Die Aufnahme von Menschen, die dem Krieg und dem Elend in ihren Heimatländern entfliehen, ist alternativlos, pflegt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sagen. Und sie hat recht (wenn auch klar ist, dass Asyl nicht zu einer Invasion anwachsen kann): Erstens ist eine Gesellschaft, die sich christlichen oder allgemein humanen Werten verpflichtet fühlt, gehalten zu helfen. Und zweitens haben wir auch gar nicht die Mittel, die Völkerwandung zu uns zu unterbinden, es sei denn, wir errichten Zäune, erteilen Schießbefehl und lassen Flüchtlingsboote von Kriegsschiffen versenken. Wer dies will, werfe den ersten Stein.
Erste Hilfe ist bedingungslos, aber nicht das, was folgt, denn Naivität wäre fehl am Platz. Die Einwanderung von so vielen Menschen aus fremden Kulturkreisen und mit anderen Wertvorstellungen ist höchst problematisch. Der Islam ist eine Weltreligion, seine Lehren und Grundsätze sind auch aus der Sicht eines laizistischen Staates unbedenklich, seine Kultur hat Phantastisches hervorgebracht. Aber der Islam durchläuft derzeit eine Entwicklungsphase, die an jene der Christen etwa zu Beginn der Neuzeit erinnert. Eine schreckliche Unduldsamkeit, gepaart mit haarsträubenden fundamentalistischen Glaubensauslegungen hat damals Terror in Europa verbreitet (man denke nur an die Hexenprozesse!). Heute lehnen Teile der islamischen Welt liberale Geisteshaltungen ab, schätzen Demokratie gering oder verneinen gar das Lebensrecht der „Ungläubigen“. Wenn sich solche Haltungen bei Einwanderern aus islamischen Staaten hierzulande durchsetzen, weil die Integration scheitert, hat dies Sprengkraft.
In Europa hat es lange Zeit Glaubenskriege, Völkermorde, Pogrome und Vertreibungen gegeben, bis sich am Ende auf doch breiter Ebene eine tolerante Haltung gegenüber Menschen durchgesetzt hat, die anders sind. Eine multikulturelle Gesellschaft kann funktionieren, wenn sie auf gemeinsame Grundwerte baut, andernfalls wird sie zu schlimmen Konflikten führen. Wir Europäer müssen tolerant bleiben und helfen, aber radikaler sein, wenn unsere Werte, um die Generationen gerungen haben, mit Füßen getreten werden.
















