Bozen – Das touristische Angebot in Südtirol hat sich stark diversifiziert, denn die Nachfrage der Gäste hat sich verändert. Eines vorweg: Keine Beherbergungsform – Hotel, Residence, Camping, Privatquartier oder Urlaub am Bauernhof – leidet, sondern alle wachsen. Vielmehr findet eine unterschiedlich starke Entwicklung statt.
Die vergangene Sommersaison hat das bestätigt. Insgesamt stiegen die Übernachtungen in Südtirol um drei Prozent auf einen neuen Rekordwert. In den Hotels und Residences waren es aber „nur“ plus 1,7 Prozent. Den Schnitt nach oben trieben die Campingplätze, Privatquartiere und Bauernhöfe mit einer Zunahme der Übernachtungen um jeweils rund fünf Prozent.
Ein Blick zurück zeigt, dass dieser Trend schon länger anhält – und dass er sich in den vergangenen Jahren massiv verstärkt hat, sodass sogar von einem Boom die Rede sein kann.
Vor 20 Jahren noch eine kleine Rolle
Zurück ins Südtiroler Tourismusjahr 2005: Vom Beginn der Wintersaison im November 2004 bis zum Ende der Sommersaison im Oktober 2005 wurden 26 Millionen Übernachtungen registriert. 81 Prozent davon entfielen auf die sogenannten „gastgewerblichen Betriebe“, also auf Hotels und Residences. Andere Unterkunftsformen spielten damals zwar durchaus eine Rolle, aber noch eine relativ kleine.
Privatquartiere hatten mit gut zwei Millionen Übernachtungen einen Anteil von acht Prozent. Es handelt sich dabei um klassische Ferienwohnungen, die mit ihrem Angebot vor Jahrzehnten einen wesentlichen Anteil am touristischen Aufstieg Südtirols hatten.
Der Anteil von Urlaub auf dem Bauernhof lag vor 20 Jahren mit knapp 1,5 Millionen Übernachtungen bei lediglich 5,5 Prozent. Noch weniger relevant waren die Campingplätze mit gut einer Million Übernachtungen bzw. vier Prozent.
Stagnierende Privatquartiere, dann der Boom
In den darauffolgenden zehn Jahren entwickelten sich die drei genannten Unterkunftsarten unterschiedlich. Die Privatquartiere stagnierten, da die Nachfrage zu wünschen übrig ließ und viele Gastgeber:innen ihre Tätigkeit infolgedessen einstellten. Bei den Campingplätzen gab es zwar ein Wachstum, aber nur ein leichtes.
Und beim Urlaub auf dem Bauernhof hielt der schon Jahre zuvor eingesetzte, starke Aufwärtstrend an: Von 2005 bis 2015 stiegen die UaB-Übernachtungen von knapp 1,5 auf fast 2,4 Millionen. Die Gäste nahmen das naturnahe Angebot – auch dank zunehmender zentraler Vermarktung (Roter Hahn) – immer stärker an, sodass laufend mehr Bauernhöfe auf den Erfolgszug aufsprangen.
Im Tourismusjahr 2015 (November bis Oktober) sank der Übernachtungs-Anteil von Hotels und Residences leicht auf 78,5 Prozent. Im abgelaufenen Tourismusjahr 2025 waren es plötzlich nur noch 72 Prozent. Das zeigt, wie stark sich der Markt in den vergangenen Jahren noch einmal verändert hat.
Seit 2015 geht es bei allen drei analysierten Kategorien – Camping, Privatquartiere und UaB – merklich nach oben, ganz besonders aber seit der Coronapandemie (siehe Grafik). Wolfgang Töchterle, Marketingdirektor von IDM Südtirol, sagt: „Nicht zuletzt die Covid-19-Pandemie hat eine neue Sehnsucht nach Individualität und Naturnähe mit sich gebracht. Diese Sehnsucht wird durch Unterkunftsformen wie Camping oder Urlaub am Bauernhof besonders gut befriedigt. Das zeigt sich auch am großen Erfolg von Plattformen wie Airbnb oder dem Camper-Vermieter Roadsurfer.“
Steiler aufwärts denn je
Die Zahlen und Fakten: Im Tourismusjahr 2025 gab es auf Südtirols Campingplätzen über 2,1 Millionen Übernachtungen und damit doppelt so viele wie 20 Jahre vorher. Nach einem Boom im Jahr 2022 stagnierten die Campingübernachtungen zwar wieder zwei Jahre lang, im abgelaufenen Jahr zeigte der Trend aber wieder klar nach oben.
Beim Urlaub auf dem Bauernhof geht es steiler aufwärts denn je. Die Jahresübernachtungen haben fast die Vier-Millionen-Marke erreicht. Diese Dynamik könnte sich durchaus fortsetzen, denn für UaB gilt der Bettenstopp nicht, sodass das Angebot weiter wachsen könnte.
Den größten Boom erleben seit Corona aber die Privatquartiere. Ferienwohnungen, die auf Plattformen wie Airbnb vermarktet werden, sind beliebter denn je. Das hat auch erhebliche negative Effekte. So wurden innerhalb weniger Jahre Tausende Wohnungen auf den touristischen Markt gebracht, die somit dem Markt für Einheimische fehlen.
Seit 2015 haben sich die Übernachtungen in Privatquartieren auf knapp 3,8 Millionen nahezu verdoppelt. Ob es so weitergeht, ist fraglich, da infolge des Bettenstopps (fast) keine Wohnungen mehr der touristischen Vermietung zugeführt werden dürfen.
Wie die Anteile gestiegen sind
Der Anteil der Privatquartiere an den gesamten Übernachtungen ist in den vergangenen 20 Jahren jedenfalls von acht auf zehn Prozent gestiegen. Jener von UaB von 5,5 auf 10,4 Prozent. Und jener der Campingplätze von vier auf 5,6 Prozent.
IDM-Marketingdirektor Wolfgang Töchterle glaubt, dass der starke Trend nach oben für alle drei Unterkunftsarten weiter anhalten wird: „Die Beliebtheit der Plattformen und Services wie Airbnb oder Roadsurfer steigt kontinuierlich.“
















