Lohnanpassungen gegeben. „Im Handel verdient aktuell ein Mitarbeiter in der 4. Kategorie mindestens 1.540 Euro netto, 14-mal im Jahr. Und im Laufe der nächsten zwei Jahre steigt dieses Gehalt netto um nochmal 100 Euro an, das ist vertraglich bereits alles unterzeichnet“, so Philipp Moser, der betont, dass Verkäufer:innen „jede Wertschätzung mehr als verdienen“.
„Gastronomen sind nicht die Schuldigen“
Auch den Ärger, dass „der Kaffeepreis schon wieder um zehn Cent gestiegen ist“, lässt Moser nicht gelten. Denn der Hintergrund seien die gestiegenen Rohstoffpreise, die höheren Löhne und die enormen Energiekosten.
„Unsere Wirte, unsere Barkeeper, unsere Gastronomen sind nicht die Schuldigen. Sie sind die stillen Helden des Alltags, die uns Momente der Freude, des Genusses, der Begegnung schenken – und alles unternehmen, um ihre Betriebe trotz steigender allgemeiner Kosten weiterführen zu können. Und dafür verdienen sie nicht Kritik, sondern Applaus“, erklärte Moser beim Event.

Weiters kritisierte er, dass Budgets und Aufträge für Dienstleistungen häufig nach außen vergeben werden, etwa nach Mailand, Berlin oder Wien. „Weil dort angeblich alles besser sei, moderner, schneller, innovativer. Das ist ein Trugschluss! Unsere Südtiroler Agenturen, Entwickler, Designer, Strategen und Kommunikationsfachleute sind nicht nur hochqualifiziert, sie sind auch näher dran. Sie kennen unsere Kultur, unsere Menschen, unsere Märkte“, unterstrich der hds-Präsident.
„Das Menschliche macht den Unterschied“
Schwerpunkt der Veranstaltung war das Gastreferat von Maria Theresa Schinnerl, Expertin für Kundenservice-Qualität. Sie meinte: „Die vergangenen Jahre haben das Verhalten von Kundinnen und Kunden deutlich verändert – nicht zuletzt durch die Digitalisierung und unsere wachsende Bequemlichkeit. Service beginnt im Kleinen. Es geht nicht um große Gesten oder spektakuläre Erlebnisse, sondern um jene feinen Momente, in denen sich jemand wirklich kümmert. Das ist heute mehr wert denn je. Denn in einer zunehmend automatisierten Welt macht das Menschliche den Unterschied.“















