Bozen – Eine Initiativgruppe von Südtiroler Psychologie-Studierenden macht darauf aufmerksam, dass die Abwanderung von Fachkräften auch ihren Bereich betreffe. Nur habe die psychologische und psychotherapeutische Versorgung in der Debatte bislang wenig Beachtung gefunden.
Die „Initiativgruppe für Anerkennung und Berufsbefähigung des Psychologieabschlusses“ schreibt in einer Stellungnahme: „Unter angehenden Psychologinnen und Psychologen aus Südtirol, die ihr Studium in Österreich oder Deutschland absolvieren, zeigt sich ein ähnlicher Trend: Eine Rückkehr in die Heimat erscheint für viele aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen zunehmend unattraktiv.“
Lange und teure Ausbildung
Der Weg zur Berufsausübung in Südtirol gestalte sich langwierig und kostenintensiv: „Nach einem fünfjährigen Psychologiestudium sind ein 750-stündiges Post-Lauream-Praktikum sowie eine staatliche Prüfung erforderlich, die nur dreimal jährlich abgehalten wird. Daran schließt eine vierjährige berufsbegleitende Ausbildung zur Psychotherapeutin bzw. zum Psychotherapeuten an, die Kosten von über 20.000 Euro verursacht und kaum finanzielle Förderungen vorsieht.“
Gleichzeitig würden während dieser Ausbildungsphase nur sehr begrenzte berufliche Perspektiven bestehen, insbesondere im Südtiroler Sanitätsbetrieb. „Viele Absolventinnen und Absolventen“, so die Initiativgruppe, „sehen sich gezwungen, mehrere Jahre in fachfremden oder schlechter bezahlten Tätigkeiten zu arbeiten, ohne relevante Berufserfahrung im eigenen Fachgebiet sammeln zu können. Dieser verzögerte Berufseinstieg von mehreren Jahren ist weder attraktiv noch zukunftsfähig.“
Im Vergleich dazu würden Länder wie Österreich oder die Schweiz häufig einen unmittelbaren Berufseinstieg nach dem Studium ermöglichen – mit klar strukturierten Karrierewegen, ausreichend Stellenangeboten und besseren finanziellen Rahmenbedingungen.
Warnung vor gesellschaftlichem Problem
Dabei wachse der Bedarf im Bereich der psychischen Gesundheit auch in Südtirol stetig: „Lange Wartezeiten auf Therapieplätze sowie steigende psychische Belastungen in der Bevölkerung verdeutlichen den dringenden Bedarf an qualifiziertem Personal. Umso problematischer erscheint es, wenn motivierte Fachkräfte aufgrund struktureller Hürden dem heimischen Arbeitsmarkt verloren gehen“, erklärt die Initiativgruppe.
Sie fordert bessere Ausbildungsförderungen, mehr Stellen im öffentlichen Gesundheitswesen sowie attraktive Arbeitsbedingungen.



















