Bozen – Eine verspiegelte Sonnenbrille, im Brustgurt unter der dunkeln Anzugjacke eine Pistole, die ab und an hervorblitzt, und eine große Portion Coolness – das ist das Bild, das die Filmindustrie, das Fernsehen und Hochglanzblätter von Bodyguards vermitteln. Doch dieses Bild ist nur eine von mehreren Facetten, die einen Leibwächter oder auch Personenschützer ausmachen, weiß Marco Buraschi. Der Unterlandler ist Inhaber der Südtiroler Sicherheitsfirma STS-Security, mit der er in erster Linie Sicherheitsdienste für Veranstaltungen anbietet. Seit rund vier Jahren hat er auch einen Service zum Schutz einzelner Personen im Angebot, wobei es das Berufsbild des Bodyguards in Italien offiziell nicht gibt. „Wir bezeichnen uns selbst als ‚Begleiter der Person‘, denn für den Personenschutz sind in Italien ausschließlich die Ordnungskräfte – also Polizei, Carabinieri etc. – zuständig. Er darf nicht von Privaten ausgeführt werden“, erklärt Buraschi. „Der Objektschutz dagegen kann auch Privaten übergeben werden.“
„Außerdem dürfen in Italien in der Öffentlichkeit Waffen – mit wenigen Ausnahmen – nur von den Ordnungskräften und den ‚guardie giurate‘, den vereidigten Wachleuten, geführt werden“, fügt Luca Sgarbi an, Geschäftsführer des Bozner Sicherheits- und Ermittlungsdienstes Gate Service. Ein weiteres Detail, das eine Tätigkeit als private Leibwache in Italien erschwert.
Sgarbi findet es schade, dass es in Italien nicht legal ist, als Privater im Bereich Personenschutz tätig zu sein. „Einen Markt dafür gäbe es durchaus“, ist er überzeugt. „Aber Tatsache ist leider, dass diejenigen, die solche Dienstleistungen anbieten, gegen das Gesetz verstoßen.“ In vielen anderen Ländern, allen voran in den USA, ist der private Leibwächter ein anerkannter, legaler Beruf. Auch in europäischen Staaten, zum Beispiel in Österreich oder Deutschland, ist das so. „In Italien aber gibt es derzeit keine politische Diskussion rund um das Thema und auch keine Ansätze, die geltenden Gesetze abzuändern“, weiß Sgarbi.
Anders ist der Sachverhalt bei den sogenannten Securitys, den Mitarbeitern privater Sicherheitsdienste, die bei Veranstaltungen wie Fußballspielen, Konzerten oder Maturabällen oder in Diskotheken eingesetzt werden. „Der Gesetzgeber bezeichnet diese als ‚addetti alla sicurezza‘ und verlangt, dass sie in einem von der Quästur geführten Verzeichnis eingetragen sind“, so Buraschi.
Und was ist der Unterschied zwischen einem Security und einem Bodyguard? „Die Aufgabe eines Securitys besteht darin, Auseinandersetzungen zu schlichten, streitende Personen zu trennen – im Idealfall ausschließlich verbal – und falls nötig, die Ordnungskräfte zu Hilfe zu rufen“, erklärt Buraschi. „Ein Personenschützer dagegen ist zum Schutz einer bestimmten Person bzw. mehrerer bestimmter Personen da und hat die Aufgabe, seine Klienten so schnell wie möglich zu evakuieren, d.h. aus der Gefahrenzone zu bringen.“ Dabei gehe es manchmal um gewalttätige Angriffe, manchmal aber auch darum, zu verhindern, dass ein Klient bloßgestellt oder beleidigt wird.
Bei einem Auftritt einer zu beschützenden Person in der Öffentlichkeit gilt es für seine Bodyguards, Präsenz zu zeigen. „Doch 90 Prozent der Tätigkeit sind Rundum- und Vorarbeiten, zum Beispiel wenn im Vorfeld die Route vom Flughafen zum Hotel gecheckt oder die Lage des Hotels und das Hotelzimmer überprüft werden müssen“, sagt Buraschi.
„Ein moderner Personenschützer ist kein aufgeblasener Bodybuilder, der zuerst schießt und dann fragt, sondern ein Sicherheitsexperte, der gekonnt Know-how, Technik und gesellschaftliche Ansprüche unter einen Hut bringt“, definierte es etwa Markus Schwaiger, der in Österreich in der Aus- und Weiterbildung im Sicherheitsbereich tätig ist, gegenüber derstandard.at.
Es kann davon ausgegangen werden, dass in Südtirol Bodyguards von außerhalb tätig sind, zumindest wenn internationale VIPs im Land unterwegs sind. Wenn zum Beispiel Angela Merkel in Südtirol urlaubt, dann hat sie – ganz legal – zum einen ihre eigenen Bodyguards mit dabei, die Mitglieder der deutschen Ordnungskräfte sind, zudem sind italienische Ordnungskräfte abgestellt, die zusätzliche Sicherheit gewährleisten sollen. Monegassen-Fürst Albert II. war bei seinem Südtirol-Abstecher zu einer Charity-Veranstaltung Ende März ebenfalls gut bewacht. Und auch viele der zahlreichen, der breiten Öffentlichkeit nicht bekannten, aber dennoch immens wohlhabenden Gäste, die immer wieder in den heimischen Luxushotels logieren, haben ihre eigenen Leibwächter dabei, die für ihre Sicherheit sorgen.
Wenn Buraschi und sein Team als „Begleiter“ im Einsatz sind, dann „geht es weniger um Prominente und Personen, die in Lebensgefahr sind“, wie er verrät. „In Südtirol geht es häufig um Konflikte nach Trennungen oder um Streit zwischen Geschäftspartnern.“ Er werde dann beispielsweise engagiert, wenn sich jemand bedroht fühlt und nicht alleine zu einem Treffen oder klärenden Gespräch gehen will. „Manche entscheiden sich dafür, einen Freund mitzunehmen, andere für einen bezahlten Begleiter, der eine bestimmte Ausbildung hat“, so Buraschi. Auch einige Südtiroler Hotels greifen bei Bedarf auf seine Dienste zurück.
Und wie viel kostet so eine Dienstleistung? „Das ist schwer zu sagen, weil es von so vielen verschiedenen Faktoren abhängt: Ist nur ein Mitarbeiter im Einsatz? Wie lange dauert der Auftrag? Wie groß ist die Gefahr? Welche Vor- bzw. Nacharbeiten sind nötig? Welchen Materialaufwand habe ich? usw.“, sagt Marco Buraschi, der auch als Privatdetektiv tätig ist.
Situationen bzw. Szenarien, wie sie Marco Buraschi während der Ausbildungslehrgänge zum Bodyguard in Polen und Bulgarien erlebt bzw. nachgestellt hat, wird er in Südtirol oder anderswo in Italien wohl nie erleben. „Wir haben auf dem Gelände der Militärpolizei gemeinsam mit den Leibwächtern des bulgarischen Präsidenten trainiert. Wir durften sogar mit Maschinenpistolen schießen, so etwas wäre bei uns in Italien keinesfalls möglich“, erzählt er. Doch mit dem Angebot des „starken Begleiters“ hat Buraschi offenbar einen Service geschaffen, der nachgefragt ist.















