Beim Titel kommt einem unweigerlich Liebesschmus in den Sinn, aber: Wo Margaret Atwood draufsteht, ist garantiert keine Rosamunde drin. Die kanadische Autorin, die bereits 1985 mit „Der Report der Magd“ erschreckend hellsichtig den Angriff auf Frauenrechte unter Trump vorweggenommen hat, ist auch in „Das Herz kommt zuletzt“ unerbittlich konsequent: Die USA haben die Demokratie hinter sich gelassen, das Land ist wirtschaftlich und moralisch am Ende, plündernde Banden bedrohen Zivilisten, die alles verloren haben und in ihren abgewrackten Autos leben. So auch das Pärchen Stan und Charmaine, einst im Reihenhäuschen-Wohlstand behütet, nun in ständiger Lebensgefahr, sodass sie beschließen, an einem sozioökonomischen Experiment teilzunehmen: Sie ziehen in die künstliche Stadt Concilience, wo sie abwechselnd einen Monat gutsituiert in Annehmlichkeiten, den folgenden im Gefängnis verbringen müssen. Schnell eskaliert die Dystopie in einen grotesk-absurden Tech-Alptraum aus Affären, Verrat und Sexrobotern und man kann nur hoffen: Ganz so schlimm kommt es für uns hoffentlich nicht.
Alexandra Kienzl ist Lehrerin und Kolumnistin.
Margaret Atwood
Das Herz kommt zuletzt
Piper-Verlag, 2017
400 Seiten, ca. 15 Euro
ISBN 978-3827013354



















