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Deutsche Handelsriesen: Expansion über Südtirol

EINZELHANDEL – Deutsche Handelsketten drängen verstärkt auf den italienischen Markt und bauen ihr Filialnetz massiv aus. Zuletzt etwa Aldi, DM und TEDi. Die Wahl des Rechtssitzes fällt häufig auf Südtirol. Davon haben die Steuerkassen des Landes aber nichts.

Heinrich Schwarz von Heinrich Schwarz
29. August 2025
in Südtirol
Lesezeit: 4 mins read

Vier deutsche Handelsriesen mit dem Italien-Rechtssitz in Südtirol (im Bild die Eingänge beliebiger Filialen) (Foto: Shutterstock / EnesPhography / Karolis Kavolelis / B7 Photography / Yau Ming Low)

Bozen – Südtirol hat einen vermutlichen Umsatzmilliardär, der bisher nicht wirklich auf dem Radar der hiesigen Öffentlichkeit war: Aldi. Oder besser gesagt die italienische Tochtergesellschaft des deutschen Lebensmitteldiscounters. Der Rechtssitz der Aldi srl befindet sich nämlich in Bozen. Und zwar bei der Steuerkanzlei Interconsult, während der operative Sitz von Aldi Italia in Verona ist. Auf dem Papier handelt es sich jedenfalls um ein Südtiroler Unternehmen.

Im kürzlich veröffentlichten SWZ-Umsatzranking war Aldi Italien nicht enthalten, da die Gesellschaft ihre Bilanzen nicht bei der Handelskammer hinterlegt. Auch auf Anfrage will Aldi keine Zahlen preisgeben. Der letzte bekannte Umsatz ist jener von 2022 und wurde von der Mediobanca in Erfahrung gebracht. Er lag bei 663 Millionen Euro. Laut einer Hochrechnung der SWZ unter Einbezug der gestiegenen Filial- und Personalzahlen dürfte Aldi Italia inzwischen gut eine Milliarde Euro umsetzen.

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Der Mutterkonzern Aldi Süd expandierte im Jahr 2018 nach Italien – und zwar in massiver Art und Weise: Nach nur sieben Jahren gibt es fast 200 Geschäfte (sechs davon in Südtirol) mit über 3.800 Mitarbeitenden. Bisher beschränkt sich Aldi auf Norditalien. Wie das Unternehmen kürzlich verlautbaren ließ, trete man nun in eine Phase der Konsolidierung ein. Demnach wird das bisherige Expansionstempo gedrosselt.

Nicht nur Aldi

In den vergangenen Jahren expandierten gleich mehrere deutsche Handelsketten nach Italien. Die Vorreiter waren der Parfümhändler Douglas (im Jahr 1989, heute mit über 300 italienischen Filialen) sowie die Lebensmitteldiscounter Lidl (1992, fast 800 Filialen) und Penny (1994, über 450 Filialen).

Im Jahr 2006 folgte der Textildiscounter NKD, der inzwischen über 300 Filialen betreibt. 2017 zog es die Drogeriekette DM nach Italien. Heute gibt es fast 100 Geschäfte. Und im Jahr 2018 – im selben Jahr wie Aldi – eröffnete der Non-Food-Discounter TEDi seine erste italienische Filiale, von denen es inzwischen weit über 100 gibt. TEDi verkauft unter anderem Dekorations-, Haushalts- und Schreibwaren.

Die vier letztgenannten Handelsriesen – NKD, DM, Aldi und TEDi – haben eines gemeinsam: Ihr Rechtssitz ist in Südtirol, der operative Sitz jedoch nicht, mit Ausnahme von NKD.

Zweigeteilter Sitz

Der Rechts- und operative Sitz von NKD Italien befindet sich in der Bozner Industriezone. DM Italien hat seinen Rechtssitz im großen Podini-Bürogebäude in Bozen neben dem Einkaufszentrum Twenty, vermutlich bei einer Steuerkanzlei. Die Verwaltung erfolgt hingegen – wie im Falle von Aldi – von Verona aus. Und die TEDi Commercio srl hat den Rechtssitz bei der Brunecker Steuerkanzlei Baumgartner.Partner, den operativen Sitz jedoch in der Nähe des Mailänder Flughafens Malpensa. Im Gegensatz zu den anderen Handelsketten hat TEDi nicht einmal ein Geschäft in Südtirol.

NKD begründet die Wahl Südtirols mit den Vorteilen der Zweisprachigkeit und der kulturellen Nähe. Aldi Italien hält sich bezüglich der Gründe für den reinen Rechtssitz in Südtirol bedeckt: „Aufgrund der Unternehmenspolicy können wir Ihnen hierzu keine Antwort geben.“

Warum gerne Südtirol gewählt wird

Der SWZ-Steuerexperte Walter Großmann kennt die Praxis der deutschen Konzerne (nicht nur im Handelssektor) in Italien. Demnach legen sie viel Wert auf deutschsprachige Ansprechpartner in steuerlichen Aspekten. Das habe aber nicht nur mit der sprachlichen Verständigung zu tun: „Es zählen auch die ‚deutsche‘ Arbeitsweise und die ‚deutsche‘ Mentalität, die viel zum besseren Verständnis und zum gegenseitigen Vertrauen beitragen“, erklärt Großmann. So komme es auch häufig vor, dass Südtiroler Fachleute zwischen deutschen Konzernleitungen und italienischen Spitzenberatern vermitteln müssen, da zwei Kulturen aufeinandertreffen.

Und es gibt laut Walter Großmann noch weitere Argumente für einen Rechtssitz in Südtirol: „In diesem Fall können die Jahresabschlüsse in deutscher Sprache hinterlegt werden. Zudem spielt auch der wirtschaftliche Aspekt eine Rolle, denn viele dieser Handelsketten sind in Südtirol bereits bekannt, weshalb sich der Aufbau in Italien von hier aus leichter startet.“

Kein Steuer-Zuckerle für Südtirol

Für klingelnde Steuerkassen sorgt ein Südtirol-Rechtssitz aber nicht. Denn für die Berechnung der dem Land zustehenden Staatssteuern ist der Rechtssitz kein Kriterium. Der Direktor des Landesamtes für Einnahmen, Ludwig Castlunger, erklärt gegenüber der SWZ, wie der zustehende Anteil an der Unternehmenssteuer Ires und der Mehrwertsteuer berechnet wird: „Die gesamtstaatlich eingezahlten Steuern werden auf der Grundlage des Anteils Südtirols am italienischen BIP und an den Konsumausgaben der privaten Haushalte ‚regionalisiert‘.“

Auch bei der regionalen Steuer Irap habe der Rechtssitz keinen Einfluss auf die Einnahmen des Landes. Im Falle von Niederlassungen in mehreren Regionen werde die gezahlte Irap nämlich auf alle Regionen aufgeteilt.

Bei der Zuweisung der Einkommensteuer Irpef ans Land ist übrigens der Wohnsitz der Steuerzahler:innen ausschlaggebend. Bei den Akzisen fungiert laut Ludwig Castlunger der lokale Verbrauch als Grundlage für die Berechnung des zustehenden Anteils. Und bei den restlichen Staatssteuern (Stempelsteuer, Registersteuer, Steuereinbehalte auf Zinsen und sonstige Kapitalerträge) zähle der Ort der Einzahlung (die Bankfiliale), im Falle von telematischer Einzahlung die Bankfiliale, wo der Steuerzahlende das Kontokorrent hat.

Was die Handelsriesen planen

Die vier genannten „Südtiroler“ Handelsketten wollen indes in Italien weiterwachsen, wenn auch nicht unbedingt in derselben Dynamik wie bisher. Aldi sprach zuletzt vom Eintritt in eine Phase der Konsolidierung. NKD teilt mit, dass der Fokus in naher Zukunft auf einem „gesunden Filialwachstum“ liege. Man erkenne in Italien großes Potenzial. „Anders als in der Vergangenheit konzentriert sich dieses Wachstum jedoch auf Mittel- und Oberitalien“, heißt es aus der deutschen Konzernzentrale. Im Vorjahr schrieb NKD einen Italien-Umsatz von 90,5 Millionen Euro, er war zuletzt aber nur mehr leicht wachsend.

DM Italien erklärt in seiner jüngsten Bilanz, dass „die Expansionsbemühungen und die Eröffnung neuer Filialen fortgesetzt werden“. Mit einem Umsatzanstieg von 118,5 auf 175 Millionen Euro rückte DM im aktuellen SWZ-Ranking von Platz 58 auf 42 nach vorne.

TEDi Commercio kletterte in der Umsatzrangliste von Rang 55 auf 48, nachdem der Umsatz von 119,5 auf 143,3 Millionen Euro stieg. Das Unternehmen will das Filialnetz laut Bilanzbericht weiter stark ausbauen.

Dieser Artikel ist in der gedruckten SWZ mit folgendem Titel erschienen: „Südtiroler“ Ketten

Schlagwörter: 33-25free

Ausgabe 33-25, Seite 5

Heinrich Schwarz

Heinrich Schwarz

Der Passeirer arbeitete ab 2013 bei der „Südtiroler Tageszeitung“ in den Bereichen Wirtschaft und Politik und ist seit 2022 Teil der SWZ-Redaktion. Er liebt die Recherche und Aufbereitung wichtiger und spannender Themen.

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