Südtirol, das war einmal ein Land, in dem eine Partei herrschte, und in dieser Partei und diesem Land hat in den letzten bald 25 Jahren Luis Durnwalder den Weg vorgegeben. Dies wurde von manchen als starke Führung empfunden, von anderen als Herrschaft eines Fürsten von Volkes Vorzugsstimmen-Gnade. In letzter Zeit hat sich dies allmählich geändert. Erster Auslöser war die Ankündigung Durnwalders, 2013 endgültig nicht mehr antreten zu wollen. Dann kam die SEL-Affäre mit allen Schatten, die dabei auf den Big Boss fielen oder gelenkt wurden. Seit dem Sommer 2012 ist alles anders in Südtirol, das seine Unschuld und seinen Ruf als Saubermann im italienischen Sumpf verloren hat. Und ein Blick auf das aufgescheuchte Rudel ohne den Leitwolf, der die Zügel in der Hand hat, lässt erahnen, dass Südtirol diesem übermächtigen und deshalb suspekten Landeshauptmann noch nachtrauern wird.
Die SVP ist eine Sammelpartei, und es ist normal, dass es da Reibungen gibt. Aber in jüngster Zeit tun sich im Edelweiß Abgründe auf, und zwar politisch-strategische wie zwischen Karl Zeller und Helga Thaler-Außerhofer und auch ideologische wie zwischen Thomas Widmann und Georg Pardeller. Dazu gesellt sich mit Blick auf die anstehenden zwei großen Wahltermine noch viel Nervosität. Auf einmal geht es gar nicht mehr darum, alles zu tun, damit die Volkspartei möglichst gut abschneidet, sondern nur noch darum, den eigenen Anteil an der schrumpfenden Kuchenschnitte zu retten. Dazwischen steht Obmann Richard Theiner und scheint überfordert mit der Aufgabe, in diesem Hühnerhaufen für Ruhe zu sorgen und Orientierung zu geben.
Und im Landtag und Regionalrat? Dort scheint es keine SVP-Fraktion mehr zu geben, jede(r) agiert fast wie es gefällt – und der angeschlagene Chef an der Spitze der Landesregierung will oder kann dem Treiben kein Ende setzen. Weiß jemand eine Antwort auf diese einfache Frage: Was wählt eigentlich, wer demnächst SVP wählt?
Luis Durnwalder war möglicherweise zu mächtig. Aber der führungslose Haufen, der sich da für die Zukunft abzeichnet, könnte dazu führen, dass Südtirol seinen Luis wieder haben möchte, auch wenn klar ist, dass die fetten Jahre auf jeden Fall vorbei sind.

















