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Das Eisacktal als Jobmotor

ARBEITSMARKT – Innerhalb von zehn Jahren hat die Beschäftigung in Südtirol um 22,7 Prozent zugenommen. Die Schlusslichter in der Entwicklung sind der Vinschgau und Meran, während der Arbeitsmarkt im Eisacktal prozentuell am stärksten gewachsen ist. Warum das so ist.

Heinrich Schwarz von Heinrich Schwarz
12. September 2025
in Südtirol
Lesezeit: 3 mins read

Brixen und seine Umgebung entwickeln sich prächtig. (Foto: DirkVG)

Bozen – Südtirols Arbeitsmarkt kennt seit vielen Jahren – nimmt man die Coronapandemie aus – nur einen Weg: nach oben. Jahr für Jahr wachsen die Beschäftigungszahlen. Das jährliche Plus bewegt sich meist um die zwei Prozent. Im vergangenen Juli und August, angesichts der touristischen Hochsaison die Top-Monate, waren in Südtirol im Schnitt 246.200 Personen unselbstständig beschäftigt, 2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Und 26 Prozent (bzw. über 50.000 Personen) mehr als im Sommer 2014.

Ein Vergleich auf Jahresbasis zeigt: Zwischen 2014 und 2024 nahm die Zahl der Arbeitnehmer:innen in Südtirol um 22,7 Prozent zu – von durchschnittlich knapp 188.000 auf rund 230.500. Dabei gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den Bezirken: Manche entwickelten sich als Arbeitsort deutlich besser als andere.

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Der Vinschgau im Rückstand

Im Vinschgau war die Beschäftigungsentwicklung deutlich unterdurchschnittlich. Das Plus im Zehn-Jahres-Vergleich beträgt gerade einmal 13,3 Prozent gegenüber den 22,7 Prozent im Landesdurchschnitt. In absoluten Zahlen: Im Jahr 2014 arbeiteten im Vinschgau im Schnitt 11.465 Personen, zehn Jahre später 12.987. Eine Anmerkung: In dieser Erhebung des Landesamtes für Arbeitsmarktbeobachtung ist die Gemeinde Schnals nicht dem Vinschgau zugerechnet, sondern dem Bezirk Meran-Land.

Mehrere Faktoren spielen eine Rolle, dass der westlichste Bezirk des Landes den anderen hinterherhinkt. So ist der Vinschgau seit jeher wirtschaftsschwächer als andere Bezirke, unter anderem wegen seiner Entfernung zur Brennerroute, der Hauptverkehrsachse. Weiters – oder gerade deshalb – fehlen dem Vinsch­gau große Unternehmen als Zugpferde. Auch ist der Vinschgau touristisch schwächer aufgestellt als andere Bezirke. Und: Der Standort Vinschgau leidet unter der finanziell deutlich attraktiveren Schweiz. Viele Vinschger:innen pendeln zur Arbeit in das Nachbarland und fehlen den lokalen Betrieben, die sich deshalb weniger gut weiterentwickeln können.

Eine Diskrepanz in Meran

Auf den ersten Blick etwas eigenartig erscheint die Entwicklung im Nachbarbezirk, dem Burggrafenamt. Dort unterscheidet das Amt für Arbeitsmarktbeobachtung zwischen Meran-Stadt und Meran-Land, also zwischen der Gemeinde Meran und den restlichen Gemeinden des Burggrafenamtes. Während es in Meran selbst nur eine Beschäftigungszunahme um 12,4 Prozent gab, waren es in Meran-Land plus 27,6 Prozent.

Die deutlich unterdurchschnittliche Entwicklung in Meran hat sicherlich mit dem massiven Verlust an Arbeitsplätzen am Ex-Memc-Gelände im Stadtteil Sinich ab dem Jahr 2014 zu tun. Gleichzeitig gab es in Meran-Land viel Bewegung. So eröffnete etwa vor einigen Jahren in Algund das Einkaufszentrum Algo mit einigen Hundert Arbeitsplätzen. Auch große Betriebe wie der Diätprodukte-Hersteller Dr. Schär in Burgstall haben viele Jobs geschaffen.

Das Eisacktal als Spitzenreiter

Von allen anderen Bezirken hebt sich in der Beschäftigungsentwicklung das Eisacktal als Arbeitsort ab. Dort waren im Vorjahr durchschnittlich 30,1 Prozent mehr Personen beschäftigt als 2014. Knapp 24.800 statt vorher gut 19.000.

Aber woher rührt diese starke Jobzunahme in Brixen und Umgebung? Erst einmal ein Blick auf die Sektoren: Deutlich stärker als im Landesschnitt sind im Eisacktal das Gastgewerbe und das Produzierende Gewerbe gewachsen, recht kräftig aber auch Handel und Dienstleistungen.

Unter den Gemeinden stechen Mühlbach mit plus 57,5 Prozent und Vahrn mit plus 55,6 Prozent als immer größer werdende Arbeitsorte hervor. Mühlbach hat touristisch stark zugelegt, während sich in Vahrn wachsende Gewerbezonen und BBT-Baustellen befinden. Der Hauptort Brixen liegt nur leicht unter dem (hohen) Eisacktaler Schnitt, während es in Klausen mit plus 4,5 Prozent nur ein äußerst geringes Beschäftigungswachstum gab.

Die Jobmotoren rund um Brixen

Die Landesabteilung Arbeitsmarktservice hat der SWZ eine Übersicht der Unternehmen, die im Eisacktal die meisten Arbeitsplätze geschaffen haben, bereitgestellt. Im Jahresschnitt fast 200 Beschäftigte mehr als 2014 hatten im Vorjahr das Drucktechnik-Unternehmen Durst, der Südtiroler Sanitätsbetrieb und der Betonfertigteil-Spezialist Progress.

Ein Plus von rund 100 Mitarbeitenden scheint beim Tourismussoftware-Unternehmen Brandnamic, dem neuen Hotel Familiamus, dem Holzscanner-Hersteller Microtec und dem Automobilzulieferer Alupress auf. Aber auch die Bauarbeiten rund um den Brennerbasistunnel haben im Eisacktal allgemein viele Jobs geschaffen.

Die „Durchschnittlichen“ – und ein Zusammenhang

Alle bisher nicht genannten Bezirke liegen bei der Beschäftigungsentwicklung im oder leicht über dem Landesschnitt: Bozen-Stadt, Unterland, Bozen-Land (inklusive Überetsch), Pustertal und das Wipptal (siehe Tabelle).

Das Eisacktal ist übrigens auch jener Bezirk, der im untersuchten Zehnjahreszeitraum das größte Bevölkerungswachstum hatte. Haben die Eisacktaler Unternehmen davon profitiert, dass viele Menschen in den Bezirk gezogen sind? Oder sind die Eisacktaler Unternehmen so attraktiv, dass sie viele Menschen zum Zuzug animiert haben? Es ist wohl ein Mix aus beidem.

Die Vinschger Bevölkerung wuchs indes praktisch gleich stark wie im Landesschnitt. Das zeigt angesichts des deutlich unterdurchschnittlichen Beschäftigtenwachstums auf, dass viele Vinschger:innen außerhalb des Bezirks einem Job nachgehen und der Bedarf an auswärtigen Arbeitskräften (wegen des vergleichsweise schwachen Tourismus) nicht so groß ist.

Auch interessant: Die ansässige Bevölkerung in Südtirol nahm von 2014 bis 2024 um 4,1 Prozent zu, die unselbstständige Beschäftigung aber um 22,7 Prozent. Diese Diskrepanz ist unter anderem auf die stärkere Aktivierung der lokalen Arbeitskräfte zurückzuführen (etwa mehr Frauenbeschäftigung), vor allem aber auf eine starke Zunahme der Beschäftigten aus Italien und dem Ausland. Das ist ganz besonders im Gastgewerbe zu sehen, wo der zunehmend hohe Personalbedarf längst nicht mehr mit Einheimischen abgedeckt werden kann.

Schlagwörter: 35-25free

Ausgabe 35-25, Seite 4

Heinrich Schwarz

Heinrich Schwarz

Der Passeirer arbeitete ab 2013 bei der „Südtiroler Tageszeitung“ in den Bereichen Wirtschaft und Politik und ist seit 2022 Teil der SWZ-Redaktion. Er liebt die Recherche und Aufbereitung wichtiger und spannender Themen.

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