Bozen – Restmüll, Wertstoffe, Gewerbeabfälle, Bauschutt, Schrott – die Liste der verschiedenen Arten von Abfall ist lang. In Südtirol kommen übers Jahr insgesamt geschätzt zwei Millionen Tonnen Abfälle zusammen, davon sind rund 265.000 Tonnen Hausmüll und Wertstoffe (siehe dazu auch nebenstehende Grafik), der Rest wird als Sondermüll bezeichnet, der sowohl gefährlich als auch nicht gefährlich sein kann.
All dieser Abfall wird gesammelt und transportiert, eventuell zwischengelagert sowie behandelt und verwertet (in bestimmten Fällen auch in Deponien verbracht) – es sind dies die Phasen, die in der Abfallwirtschaft im Wesentlichen unterschieden werden, und für die auch unterschiedliche Kompetenzen und Genehmigungen erforderlich sind. In Südtirol sind zahlreiche Unternehmen in diesen Bereichen tätig. In der Behandlung und Verwertung beispielsweise die rund 45 Bauschuttrecyclingbetriebe, der Müllverbrennungsofen in Bozen, der von der Eco-Center AG betrieben wird (siehe dazu eigenen Artikel auf dieser Seite) sowie die Ekos GmbH in Vahrn oder die ARA Pustertal AG mit Sitz in St. Lorenzen.
Ara, eine gemeinsame Gesellschaft von 28 Pusterer Gemeinden, führt die fünf Kläranlagen im Pustertal sowie eine Klärschlammtrocknungs- und -verbrennungsanlage. In dieser wird etwa die Hälfte des in Südtirol anfallenden Klärschlamms behandelt. Die Ekos GmbH, eine Firma der Kostner-Gruppe, verarbeitet indes alljährlich in ihren Abfallbehandlungsanlagen rund 20.000 Tonnen an gefährlichen und nicht gefährlichen, flüssigen und schlammartigen Abfällen. Alles in allem besitzt Ekos laut Internetseite die Genehmigung zur Entsorgung und Behandlung von mehr als 100 verschiedenen Abfallarten.
Mit rund einer Million Tonnen, die jährlich in Südtirol anfallen, entfällt auf den Bauschutt der größte Anteil an der heimischen Abfallmenge. Dieser Bauschutt, der ebenso wie Abfälle aus dem herstellenden Gewerbe, Klärschlamme und sanitäre Abfälle zu den Sonderabfällen gezählt wird, wird fast vollständig auch in Südtirol verarbeitet. Größter Bauschuttrecycler im Land ist das Burggräfler Familienunternehmen Erdbau, in dessen Recyclingzentrum pro Jahr laut Unternehmensangaben neben ca. 150.000 Tonnen Bauschutt auch etwa 30.000 Tonnen kontaminiertes Erdreich, 6.000 Tonnen Altholz sowie 1.000 Tonnen Asbest angenommen werden.
Eines der wohl bekanntesten Südtiroler Unternehmen in der Abfallbranche ist die Bozner Santini-Gruppe. Mit ihrem Unternehmen Gebr. Santini GmbH führt sie die Sammlung, den Transport und die Lagerung von Siedlungsabfällen sowie gefährlichen und nicht gefährlichen Sonderabfällen durch, des Weiteren werden aber auch Metalle und Papier verarbeitet und Fahrzeuge verschrottet. Gut 30 Millionen Umsatz erzielte das Unternehmen damit im Jahr 2017. Ergänzt wird diese Tätigkeit innerhalb der Gruppe u.a. durch die Santini Servizi GmbH, die nicht gefährlichen Sonderabfall zwischenlagert und verwertet.
Santini bildet im Südtiroler Müllbusiness eine der wenigen Ausnahmen – und zwar insofern, als sie einen Sitz in Nordtirol unterhält, während sich der größte Teil der Südtiroler Player im Müllbereich vorwiegend regional bewegen. Das macht auch die in Bozen ansässige Ladurner Ambiente nicht, die 2018 rund 69 Millionen Euro umgesetzt hat – einen Teil davon mit Abfall. Ladurner Ambiente ist eine Holding, die einige Unternehmen kontrolliert, die im Bereich der Energien aus erneuerbaren Quellen, der Müllverwertung und Wasseraufbereitung, der Projektierung von Umweltanlagen und der Sanierung verunreinigter Böden tätig sind. Letzteres mit der Rem Tec GmbH in Sinich/Meran, einem Unternehmen, das als Gemeinschaftsprojekt mit der Erdbau GmbH entstanden ist und nun Industrieabfälle behandelt sowie sogenannte Altlastensanierungen durchführt.
Europaweite Dienstleistungen bietet auch die PA Service GmbH (Kurtatsch) an, die 2017 der FF-Panorama-Rangliste zufolge rund 17,2 Millionen Euro Umsatz erzielt hat. Die Haupttätigkeit von PA Service ist der Unternehmenshomepage zufolge die Vermittlung von industriellen Abfällen für Kunden. Weitere im Abfallsektor tätige Betriebe unter den 300 umsatzstärksten Unternehmen des Landes sind laut „FF-Panorama“ die Sudtirolfer GmbH (Branzoll, 14 Millionen Umsatz 2017) oder die Eco-Center AG (40,4 Millionen Euro).
Abfälle sammeln und transportieren dürfen zahlreiche Unternehmen – sofern die Abfälle nicht gefährlich sind. So sind etwa viele Baufirmen im Verzeichnis der Umweltfachbetriebe, das an der Handelskammer geführt wird, eingetragen und dazu ermächtigt, Bauschutt zu transportieren. Doch es gibt hierzulande auch Unternehmen, die Haushaltsmüll sammeln und transportieren: Die Firma Tappeiner Konrad aus Schlanders beispielsweise arbeitet nicht nur mit Baustellenabfällen, Industrie- und Gewerbemüll, sondern ist auch seit mehr als 30 Jahren für verschiedene Gemeinden bzw. Bezirksgemeinschaften Südtirols in der Restmüllsammlung tätig, ebenso wie in der Sperrmüll-, Wertstoff-, Biomüll- und Grünschnittsammlung. Das Pusterer Unternehmen Ökoline oder die TPA GmbH sind ebenso schon lange in dem Bereich aktiv.
TPA ist ein Unternehmen der Ecorott-Unternehmensgruppe mit Sitz in Aldein, das neben dem Transport von Hausmüll auch solchen von Sonderabfällen erledigt und es im Jahr 2018 auf Platz 24 der größten Zuschlagsempfänger für öffentliche Aufträge in Südtirol geschafft hat – mit einem Zuschlagsvolumen von 5,6 Millionen Euro. Auch andere unter den 50 größten Zuschlagsempfängern Gelistete (siehe dazu Artikel in SWZ Nr. Nr. 28/19, nachzulesen in SWZonline und über die SWZapp) sind zum Teil im Abfallsektor tätig, so die Sozialgenossenschaften Mebo Coop (Zuschlagsvolumen 5,4 Millionen Euro) und Consorzio Joti (5,0 Millionen Euro).
Dazu, wie viel Umsatz im Jahr in Südtirol insgesamt mit Müll erwirtschaftet wird, gibt es weder offizielle Daten noch Schätzungen von Experten. Doch wenn man nur die genannten Umsätze zusammenzählt und zudem bedenkt, dass alleine die Entsorgung einer Tonne Restmüll bzw. Hausmüll im Bozner Müllverbrennungsofen laut Kilian Bedin, stellvertretender Direktor im Landesamt für Müllwirtschaft, rund 90 Euro kostet – in dieser Summe sind Sammlung und Transport nicht inbegriffen, es sind rein die Behandlungskosten im Ofen –, dann kommen bei 130.000 Tonnen Jahreskapazität alleine hier etwa zwölf Millionen Euro zusammen. Demnach dürfte das Müllbusiness im Land einige Hundert Millionen Euro „schwer“ sein.


















