Bozen – Wie das Arbeitsförderungsinstitut (Afi) anlässlich des Vatertags aufzeigt, gibt es bei der Elternzeit der Väter einen Aufwärtstrend. Zwischen 2021 und 2024 kletterte der Anteil der Väter an der beantragten Elternzeit in Trentino-Südtirol von 23,7 auf 38,5 Prozent.
Ein Wermutstropfen bleibe jedoch die Dauer: Die Auszeiten der Väter sind nach wie vor deutlich kürzer als die der Mütter. Während Frauen derzeit durchschnittlich 72 Tage Elternzeit in Anspruch nehmen, begnügen sich Männer mit durchschnittlich rund 28 Tagen (siehe Grafik).
„Der spürbare Anstieg der Anträge in den letzten zwei Jahren ist höchstwahrscheinlich dem höheren Lohnausgleich von 80 Prozent zu verdanken, der mit den Haushaltsgesetzen 2023 und 2024 eingeführt wurde“, erklärt das Afi.
Landesfamiliengeld+: Anträge nehmen zu
Auch beim Landesfamiliengeld+ gibt es eine Zunahme, wenn auch auf einem weiterhin niedrigen Niveau. Diese finanzielle Unterstützung für Familien, in denen lohnabhängige Väter im Südtiroler Privatsektor in den ersten 18 Lebensmonaten des Kindes für mindestens zwei zusammenhängende Monate in Elternzeit gehen, nutzten im Vorjahr 102 Väter. 2024 waren es 76 Väter.
„Gemessen an den rund 4.500 Neugeborenen, die in Südtirol jährlich zur Welt kommen, bewegen sich diese Werte allerdings weiterhin auf einem sehr bescheidenen Niveau“, kommentiert das Afi. Die ausbezahlten Beträge beliefen sich in 65 Fällen auf 800 Euro und in 37 Fällen auf 1.200 Euro.
„Es gibt weiterhin Hürden“
Das Afi kommt zum Schluss, dass immer mehr Väter ihre familiäre Rolle engagiert wahrnehmen wollen. „Dennoch zeigen die Zahlen: Es gibt weiterhin Hürden, vor allem finanzieller Natur“, so das Afi.
Direktor Stefan Perini betont: „Europäische Erfolgsmodelle zeigen uns klar, worauf es ankommt: großzügige, exklusiv für Väter reservierte Elternzeit-Kontingente, ein hoher Lohnausgleich und maximale Flexibilität bei der Inanspruchnahme – ergänzt um einen Kulturwandel in den Unternehmen.“
Christa Ladurner, Soziologin beim Forum Prävention und Sprecherin der Allianz für Familie, verweist auf Studien, wonach Mütter gerne mehr arbeiten und Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen würden. „Beide Seiten würden also von einer Entwicklung in diese Richtung profitieren – mit dem Ergebnis einer gerechteren und solidarischeren Gesellschaft“, erklärt Ladurner.
Was andere Länder tun
Als absolute Vorreiter gelten laut Afi die nordischen Länder wie Norwegen, Schweden und Island: „Neben einem großzügigen Lohnausgleich von meist 80 Prozent oder mehr greift hier das ‚Use it or lose it‘-Prinzip. Da die exklusiv für den Vater reservierten Monate nicht auf die Mutter übertragen werden können, nehmen Männer den Urlaub tatsächlich in Anspruch – andernfalls würde die Auszeit für die Familie schlichtweg verfallen.“
Und in Spanien haben Väter laut Afi im ersten Lebensjahr des Kindes Anspruch auf 19 Wochen Vaterschaftsurlaub, davon 6 Wochen verpflichtend nach der Geburt. „Der entscheidende Faktor dabei: Es gibt einen 100-prozentigen Lohnausgleich. Das Ergebnis? Im Jahr 2025 beantragten in Spanien sogar mehr Männer als Frauen diese Auszeit, und die durchschnittliche Dauer der Betreuungszeit ist bei beiden Elternteilen nahezu identisch“, erklärt das Afi.

















