Bozen – Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Südtiroler Baukollegiums, die am Mittwoch in der Business Area des Bozner Drusus-Stadions stattfand, stand der Bodenverbrauch im Mittelpunkt. Konkret die Frage, ob es ein Widerspruch oder eine Notwendigkeit ist, Entwicklung zuzulassen und zugleich sparsam mit Grund und Boden umzugehen.
Präsident Christian Egartner zog in seiner Rede die Bevölkerungsprognosen heran. Demnach werde es in Südtirol im Jahr 2038 fast 19.000 Haushalte mehr geben. „Somit werden wir in den kommenden zwölf Jahren ebenso viele zusätzliche Wohnungen brauchen“, so Egartner.
„Diesen Bedarf“, betonte er, „müssen wir durch die Ausweisung neuer Baurechte decken.“ Es sei richtig und wichtig, auch im Bestand zu bauen und auch auf den Leerstand zurückzugreifen. „Jedoch werden wir den Bedarf Südtirols an neuen Wohnungen nicht allein durch Bauen im Bestand decken können. Wir brauchen deshalb auch weiterhin die Ausweisung neuer Wohnbauzonen.“
„Grenzen nicht zu eng ziehen“
Egartner verwies auf einen SWZ-Artikel, wonach acht Jahre nach Genehmigung des entsprechenden Gesetzes erst zehn der 116 Gemeinden ein genehmigtes Gemeindeentwicklungsprogramm haben. „Ohne Gemeindeentwicklungsplan ist Entwicklung zwar nicht unmöglich, allerdings eingeschränkt“, erklärte der Baukollegiums-Chef.
Er appelliert an die Gemeinden, die Siedlungsgrenzen nicht zu eng zu ziehen: „Es muss nicht sofort alles verbaut werden, doch Entwicklung wird zugelassen: Als Gemeinde kann ich auf die Bedürfnisse meiner Bürger reagieren. Mehr Siedlungsmöglichkeiten können auch zu geringeren Grundstückspreisen beitragen, da die Konkurrenz zwischen den Grundbesitzern steigt.“
Die nötigen Hektar seien überschaubar
Das Baukollegium hat errechnet, dass es rund 357 Hektar an neuen Wohnbauzonen braucht, um den zusätzlichen Wohnungsbedarf in ganz Südtirol bis zum Jahr 2038 zu decken. Dies unter der Annahme, dass pro Hektar Wohnbaufläche im Schnitt 53 Wohnungen realisiert werden.
Runde man großzügig auf 400 Hektar auf, entspreche dies nur 3,4 Prozent des noch erschließbaren Dauersiedlungsgebietes, wie es das Statistikinstitut ASTAT anhand sehr restriktiv ausgelegter Kriterien als solches definiere.
„Wir müssen dringend handeln, ansonsten wird es für Südtirol immer schwieriger werden, junge Menschen hier zu behalten und zu gewinnen, Talente anzuziehen, für Studenten und Mitarbeitende attraktiv zu sein, Unternehmen und Gesellschaft weiterzuentwickeln“, betonte Christian Egartner in seiner Rede.

Die Situation sei derzeit nicht gerade rosig. In den vergangenen drei Jahren seien in Südtirol lediglich 16 Hektar an neuen Wohnbauzonen für insgesamt 720 Wohnungen ausgewiesen worden.
„Bis 2038“, so Egartner, „brauchen wir aber 18.786 neue Wohnungen. Würden wir mit dem derzeitigen Tempo weitermachen, so würden wir diese Anzahl erst in 26 Jahren erreichen, also 2052 und nicht 2038. Der Ernst der Lage scheint also noch nicht verstanden worden zu sein.“ Egartner appellierte: „Wir müssen uns endlich trauen zu handeln und in Südtirol Entwicklung zulassen – für uns, für unsere Kinder und Enkelkinder.“
















