Bozen – Morgen ist Equal Pay Day. Das ist jener Tag, bis zu dem Frauen laut Statistik arbeiten müssen, um auf denselben Lohn zu kommen, den Männer bereits am Ende des Vorjahres erzielt hatten. Anlässlich dieses Aktionstages hat das Landesstatistikinstitut Astat Daten zum Jahr 2024 veröffentlicht. Demnach liegt der Gender Pay Gap (GPG), also der Unterschied zwischen der Entlohnung von Männern und Frauen, in Südtirol bei Vollzeitbeschäftigten in der Privatwirtschaft bei 17,5 Prozent, mehr oder weniger unverändert gegenüber 2023. Im öffentlichen Dienst sind es nur 12,2 Prozent.
Während Südtirol im gesamtstaatlichen Vergleich im öffentlichen Dienst den geringsten GPG aufweist, gehört es in der Privatwirtschaft zu den Gebieten mit den größten Lohnunterschieden. Die Astat-Analyse fußt auf Inps-Daten.
Weibliche Lehrlinge verdienen mehr
Am größten ist der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern laut Astat bei Führungspositionen in der Privatwirtschaft. Dort beträgt er immerhin 25 Prozent. Hingegen fällt der GPG bei Lehrlingen sogar zugunsten der Frauen aus: Sie verdienen um 16 Prozent mehr als ihre männlichen Kollegen.
Mit dem Alter nimmt das geschlechtsspezifische Lohngefälle tendenziell zunimmt. In der Altersgruppe der unter 20-Jährigen ist es zugunsten der Frauen, dann nimmt es allmählich zugunsten der Männer zu. Bei den über 65-Jährigen kehrt sich der Trend dann wieder um. Die Vermutung des Astat: „Die wenigen Frauen in dieser Altersklasse könnten Berufsprofile haben, die sie einerseits dazu ermutigen, auch im höheren Alter auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben, und andererseits dazu beitragen, den Gender-PayGap zu verringern.“
Dass Frauen weniger verdienen als Männer, ist ein vieldiskutiertes Problem und hat mehrere Gründe. Zum Beispiel arbeiten Frauen öfter in schlechter bezahlten Berufen als Männer. Auch erreichen sie seltener Führungspositionen. Sie erleiden Karrieresprünge, weil Kindererziehung und andere unbezahlte Arbeit in unserer Gesellschaft nach wie vor stärker von Frauen übernommen werden.
Die Stellungnahme der Grünen
Die Grünen haben zum Equal Pay Day in einer Aussendung Stellung genommen und darauf verwiesen, dass die unbezahlte Arbeit häufiger auf den Frauen laste. „Uns ist wichtig zu betonen, dass dieses System Probleme schafft, unter denen wir alle leiden. Frauen wie Männer werden in enge Rollenkorsette gezwängt, aus denen sie nur schwer entkommen können und die sie sich oft nicht bewusst aussuchen. Sie ‚passieren‘ im Laufe des Lebens halt so“, fassen die Grüne Landtagsabgeordneten Brigitte Foppa, Madeleine Rohrer und Zeno Oberkofler die Situation zusammen. Am Ende eines Lebens führe dies jedoch dazu, „dass es auf dem Konto von Frauen erheblich trister aussieht. Die Care-Arbeit dankt ihnen bei Renteneintritt niemand“.
















