Sterzing – Am Mittwoch letzter Woche ist Juliana Egartner (weitum bekannt auch als Juliane) im Alter von 83 Jahren verstorben. Mit ihr hat die Bauwirtschaft eine prägende Unternehmerin und eindrucksvolle Persönlichkeit verloren.
Geboren wurde sie am 8. Jänner 1943 in Deutschland, wohin ihre Mutter infolge der Option ausgewandert war, als Juliana Nussbaumer. 1948 kam sie zu Verwandten ins Gasthaus Nussbaumer in Gossensaß, wo ihr Vater in der angeschlossenen Metzgerei arbeitete. Später kehrte dann auch die Mutter zurück. Juliana besuchte die Volksschule in ihrem Dorf, dann die sogenannte Bürgerschule in Sterzing und schließlich die Handelsschule in Brixen. Anschließend sammelte sie erste Arbeitserfahrungen im genannten Gasthaus und kurz in der Gemeindeverwaltung. Im Jahr 1962 heiratete sie Emil Egartner, der zuerst eine Transport- und dann eine Baufirma gegründet hat. Die Geschichte dieser Eheschließung zeigt, wie zielstrebig und hartnäckig sie war. Ihr Vater war strikt gegen diese Verbindung und verweigerte seine Zustimmung, die notwendig war, da Juliana damals erst 19 und damit noch minderjährig war (die Volljährigkeit mit 18 kam in Italien erst 1975). Es gelang ihr, die Eheerlaubnis per Gerichtsbeschluss durchzusetzen. Später hat sie das Zerwürfnis darüber mit dem Vater, der nicht zur Hochzeitsfeier kam, ausgeräumt.
Mit Entschlossenheit gegen Widerstände
Juliana Egartner arbeitete fortan in der Firma ihres Mannes und erledigte dort die Büroarbeiten. Nacheinander kamen die Kinder: 1962 wurde Martin geboren, 1964 Christian, 1965 Michl, 1968 Florin, und 1971 folgten die Zwillinge Juliane und Johannes.
1977 dann ein tiefer Einschnitt: Emil Egartner starb im Alter von 46 Jahren. Zurück blieb seine 34 Jahre alte Frau mit sechs Kindern im Alter von sechs bis 15 Jahren und der Aufgabe, eine Baufirma mit damals gut 30 Mitarbeitern zu führen. Verwandte rieten ihr, das Unternehmen zu verkaufen, doch sie entschied anders. Es gelang ihr, die Firma nicht nur zu halten, sondern deutlich auszubauen. Den Spagat zwischen Familie und Beruf schaffte sie mit Haushaltshilfen und dadurch, dass Verwandte bei der Kinderbetreuung aushalfen. „Die Kinder haben sehr unter dem Tod meines Mannes gelitten, denn er hat sich intensiv um sie gekümmert. Ich bin viele Jahre lang nie ausgegangen, um so viel Zeit wie möglich bei ihnen zu sein. Aber es war unvermeidlich, dass ich sie oft Dritten anvertrauen musste“, verriet Egartner einmal dieser Zeitung und gestand, dass sie deshalb oft Schuldgefühle hatte.
„Die Kinder haben sehr unter dem Tod meines Mannes gelitten, denn er hat sich intensiv um sie gekümmert. Ich bin viele Jahre lang nie ausgegangen, um so viel Zeit wie möglich bei ihnen zu sein. Aber es war unvermeidlich, dass ich sie oft Dritten anvertrauen musste.“ Juliana Egartner
Unternehmerischer Mut in schwieriger Zeit
Egartner musste sich in einer von Männern geprägten und dominierten Branche durchsetzen, und das gelang ihr ausgezeichnet, obwohl sie versuchte, mit Blick auf ihre Familie die betriebswirtschaftlichen Risiken möglichst gering zu halten. Heute zählt die vorwiegend im Tiefbau tätige Wipptaler Bau AG mit Sitz in Gossensaß und Büro in Sterzing gut 100 Mitarbeitende und setzte zuletzt immer um die 25 bis 30 Millionen Euro um. Geschäftsführer ist seit längerer Zeit Julianes Sohn Christian. Zur Gruppe gehört auch die auf Asphaltierungsarbeiten spezialisierte Bitumisarco GmbH mit Sitz in Bozen (50 Prozent). Juliana Egartner war zudem Gründerin des Reinigungsunternehmen SRD.
Julianas Leben war geprägt von großem Engagement – und sie war eine Frau mit viel Humor.

















