Frankfurt – Was bedeutet eigentlich Klarheit? Selbst über diesen Begriff lässt sich trefflich streiten. In meinen Augen bedeutet Klarheit „unmissverständlich“ und ist an die (sprachlichen) Voraussetzungen des Empfängers angepasst.
Ein kleines Beispiel: Der Arzt eröffnet dem Patienten die Diagnose mit einer Therapieempfehlung: „Das ist eine Utekaria. Ich verschreibe Ihnen ein hochdosiertes Kortison-Präparat. Damit sollte sich Ihre Haut beruhigen. Falls es nicht besser wird, müssen wir noch mal schauen. Gute Besserung.“
Ein Gespräch dieser Art ist wohl alltäglich in Arztpraxen. Dem Patienten drängen sich jede Menge Fragen auf. Wie oft soll ich das Präparat anwenden? Welche Nebenwirkungen bringt hochdosiertes Kortison mit sich? Wann kann ich mit Besserung rechnen? Was kann noch dahinterstecken, wenn Kortison nicht hilft? Etwas Ernstes? Was ist Utekaria? Ob dies wirklich jemals jemand fragt, sei dahingestellt.
Beispiele dieser Art lassen sich in vielen alltäglichen Situationen – ob nun im Beruf oder privat – finden. Typisch sind sie vor allem dann, wenn ein Experte mit einem Laien kommuniziert. Mangelnde Klarheit hat meist zwei Ursachen: Kalkül oder Unwissenheit.
Fehlende Klarheit ist ein effizientes Mittel, Menschen zu verunsichern, eine intellektuelle Distanz zu schaffen, oder eine elegante Möglichkeit, sich nicht festlegen zu müssen. Und auch die Arroganz – gespielt oder auch anerzogene Charakterbeigabe – eignet sich trefflich, um von eigenen Schwächen und Defiziten abzulenken. Doch mal Hand aufs Herz: Klug ist sicher etwas anderes. Also, ich kenne keinen klugen Menschen, der es notwendig hätte, sich mit Arroganz, Abweisung und unklaren Aussagen Ansehen, Aufmerksamkeit, Respekt oder Gehör zu verschaffen! Genauso wenig wie ein Zitronenfalter Zitronen faltet!
Manchmal ist es aber auch Unwissenheit. Aufgrund fehlender Resonanz wird das Kommunikationsdefizit nicht wahrgenommen. Man denkt, man würde nicht verstanden. Was aber, wenn doch? Also, wenn der andere merkt, dass man eigentlich vom Thema keine Ahnung hat. Nicht wenige fallen in solchen Situationen wieder in das Muster „Kalkül“ zurück – also sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. Das geht allerdings nur so lange gut, bis einer nicht mehr mitspielt. Die Angst davor nennt sich – Stress! Und Stress macht weder souverän noch sexy. Die einen wollen nicht und die anderen können nicht. Ob also absichtliches Kalkül oder Unwissenheit: Klar ist, das beides nicht zum Ziel führt.
Die drängendsten Fragen zu einer guten und überzeugenden Klarheit in der Kommunikation heißen deshalb heute: Wie wird aus Fachmann/-frau ein/e Experte/-in? Wie bekommt eine Kommunikation, eine Rede oder ein Gespräch Klarheit in Charakter, Absicht und Inhalt?
Jeder Mensch trägt sein persönliches WWW-Prinzip bereits in sich, und es braucht nur drei Schritte, um es zu aktivieren. Wertschätzung, Wohlwollen und Wahrnehmung sind der Schlüssel zu mehr Klarheit und das gleich im doppelten Sinne. Zunächst geht es um die persönliche Klarheit über eigene Fähigkeiten, Fertigkeiten, Charakter und Wertevorstellungen – Wissen und Erkenntnis über sich selbst, um mehr Sicherheit und Souveränität zu erlangen und diese auch nach außen auszustrahlen. Des Weiteren bietet das WWW-Prinzip Handwerkzeuge, Techniken und Strategien wie Struktur, Kernbotschaft oder Narration, die für eine inhaltliche Klarheit sorgen.
Die wichtigste Aufgabe der Wertschätzung ist, mit ihr die Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlangen, die mich in die Lage versetzen, andere zu begeistern. Ob man es nun Chronologie oder Choreografie nennt, der rote Faden ist klar und leicht umsetzbar: Vom Ich zum Du und zum Wir. Das bedeutet, die Wertschätzung beginnt immer bei einem selbst und ist für die Entwicklung des Charismas unersetzlich. Wer solches besitzt, zeigt in seinem Auftreten, seinen Begegnungen und Gesprächen einfach mehr Sicherheit, Souveränität, Haltung und Gelassenheit. Wer sich selbst als Persönlichkeit schätzt, ist frei von Neid und Missgunst, und es fällt ihm leicht, andere ehrlich wertzuschätzen, zu loben oder ein Kompliment auszusprechen. Und von einem charismatischen selbstsicheren Experten ein Kompliment zu bekommen, hat sicher einen hohen Stellenwert!
Genau das sind die Zutaten, die andere begeistern, was dazu führt, dass sie Lust bekommen, einem zuzuhören. Fakt ist dabei: Nur wer aufmerksam und neugierig zuhört, kann von der Kompetenz des anderen erfahren – das ist die Grundvoraussetzung! Doch Vorsicht, ist der Sprecher, Gesprächspartner oder Redner jetzt inhaltlich kompliziert und unklar, hat der Zuhörer keine Lust mehr zuzuhören. Ein Teufelskreis? Nein, die logische Konsequenz ist, dass es neben der Wertschätzung auch des Wohlwollens bedarf. Wohlwollen, dass der andere an meinem Wissen teilhaben kann.
Was ist also zu tun, damit andere Menschen in mich Vertrauen, Zeit, Aufmerksamkeit, Respekt usw. investieren? Dies gelingt mit der zweiten Stufe des WWW-Prinzips, nämlich dem Wohlwollen, dass der andere erfolgreich wird. Hier geht es darum, Handwerkszeuge der Kommunikation zu benutzen, um die eigene Kompetenz, Erfahrung und das Know-how richtig, nachhaltig, wirkungsvoll und mit aller Klarheit einzusetzen. Oder anders: So wird Fachmann/-frau zum Experten, zur Expertin! Das WWW-Prinzip zielt auch beim Wohlwollen auf die „Einfachheit und Klarheit“ ab. Dafür stehen Werkzeuge und Techniken zur Verfügung, die helfen, selbst komplizierteste Vorgänge klar und verständlich darzulegen. Dazu gehören unter anderem die Stilmittel der Rhetorik, wie z.B. Vergleiche, Beispiele und Erzählungen, um eine Veranschaulichung zu erleichtern. Ziel ist es immer, mit Klarheit drei Dinge zu erreichen, damit mein Gegenüber in mich investiert. Erstens, der Zuhörer soll Lust haben zuzuhören. Zweitens, er soll inhaltlich verstehen und drittens das Gefühl haben, einen guten Schritt weitergekommen zu sein. Oder wie es Ralph Emerson sagte: Es ist der Beweis hoher Bildung, die größten Dinge auf die einfachste Art zu sagen.
Die Klarheit in Charakter und Inhalt ist sehr wichtig, weil sie ein Drittes aktiviert, nämlich die emotionale Absicht. Diese findet sich in der Wahrnehmung, der dritten Säule des WWW-Prinzips, und ist dem Pathos der Rhetorik des Aristoteles entlehnt. Hier geht es um den gegenwärtigen Augenblick, die Livesituation, den Moment oder die gebotene Gelegenheit im Gespräch oder der Rede. Die Wahrnehmung hilft zu sehen, spüren, hören oder vernehmen, was gebraucht wird, damit das Gesagte auch das Gemeinte ist. Nur so kann meine Kommunikation „unmissverständlich“ an die (sprachlichen) Voraussetzungen des Empfängers angepasst werden.
Dabei spielen die fünf Erfolgsfaktoren der Kommunikation, nämlich Haltung, Blickkontakt, Mimik, Gestik und Stimme eine große Rolle. In einer aktiven Wahrnehmung ist es nämlich möglich, in der realen, nicht vorab planbaren Gesprächs- und Redesituation die Stimmung, das Interesse oder den Wissensstand des Gegenübers optimal zu einzubinden. Wer zur Klarheit jetzt noch die Narration nutzen kann, ist auf dem Weg zur anerkannten Autorität.
Wer andere befähigen will, muss begeistern können, und wer bewegen will, muss berühren oder kurz: einfach sagen!
Ach, da wäre noch der Arztbesuch! Der Arzt eröffnet dem Patienten die Diagnose mit einer Therapieempfehlung: „Das ist eine Utekaria. Eine Überempfindlichkeit der Haut, die sich in Rötungen und Juckreiz zeigt – Sie kennen das, das ist so ähnlich, wie wenn man einem Brennnesselstrauch zu nahe kommt – unangenehm, aber ungefährlich. Zur ersten Linderung verschreibe ich Ihnen ein Kortison-Präparat, damit sollte sich die Haut beruhigen. Parallel dazu suchen wir die Ursache, das können Nahrungsmittel, Medikamente sowie Wärme, Kälte oder Druck sein. Wir sehen uns in 14 Tagen wieder. Gute Besserung.“















