Bozen – Das Phänomen Airbnb stört nicht nur viele klassische Beherbergungsbetriebe, sondern hat vor allem große Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt. Denn zunehmend viele Wohnungen werden über die Online-Plattform (wobei Airbnb nur die bekannteste und größte ist) an Gäste vermietet und so dem Angebot für Einheimische entzogen.
Jetzt hat das Landesinstitut für Statistik (Astat) erstmals die Kurzzeitvermietungen über Airbnb unter die Lupe genommen. Konkret wurden Daten über die Nutzung dieser Plattform in Südtirol analysiert.
6.000er-Marke geknackt
Demnach wurden im Jahr 2018, dem ersten vom Astat analysierten Jahr, durchschnittlich 2.267 Unterkünfte auf Airbnb angeboten. Zu Jahresbeginn 2018 waren es 2.199.
Seither zeigt der Trend kontinuierlich nach oben: 2020 lag der Schnitt schon bei deutlich über 3.000 Unterkünften, 2021 bei über 4.000 und 2022 bei genau 5.465 Unterkünften.
Im Dezember 2022, dem letzten untersuchten Monat, wurde mit 6.001 angebotenen Unterkünften die nächste Tausendermarke geknackt. Somit hat sich die Zahl in nur vier Jahren fast verdreifacht.
Hauptsächlich gewerbliche „Hosts“
Laut Astat sind die meisten Unterkünfte, die in Südtirol auf Airbnb angeboten werden, sogenannte „Entire Homes“, also ganze Wohnungen. 2022 waren es 91,2 Prozent. Die restlichen 8,8 Prozent waren im Vorjahr Privatzimmer und in wenigen Fällen gemeinsame Zimmer. In den angebotenen Unterkünften können durchschnittlich vier Personen übernachten.
Die Analyse zeigt auch, dass hinter den Airbnb-Angeboten zunehmend gewerbliche „Hosts“ stehen: Bei 82 Prozent der Unterkünfte stand im Vorjahr jemand dahinter, der mehr als eine Unterkunft anbot. Die restlichen 18 Prozent wurden als einzige Wohneinheit vermietet, weshalb laut Astat vermutlich Privatpersonen dahinterstehen.
Berücksichtigt werden muss, dass auf Airbnb freilich auch Betreiber:innen von Urlaub auf dem Bauernhof und klassischer Privatzimmervermietung ihre Unterkünfte anbieten können.
Pustertal an der Spitze
Allein im Pustertal wurden 2022 insgesamt 2.302 Unterkünfte mindestens einmal über Airbnb angeboten. Knapp dahinter folgte das Burggrafenamt mit 2.229 Unterkünften, wobei das Wachstum dort deutlich größer ist als im Pustertal: fast eine Vervierfachung seit 2018.
Die weiteren Bezirksgemeinschaften: Salten-Schlern 1.937, Eisacktal 917, Überetsch-Unterland 518, Bozen 465, Vinschgau 358 und Wipptal 182.
Fast zwei Millionen Nächtigungen
Im Vorjahr entfielen 1,82 Millionen Nächtigungen – von insgesamt 34,4 Millionen in Südtirol – auf eine Buchung über Airbnb. Die mittlere Aufenthaltsdauer betrug 5,7 Tage und war damit überdurchschnittlich hoch. In allen Beherbergungsbetrieben waren es 4,3 Tage.
Der mediane Preis der auf Airbnb angebotenen Unterkünfte lag 2022 bei 103,68 Euro pro Tag.
Auch interessant ist die Quote der gebuchten Unterkünfte: Im August 2022 etwa wurden 60 Prozent der Unterkünfte tatsächlich gebucht. Außerhalb der Sommersaison bewegte sich die Quote laut der Astat-Analyse zwischen 30 und 40 Prozent.
Die vom Astat verwendeten Daten wurden vom Unternehmen „Transparent Intelligence“ geliefert. Sie wurden mittels täglichem „Web Scraping“ auf der Airbnb-Homepage gesammelt.
Die Bremse
Mit dem Bettenstopp hat der Landtag im Vorjahr ein weiteres starkes Wachstum der Kurzzeitvermietungen gestoppt. Seither sind nämlich keine neuen Tätigkeitsmeldungen für die touristische Wohnungsvermietung mehr möglich, es sei denn, die jeweilige Gemeinde weist einem Antragstellenden ein freies Bettenkontingent zu.
Vor eineinhalb Jahren hatte sich die SWZ in einer Titelgeschichte näher mit dem Airbnb-Phänomen in Südtirol befasst: https://swz.it/wie-der-krake-airbnb-in-suedtirol-um-sich-greift/

















