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Die gute Nachricht: TV an, miese Laune aus

DIE GUTE NACHRICHT – Naturdokus im Fernsehen anzuschauen, kann negative Gefühle und Langeweile abbauen, zeigt eine aktuelle Studie.

Sabina Drescher von Sabina Drescher
6. November 2020
in Wissen
Lesezeit: 3 mins read

Foto: Shutterstock

Exeter/London – Sand unter den Füßen spüren, den Blick auf dem Berggipfel in die Ferne schweifen lassen, auf einer Wiese im Gras liegen – selten sehnten sich die Menschen so sehr nach der Natur wie in diesem Jahr und nutzten ihre positive Wirkung. Nun wird es kälter, die Tage werden kürzer und die Regeln zur Eindämmung der Pandemie strenger. Selbst wenn wir weniger nach draußen können oder wollen, ist es dank Filmern wie Sir David Attenborough, James Algar und Ernst Arendt möglich, die Natur ins Wohnzimmer zu holen. Dadurch haben sie und andere in den vergangenen Jahren nicht nur immer wieder auf Missstände aufmerksam gemacht und einen Beitrag zur Lösung globaler Probleme geleistet, sondern womöglich tatsächlich auch Probleme auf einer persönlicheren Ebene gelöst.

Forscher*innen der Universität Exeter haben herausgefunden, dass das reine Ansehen von Natursendungen im Fernsehen unsere psychische Gesundheit verbessern kann, indem es die Stimmung hebt, negative Emotionen verringert und dazu beiträgt, die Langeweile der Isolation in geschlossenen Räumen zu lindern. Das Tragen eines Headsets, um die Natur in virtueller Realität (VR) zu erleben, könnte sogar noch größere Vorteile haben, sagen die Wissenschaftler*innen.

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Weniger Traurigkeit und Langeweile

Unter Laborbedingungen lösten die Forscher*innen zunächst bei 96 Teilnehmer*innen Langeweile aus, indem sie sie baten, sich ein Video anzusehen, in dem eine Person ihre Arbeit in einem Büroartikelunternehmen beschreibt. Dann erlebten sie Szenen eines Unterwasser-Korallenriffs auf eine von drei verschiedenen Arten: im Fernsehen, in einem VR-Headset mit 360°-Video und in einem VR-Headset mit computergenerierten interaktiven Grafiken.

Das Team stellte fest, dass alle Darstellungsmethoden negative Gefühle wie Traurigkeit minimieren und die Langeweile deutlich verringern. Das interaktive Virtual-Reality-Erlebnis führte überdies zu einer Zunahme positiver Gefühle wie Glück und verstärkte die Verbundenheit der Menschen mit der Natur.

Nicky Yeo, die leitende Forscherin der Studie, glaubt, dass die Ergebnisse wichtige Auswirkungen auf Bevölkerungsgruppen haben könnten, die längere Zeit zu Hause verbringen müssen. Sie sagt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das bloße Ansehen der Natur im Fernsehen dazu beitragen kann, die Stimmung der Menschen zu heben und die Langeweile zu bekämpfen. Da Menschen auf der ganzen Welt aufgrund der Covid-19-Quarantäne nur begrenzten Zugang zu Außenbereichen haben, legt diese Studie nahe, dass Naturprogramme eine zugängliche Möglichkeit für die Bevölkerung bieten könnten, von einer ‚Dosis‘ digitaler Natur zu profitieren.“

Verbundenheit zur Natur fördern

Das Team arbeitete mit der BBC Natural History Unit zusammen, um die experimentellen Bedingungen zu schaffen, die mehrere Szenen aus der Blue-Planet-II-Serie enthielten, darunter ungesehenes 360°-Material. Ihre Ergebnisse unterstützen Initiativen, die versuchen, das therapeutische Potenzial der Natur zu den Menschen nach Hause zu bringen, wie z.B. die jüngste Serie Mindful Escapes der BBC Four.

Mathew White, Koautor der Studie, stellt fest: „Wir sind besonders begeistert von dem zusätzlichen Nutzen, den immersive Naturerlebnisse bieten können. Virtuelle Realität könnte uns dabei helfen, das Wohlbefinden von Menschen zu steigern, die keinen leichten Zugang zur natürlichen Welt haben, wie z.B. Menschen im Krankenhaus oder in der Langzeitpflege. Sie könnte aber auch dazu beitragen, in gesunden Bevölkerungen eine tiefere Verbindung zur Natur zu fördern, ein Mechanismus, der umweltschonendere Verhaltensweisen begünstigen und die Menschen dazu veranlassen kann, die Natur in der realen Welt zu schützen und zu erhalten“.

Der vollständige Titel der Studie lautet What is the best way of delivering virtual nature for improving mood?: An experimental comparison of high definition TV, 360º video, and computer generated virtual reality. Sie steht hier zum Download bereit.

Info Gerade während einer Krise überwiegen häufig Nachrichten mit negativem Fokus. Die SWZ ist stets bemüht, auch in schwierigen Zeiten den Blick auch auf Positives zu richten. Um diesen Ansatz zu unterstreichen, hat die Redaktion beschlossen, jede Woche eine gute Nachricht hervorzuheben – eine kleine Dosis Optimismus für unsere Leser*innen.

Schlagwörter: 43-20free

Ausgabe 43-20, Seite 16

Sabina Drescher

Sabina Drescher

Die Kaltererin hat in Innsbruck und Cagliari studiert. Sie blickt gerne hinter die Fassaden von Gebäuden, noch lieber hinter die von Menschen.

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