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Ace Cream: Zweiter Aufschlag

SERIE START-UP SÜDTIROL (6) – Nach einem Pivot erfindet sich das Start-up Spoat neu. Dieses Mal dreht sich alles um Fantasy-Tennis. Welche Ziele das Team verfolgt, wie seine App "Ace Cream" funktioniert – und warum Sinner nicht mit dem Unternehmen zusammenarbeitet.

Südtiroler Wirtschaftszeitung von Südtiroler Wirtschaftszeitung
11. September 2026
in Südtirol
Lesezeit: 6 mins read

Bozen – Die einen gründen, den anderen ist das Risiko zu hoch. Dann ist da noch Davide Polacco: Der Mitgründer des Start-ups Spoat mit seinem Produkt Ace Cream sieht in den größten Herausforderungen des Gründeralltags zugleich die größte Erfüllung. „Es ist stressig, weil man wenig Sicherheit hat, aber gleichzeitig auch motivierend. Morgens wache ich mit einer Mission auf und gehe völlig in dem auf, was ich tue“, sagt er.

Und der Trientner weiß, wovon er spricht: In den vergangenen zwei Jahren haben er und Co-Founder David Bottai nicht nur eine, sondern gleich zwei Geschäftsideen ausgearbeitet.

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Vom Investment-Asset zum Fantasy-Game

Aber von Anfang: Im Rahmen ihres Masterstudiums „Entrepreneurship and Innovation“ an der unibz gründen Davide und David, welcher aus Prato stammt, im Jahr 2024 das Start-up Spoat.

Beide Gründer sind sowohl sportlich – Davide spielt Volleyball in der Serie B – als auch sportbegeistert. Tennis hat es ihnen besonders angetan. Es handelt sich dabei um einen Einzelsport, bei dem die Nachwuchstalente, anders als beim Mannschaftsport, hauptsächlich von der Familie finanziert werden. Doch nicht jede Familie hat ausreichend Budget dafür. Diese Umstände hätten dazu geführt, dass sie sich damals, im Rahmen eines Uni-Projektes, auf Tennis spezialisierten, erzählt Davide.

Ace Cream ist eine App, bei der sich im Wesentlichen alles um Tennis dreht: Es werden Spielergebnisse der Turniere, Ranglisten, Statistiken und tägliche News veröffentlicht. Eine wichtige Rolle spielt außerdem ein Fantasy-Game.

Das Projekt benennen sie später Spoat. Die Zusammensetzung des Namens, „spot“ für Talente entdecken und „GOAT“ (im Sport-Slang das Akronym für „Greatest Of All Time“; der/die Größte aller Zeiten), verrät im Wesentlichen schon, worum es geht: junge Tennisspieler:innen zu unterstützen, sie Investoren vorzustellen und zum Champion zu machen. Die zwei wollen also eine Art Investment-Asset für Sportler:innen schaffen. Nach sechs Monaten Uni-Projekt folgt schließlich die Start-up-Gründung am Noi Techpark. Nach weiteren sechs Monaten dann die Einsicht: Es mangelt an einer realistischen Finanzprognose. Das Modell ist nicht umsetzbar. Davide gesteht, dass es furchtbar gewesen sei, nach einem Jahr intensiver Arbeit alles hinzuschmeißen, es habe sich angefühlt wie „eine Beziehung zu beenden.“ Aufgeben war aber keine Option – „Wir hatten uns der Welt des Tennis schon angenähert“, sagt er.

Die Start-upper entscheiden sich für einen Pivot. Sie wollen in einer Nische tätig werden, die für sie interessant klingt: Fantasy-Tennis. Dabei ist in Italien der Fantasy-Game-Markt durch das „Fantacalcio“ schon etabliert. Zudem ist Tennis sowieso international bekannt.

Im Frühjahr 2025 rufen David und Davide das Projekt Ace Cream ins Leben. Das Unternehmen dahinter bleibt Spoat. Ein halbes Jahr später holen sie Giuseppe Salvi mit an Bord, der einen Masterabschluss in KI an der Universität Turin erlangt hat. Aktuell beschäftigt das Start-up zwei weitere Mitarbeiter in Teilzeit. Daraus ergibt sich das derzeit fünfköpfige Team.

Rund um Ace Cream

Was kann man sich unter Ace Cream nun vorstellen? Ace Cream ist eine App, bei der sich im Wesentlichen alles um Tennis dreht: Es werden Spielergebnisse der Turniere, Ranglisten, Statistiken und tägliche News veröffentlicht. Eine wichtige Rolle spielt außerdem das Fantasy-Game, das, wie erwähnt, an das verwandte „Fantacalcio“ angelehnt ist. Und dieses erklärt Davide so: Vor jedem Grand-Slam oder Masters-1000-Turnier der Männer – Frauenturniere sind bisher noch nicht Teil der App – stellen die Nutzer:innen ein Team aus sechs Spielern zusammen. Dieses darf einen Wert von 100 Credits nicht überschreiten. Der Preis eines Spielers richtet sich nach dessen Siegchancen, körperlicher Verfassung und Form. Carlos Alcaraz etwa hat einen Wert von über 30 Credits. Eine Mannschaft, bestehend aus ihm, Novak Djokovic und Lorenzo Musetti beispielsweise, würde das Punktelimit überschreiten. „Man muss sich seine Ressourcen gut einteilen“, erklärt Davide.

Die Nutzer:innen weisen allen sechs Spielern außerdem spezielle Power-Ups zu, sogenannte Booster. Diese ermöglichen es, mit den Spielern mehr Punkte zu erlangen, wenn sie bestimmte Ziele erreichen. Ein Beispiel für einen solchen Booster ist „Iceman“. Mit diesem erlangt der Spieler Punkte für die Anzahl der abgewehrten Breakpunkte des Gegners.

Hat das Turnier einmal angefangen, können täglich weitere Punkte gesammelt werden, indem der Ausgang der Spiele vorhergesagt wird. Zudem erhöhen die Spieler, basierend auf Siegen, Leistungen auf dem Platz und Boostern, die Punktezahl.

Ziel des Spiels ist es, am meisten Punkte zu sammeln. Alle User:innen werden in einer öffentlichen Rangliste gereiht, können aber auch ihre private Liga erstellen – etwa mit Freunden oder Familie. Aktuell zählt Ace Cream laut Davide etwa 15.000 monatliche Nutzer:innen. „Insbesondere während der großen Tennisturniere zeigt das Produkt eine hohe Nutzung und ein starkes Engagement“, sagt Sophia Insam, Betreuerin des Start-ups am Noi Techpark.

Davide nutzt die App täglich, erzählt er: „Um zu schauen, wie es läuft, um die Nachrichten zu lesen, die ich selbst schreibe, und natürlich zum Spielen. Vor allem zum Spielen.“ Auf seinem Smartphone zeigt er seine Position in der Rangliste beim Roland-Garros-Turnier in Paris: Platz 5.000 von 8.900, Platz zwei unter seinen Freunden. Schlechter lief es für ihn in seiner Familienliga: Platz vier. Von wie vielen? Davide lacht: „Von vier.“

Vor jedem großen Turnier stellen Nutzer:innen ein Team aus sechs Spielern mit einem Wert von 100 Credits zusammen.
Zuweisung von Boostern: Spieler erlangen damit mehr Punkte, wenn sie bestimmte Ziele erreichen.
Durch das Vorhersagen von Spiel­ergebnissen können User:innen zusätzliche Punkte sammeln.

Konkurrenz und Finanzierung

In Italien gibt es seit einigen Jahren eine ähnliche App. Vor der Konkurrenz fürchten sich die jungen Start-upper aber nicht. Sie erklären warum: Sie würden sich durch ihr engagiertes Team, welches das Produkt stetig weiterentwickelt und optimiert, sowie ihre Marke hervorheben. Sophia Insam stimmt dem zu: „Das Gründerteam sehe ich als eine der größten Stärken des Unternehmens. Es ist eine gute Kombination aus fachlicher Kompetenz, komplementären Fähigkeiten, persönlichem Commitment und Tatkraft. Das sind wichtige Voraussetzungen, um Ace Cream von einem vielversprechenden Produkt zu einem skalierbaren Unternehmen weiterzuentwickeln.“

Alcaraz würde eher zu Ace Cream passen, findet Davide „Er ist verspielter“, sagt er.

Davide Polacco unterstreicht zudem die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit des Designs und des Brand-Auftritts. Durch den Einsatz von Avataren, dem charakteristischen Gelb sowie den Spielmodi wie etwa Vorhersagen und Boostern sei die Ace-Cream-App unverwechselbar „Außerdem haben wir die Marke „Fantasy Tennis“ – sie ist europaweit registriert –, somit darf sie von niemand anderem benutzt werden. Die Nutzerzahl unserer Konkurrenz haben wir bereits übertroffen“, erklärt Davide.

Die Verwendung der App ist derzeit komplett kostenlos, allerdings soll im nächsten Jahr zusätzlich eine Premium-Version gelauncht werden, mit einem verbesserten Erlebnis durch mehr Turniere, erweiterten Statistiken und Empfehlungen.

Und der Umsatz?

Wie aber generiert das Start-up Umsatz? „Wir arbeiten mit Sponsoren und integrieren sie direkt ins Spiel. Somit werden sie Teil des Spiels. Zum Beispiel können Spieler durch einen Booster eines Sponsors doppelte Punkte bekommen. So sehen die User:innen nicht einfach nur das Logo, sondern erleben die Marke als Teil des Spiels“, erklärt Davide. Das ist laut ihm auch für Unternehmen interessant: „Bei einem offiziellen Turnier wie den Finals in Rom kostet ein Hauptsponsoring schnell eine Million Euro. Bei uns hingegen erreichen die Sponsoren 15.000 Nutzer:innen, die das Logo über drei Wochen hinweg täglich sehen.“

Nun soll der Schritt von der bisherigen Produkt- und Nutzerentwicklung hin zur systematischen Skalierung und Monetarisierung folgen, so Sophia Insam. Bis Ende des Jahres sei es das Ziel, eine Finanzierungsrunde im Umfang von 500.000 Euro abzuschließen. Damit will das junge Team eine weitere Person einstellen. Diese soll das Unternehmen bei der Umsetzung von neuen In-App-Lösungen unterstützen und das Marketing weiter vorantreiben.

Kein Sinner fürs Fantasy Tennis

In Zukunft soll die Nutzerzahl von 15.000 auf 100.000 wachsen. Ein ambitioniertes Ziel. Eine Kooperation mit Jannik Sinner würde die Nutzerzahl sicher erhöhen, meint Davide. Aktuell ist der Sextner Tennisprofi allerdings kein Partner von Ace Cream; das Budget reiche für eine Kooperation mit den weltbesten Tennisspielern derzeit allerdings nicht aus, unabhängig davon, ob sie eine Zusammenarbeit in Betracht ziehen würden oder nicht.

Das Start-up denkt groß

Heute ist das Produkt noch stark eventgetrieben und wird vor allem während der großen Turniere genutzt. „Der nächste Entwicklungsschritt muss deshalb sein, Ace Cream zu einem Always-on-Produkt und täglichen Begleiter für Tennisfans zu entwickeln“, sagt Sophia Insam. Sollte dies sowie die bereits erwähnte Skalierung und Monetarisierung gelingen, sieht sie „durchaus Potenzial für eine Expansion über den italienischen Markt hinaus“, so Insam. Von einer internationalen Expansion ist das Start-up aber noch weit entfernt – aus Budgetgründen, wie Davide sagt. Vorerst will es sich auf den italienischen Markt konzentrieren. „Unser Ziel ist es, dass alle Tennisbegeisterten als Erstes an uns denken, wenn sie sich online mit Tennis beschäftigen wollen. Außerdem möchten wir eine Partnerschaft mit der ATP abschließen“, sagt Davide Polacco.

Er glaubt, dass die App für Nut­zer:innen weltweit interessant sein könnte, nicht nur für jene in Italien: „Wir ermöglichen es allen Tennisbegeisterten, das Tenniserlebnis in vollen Zügen auszukosten. Statt nur Zuschauer zu sein, verfolgt man den Sport aktiv und wird sozusagen selbst Teil davon. Es geht nicht nur darum, Nachrichten zu lesen, Ergebnisse zu prüfen oder Spiele anzuschauen, sondern wirklich vorherzusagen, wie die Matches ausgehen werden. So kann man allen beweisen, wie viel Ahnung man vom Tennis hat.“ Insam stimmt zu: „Ace Cream geht über ein klassisches Fantasy Game oder eine reine Tennis-News-App hinaus und entwickelt sich perspektivisch zu einem digitalen Ökosystem für Tennisfans.“

Alina Kompatscher

DIE AUTORIN studiert „Ökonomie, Politik und Ethik“ an der Freien Universität Bozen und absolviert zurzeit ein Praktikum bei der SWZ.

DIE SERIE In diesen Wochen stellt die SWZ im Zweiwochenrhythmus junge Unternehmen und deren Gründer:innen vor, so wie bereits in den vergangenen Jahren. Alle Artikel können hier und in der SWZapp nachgelesen werden.

Schlagwörter: 35-26free

Ausgabe 35-26, Seite 4

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