Bozen – „Südtirol spürt die Folgen des Klimawandels bereits heute – und sie werden sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen.“ So fasst Eurac Research die Erkenntnisse einer neuen Studie zusammen. Das Forschungsinstitut hat darin erstmals die Klimarisiken und notwendigen Anpassungsmaßnahmen für Südtirol systematisch analysiert.
Im Fachbericht werden Schlüsselrisiken in fünf Sektoren mit einem besonders dringenden Anpassungsbedarf hervorgehoben. Zusammenfassend: „Im Bereich Wasser nehmen etwa Schäden an Ökosystemen und Infrastruktur durch Überschwemmungen deutlich zu. Die Biodiversität leidet unter massiven Belastungen durch Hitze, Trockenheit und Wassermangel, was Feuchtgebiete, Moore, Seen und Flüsse ebenso betrifft wie gletschergebundene Lebensräume. Zusätzlich wächst der Druck durch invasive Arten. In der Forstwirtschaft führen häufigere Extremwetterereignisse, Schädlingsbefall und Krankheiten zu großflächigen Waldschäden und gefährden langfristig die Schutzfunktion der Wälder. Die Gesundheit der Bevölkerung ist zunehmend durch Hitzewellen belastet, während im Energiesektor ein steigender Kühlbedarf auf ein sinkendes Wasserkraftpotenzial trifft.“
Die Forscher:innen betonen: „Obwohl verschiedene Maßnahmen ergriffen wurden, berücksichtigt die aktuelle Politik viele Klimarisiken noch nicht ausreichend. Südtirol braucht eine systematische, sektorübergreifende und sozial ausgewogene Klimaanpassungsstrategie, um den Lebensraum langfristig zu schützen und zugleich neue Zukunftsperspektiven zu eröffnen.“
Was zu tun wäre
„Eine besondere Rolle“, so Eurac Research, „spielen dabei der Schutz, die Wiederherstellung und die Stärkung von Ökosystemen, die als natürliche Puffer gegen klimatische Extreme wirken können. Ebenso notwendig ist ein integriertes Wassermanagement, das den gesamten Wasserkreislauf von der Quelle bis zur Nutzung sowie die verschiedensten Nutzungsansprüche – Trinkwasser, Bewässerung, Biodiversität, Energieerzeugung – entlang des gesamten Einzugsgebietes umfasst.“
Von zentraler Bedeutung ist zudem eine klimaangepasste Raumplanung, die Hitzeinseln reduziert, Risiken vorbeugt und natürliche Ressourcen schont.
Zudem müssten Anpassungsmaßnahmen generationen- und geschlechtergerecht gestaltet werden. Und man müsse Wirtschaft, Verbände und die Zivilgesellschaft stärker in Prozesse der Klimaanpassung einbinden.
„Auch der Bevölkerungsschutz wird künftig eine noch wichtigere Rolle im integralen Risikomanagement spielen, insbesondere in den Bereichen Wasser, Siedlung, Verkehr, kritische Infrastrukturen, Energie und Gesundheit. Ein wichtiges Ziel ist schließlich der Aufbau einer soliden Daten- und Wissensbasis, einschließlich aktueller Szenarien, Monitoring-Systeme und eines öffentlich zugänglichen Informationsportals zu Klimawandel, Klimaschutz und Klimaanpassung“, so die Forscher:innen.
Politik will Strategie erarbeiten
Der Klimarisikobericht von Eurac bildet die fachliche Grundlage für die Erarbeitung der neuen Klimaanpassungsstrategie, mit der die Landesregierung am 14. November die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz beauftragte.















