Bozen – Die Landeshauptstadt wacht jeden Morgen mit vollen Regalen, belieferten Baustellen und versorgten Betrieben auf. Vieles davon wirkt selbstverständlich. Doch damit eine Stadt im Alltag funktioniert, braucht es im Hintergrund ein System, das selten sichtbar ist: die Logistik.
Genau darum ging es beim Treffen zwischen der Gemeinde Bozen, dem Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa) und dem nationalen Verband des Handwerks und der kleinen und mittleren Unternehmen (CNA). Im Zentrum stand eine Frage, die im Alltag oft erst dann auffällt, wenn etwas nicht mehr funktioniert: Wie bleibt die Versorgung einer Stadt langfristig gesichert?
Bürgermeister Claudio Corrarati, Vizebürgermeister Stephan Konder, Mobilitätsstadträtin Johanna Ramoser sowie die Vertreter der beiden Berufsverbände hielten fest, dass Bozen derzeit insgesamt funktioniert. Geschäfte werden beliefert, Baustellen versorgt, Betriebe erreichen ihre Waren. Vieles davon geschieht organisiert, geplant und Tag für Tag im Hintergrund. Doch genau dieser Hintergrund rückt nun stärker in den Fokus.
Die Stadt wächst – die Logistik nicht
In der Diskussion wurde deutlich: Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Das Verkehrsaufkommen ist gestiegen, Baustellen prägen das Stadtbild, zugleich wachsen die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Sicherheit und Effizienz. Die Strukturen, auf denen der Warentransport beruht, sind vielerorts jedoch gleichgeblieben.
„Kleine und mittlere Unternehmen sind die Grundlage einer funktionierenden Wirtschaft. Damit sie ihre Arbeit leisten können, braucht es gezielte Unterstützung.“ Alexander Öhler
Alexander Öhler, Obmann der Transporteurinnen und Transporteure im lvh, brachte es auf den Punkt: „Kleine und mittlere Unternehmen sind die Grundlage einer funktionierenden Wirtschaft. Damit sie ihre Arbeit leisten können, braucht es gezielte Unterstützung.“
Was fehlt, ist weniger Einsatzbereitschaft als ein übergeordnetes Konzept. Eine klare Struktur, die mit der Entwicklung der Stadt Schritt hält – und die Logistik nicht erst dann mitdenkt, wenn Engpässe bereits spürbar sind.

Wenn Betriebe an Grenzen stoßen
Besonders sichtbar werden die Herausforderungen im täglichen Betrieb. Transportfahrzeuge brauchen Platz, Ladezonen müssen erreichbar sein, Abläufe verlässlich planbar bleiben. Oft aber treffen die Anforderungen der Betriebe auf Rahmenbedingungen, die dafür nicht ausreichend ausgelegt sind.
Auch der CNA brachte konkrete Anliegen aus der Praxis ein. Hervorgehoben wurde etwa der Bedarf an geeigneten Abstellflächen für Transportfahrzeuge. Ebenso fehle grundlegende Infrastruktur wie eine geeignete Waschanlage für LKW. Hinzu kommt die Frage, wie die Logistik im Bereich Kühlketten künftig organisiert werden kann.
„Diese Aspekte zeigen, dass es sich nicht um isolierte Probleme handelt, sondern um ein System, das gleichzeitig an mehreren Stellen unter Druck steht.“ lvh.apa/ CNA
„Diese Aspekte zeigen, dass es sich nicht um isolierte Probleme handelt, sondern um ein System, das gleichzeitig an mehreren Stellen unter Druck steht“, betonten die beiden Verbände.
Zentraler Logistikstandort
Parallel dazu entwickelt sich Bozen weiter. Neue Bauprojekte, veränderte Verkehrsführungen und zusätzliche Mobilitätsangebote verändern den Stadtraum. Für die Logistik bedeutet das: Wege werden anders, Abläufe müssen laufend angepasst werden, Abstimmungen werden komplexer.
Mit jeder Veränderung entstehen neue Anforderungen. Gleichzeitig fehlt oft eine übergreifende Koordination, die diese Entwicklungen zusammenführt.
Ein möglicher Ansatz, der diskutiert wurde, ist die Schaffung eines zentralen Logistikstandorts. Die Idee dahinter: Warenströme bündeln, Abläufe strukturieren und die Verteilung effizienter organisieren. Auch ein Hub für die Zustellung in der Innenstadt wurde angesprochen, um die tägliche Belastung zu reduzieren und Prozesse besser zu steuern.
Lösungen, nicht nur Einsicht
Das Treffen zeigte: Das Bewusstsein für die Bedeutung der Logistik ist vorhanden – bei den Betrieben ebenso wie auf politischer Ebene. Die Stadt selbst räumte ein, dass die Logistik in den vergangenen Jahren nicht immer im Mittelpunkt der Planung stand. Umso wichtiger ist nun der gemeinsame Blick nach vorne.
Mit der Einrichtung einer Arbeitsgruppe sollen konkrete Maßnahmen entwickelt und abgestimmt werden. Ziel ist es, Lösungen zu finden, die sowohl den Anforderungen der Stadt als auch den Bedürfnissen der Betriebe gerecht werden.

















