Bozen/Innsbruck – Seit bald 20 Jahren ist das Südtiroler Wirtschaftsforum ein beliebter Treffpunkt für Unternehmer*innen, Führungskräfte und Entscheider*innen. Rund 400 Interessierte aus Süd- und Nordtirol, darunter viele Stammgäste, nutzen die Veranstaltung alljährlich, um einen Nachmittag lang aus dem Berufsalltag auszubrechen, sich bei internationalen Referent*innen Impulse zu holen und Kontakte zu knüpfen bzw. zu pflegen.
Pandemiebedingt ist heuer an eine solche Veranstaltung nicht zu denken. Trotzdem hat sich das Veranstalterteam etwas einfallen lassen: Das Wirtschaftsforum wird kurzerhand ins Web verlegt und unter https://swz.it/swfdigital/ in einem kompakten, interaktiven Format angeboten – kostenfrei für alle Interessierten. Am Freitag, 16. April, gibt es bei der zweistündigen Onlineveranstaltung unter dem Generalthema „Perspektiven für die Zeit nach Corona“ drei Impulsreferate samt Möglichkeit für das Publikum vor den Bildschirmen, Fragen zu stellen.
Gifford, Hettich, Nigg: die drei Referent*innen
Das sind die drei Referent*innen:
Die Facebook-Managerin – Angelika Gifford leitet seit Jänner 2020 das Europa-Geschäft von Facebook. Sie gilt als ausgewiesene Digitalspezialistin und war schon in leitender Funktion bei Microsoft und Hewlett Packard tätig.
Mehr als 20 Jahre lang arbeitete Gifford ab Anfang der 1990er-Jahre für die deutsche Tochter des US-Softwarekonzerns Microsoft. Als Mitglied der Geschäftsleitung und zuletzt Senior Director war sie zuständig für Europa, den Mittleren Osten und Afrika. Als sie 2014 zum PC- und Druckerhersteller Hewlett Packard wechselte, sorgte dies für mediales Interesse, weil Microsoft – so berichteten die Medien – seine „Vorzeigefrau“ verloren habe. In der Folge wurde Gifford Geschäftsführerin der Deutschland-Tochter von HP und Vizepräsidentin von Micro Focus, einem der größten Softwareunternehmen der Welt. Bei HP blieb Gifford bis 2018.
Zwischenzeitlich konzentrierte sich die Topmanagerin danach auf ihre Aufsichtsratstätigkeit bei börsennotierten Unternehmen wie dem Medienkonzern ProSiebenSat.1 Media, dem Touristikkonzern TUI, der Finanzholding Rothschild & Co und dem Industriekonzern Thyssenkrupp. Seit gut einem Jahr verantwortet sie nun die Geschäftsentwicklung von Facebook in über 30 Ländern.
2009 kürte sie die Mestemacher-Gruppe zur „Managerin des Jahres“.
Der Impfstoff-Wegbereiter – Christof Hettich hat mehrere (Berufs-)Leben. Seit Februar 2015 ist er Vorstandsvorsitzender der SRH Holding in Heidelberg. Die Stiftung erzielt einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro und beschäftigt über 16.000 Mitarbeiter*innen im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen – Hoch- und Fachschulen gehören genauso dazu wie Bildungszentren, Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken. Der Rechtsanwalt ist zudem Senior Partner bei Rittershaus Rechtsanwälte (Mannheim, Frankfurt, München).
Besondere Aktualität hat aber ein anderes Engagement. Gemeinsam mit Dietmar Hopp und Friedrich von Bohlen ist Christof Hettich Gründer der dievini Hopp BioTech Holding, der größten deutschen Beteiligungsgesellschaft für Life Sciences, Healthcare und Gesundheits-IT. Diese ist mit knapp 50 Prozent der unangefochten größte Aktionär der – mittlerweile börsennotierten – CureVac, deren Covid-19-Impfstoff derzeit von der europäischen Arzneimittelagentur EMA geprüft wird. Es handelt sich um einen mRNA-basierten Impfstoff wie jenen von Moderna und BioNTech/Pfizer. In die Schlagzeilen geriet das deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr, als US-Präsident Donald Trump dessen gesamte Impfstoff-Produktion noch vor der Zulassung für die USA sichern wollte – und abblitzte.
Christof Hettich und dievini entdeckten Curevac schon 2005, seither wurde in mehreren Etappen investiert. Insgesamt hat dievini rund 1,5 Milliarden Euro in verschiedene Biotechnologieunternehmen investiert.
Von Meran nach San Francisco
Der Südstern – Der gebürtige Meraner Alex Nigg ist Gründer und CEO von Properly mit Standorten in San Francisco (USA), Pune (Indien) und Wellington (Neuseeland). Properly bringt Anbieter von Ferienunterkünften (z. B. über Airbnb, Booking und Homeaway) mit Dienstleistern zusammen, welche etwa Reinigung, Gästewechsel und Inspektionen abwickeln, und ermöglicht die Bewertung und Bezahlung dieser Dienstleister über die Plattform. Derzeit sind rund 10.000 Ferienunterkünfte dabei – der Wachstumskurs wurde durch die Corona-Pandemie, welche die Reisebranche hart getroffen hat, jäh gebremst. Das Marktpotenzial sind zehn Millionen Unterkünfte, sagt Nigg. Properly beschäftigt derzeit knapp 40 Mitarbeiter*innen.
Alex Nigg lebt seit 1989 im Ausland und ist Mitglied von Südstern, dem Netzwerk der Südtiroler im Ausland. Zunächst studierte er in London und an der kalifornischen Stanford University im Herzen des Hightech-Gründertales Silicon Valley, wo er hängen blieb. Er arbeitete für die Unternehmensberatung Bain & Company, baute für Telecom Italia Ventures ein Risikokapitalgeschäft im Silicon Valley auf und gründete parallel 2002 sein erstes eigenes Unternehmen: Mit Walkwire betrieb Nigg Internetcafés in Hotels. 2012 verkaufte Nigg das Unternehmen, um 2014 Properly zu gründen, zu Deutsch: ordentlich.
Die Veranstalter
Das Südtiroler Wirtschaftsforum ist ein gemeinsames Projekt von MCI – Die Unternehmerische Hochschule, dem Unternehmerverband Südtirol (UVS), dem Netzwerk der Auslandssüdtiroler „Südstern“, der Stiftung Südtiroler Sparkasse, dem Verlag Business Bestseller und der Südtiroler Wirtschaftszeitung SWZ. (cp)
INFO Am 16. April wird die Veranstaltung live auf https://swz.it/swfdigital/ übertragen. Keine Anmeldung notwendig. Publikumsfragen an office@wirtschaftsforum.it
Info
Das Programm
Freitag, 16. April, 13.30 – 15.30 Uhr
Link zur Teilnahme: https://swz.it/swfdigital/
Tagungsthema: Perspektiven für die Zeit nach Corona
Arno Kompatscher, Landeshauptmann, und Gerhard Brandstätter, Präsident der Südtiroler Sparkasse: Begrüßung
Angelika Gifford, Facebook: Digitization Challenge – Mutig in eine neue Ära
Christof Hettich, SRH-Holding, dievini: Ein neuer Impfstoff entsteht – Chancen im Life Science am Beispiel CureVac
Alex Nigg, Properly: David gegen Goliath – Was wir vom Silicon Valley lernen können


















