Bozen – Zwölf Jahre ist es her, dass René Benko im März 2013 bei einer Pressekonferenz in Bozen sein Vorhaben präsentierte: Der damalige Senkrechtstarter der europäischen Baubranche kündigte an, im Herzen der Landeshauptstadt auf dem heruntergekommenen (Bus-)Bahnhofareal zwischen Südtiroler-, Garibaldi- und Bahnhofstraße ein Einkaufszentrum bauen zu wollen, dazu ein Hotel, Büros, Wohnungen, Garagen und obendrein einen unterirdischen Busbahnhof. Die Reaktionen schwankten zwischen Vorfreude und Ablehnung.

Seither ist viel passiert. Unter anderem sitzt René Benko in Wien in Untersuchungshaft. Aber im Waltherpark in Bozen kehrt nach jahrelanger Bauzeit erstes Leben ein. Am heutigen Freitag wurde das Hotel, das von der Falkensteiner Michaeler Tourism Group (FMTG) geführt wird und seit gestern geöffnet ist, den Medien vorgestellt, genauso wie die „Mochi Sushi.Grill.Rooftop Bar“ mit großzügiger Dachterrasse. Mochi ist eine Restaurantmarke mit Wurzeln in Wien und mittlerweile acht Standorten, spezialisiert auf japanische Fusions-Küche.
Das Einkaufszentrum soll Mitte Oktober eröffnet werden, die Übergabe der ersten Büros und Wohnungen ist für die nächsten Wochen geplant.
Südtirol wie die Schweiz
Die Falkensteiner-Michaeler-Gruppe kehrt damit gewissermaßen nach Südtirol zurück, wo einst alles begann, bevor eine europaweite Expansion erfolgte – dies ausgerechnet zum 30-jährigen Bestehen der FMTG-Gruppe. FMTG-Geschäftsführer Otmar Michaeler hält große Stücke auf Bozen: „Bozen wird immer internationaler. Und bei der Preisentwicklung im Tourismus steht Südtirol der Schweiz in nichts mehr nach.“ In Bozen habe man nicht ein klassisches Stadthotel schaffen wollen, sondern „ein urbanes Lifestylehotel“. Die Zimmerpreise inklusive Frühstück liegen zwischen 330 und circa 600 Euro.
„Bozen wird immer internationaler. Und bei der Preisentwicklung im Tourismus steht Südtirol der Schweiz in nichts mehr nach.“
Der Hoteleingang befindet sich in der Südtirolerstraße, die 114 Zimmer und Suiten befinden sich im dritten, vierten und fünften Stock, das Mochi im sechsten und letzten Stock. Den ersten und zweiten Stock hingegen wird das Einkaufszentrum einnehmen.
Heinz Peter Hager im Mochi

Im Mochi ein und aus geht in diesen ersten Tagen auch Heinz Peter Hager. Er war eine der treibenden Kräfte hinter dem Waltherpark und als Waltherpark-Präsident möglicherweise dessen Retter, als die Arbeiten weitergingen, obwohl das Benko-Imperium zusammengebrochen war. Im vergangenen Dezember wurde auch Hager unter Hausarrest gestellt und daraufhin als Waltherpark-Präsident abgelöst.
In der Angelegenheit sei erst die erste Halbzeit gespielt, „aber Spiele gewinnt man in der zweiten Halbzeit“.
Mittlerweile ist Hager wieder auf freiem Fuß, die Ermittlungen stehen kurz vor dem Abschluss. Wir fragen ihn, ob es ihn nicht wurme, bei der Präsentation des Hotels nicht vorne dabei gewesen zu sein – jenes Hotel, von dem es hieß, dass er es kaufen würde. „Der Waltherpark wird für immer mit meinem Namen in Verbindung gebracht werden“, gibt sich Hager gelassen. In seinen Augen blitzt auch etwas Stolz durch, dass es im Waltherpark jetzt losgeht.
Hager zeigt sich kämpferisch: In der Angelegenheit sei erst die erste Halbzeit gespielt, „aber Spiele gewinnt man in der zweiten Halbzeit“. Er grinst, mehr sagt er aber nicht. Er zeigt sich davon überzeugt, dass die Anschuldigungen gegenüber ihm zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. „Ich habe nichts verbrochen“, so Hager. Auf die zweite Halbzeit darf man gespannt sein.















