Bozen – Gleichstellung in Trippelschritten. 44 Prozent der Mitarbeitenden sind Frauen, aber nur 11 Prozent der Führungskräfte – so lautet eine der Kernaussagen des 8. Berichts zur Beschäftigungssituation in großen Südtiroler Unternehmen, den Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer gemeinsam mit dem Arbeitsförderungsinstitut (Afi) vorgestellt hat.
Der Bericht für den Zeitraum 2022–2023 zeigt: Frauen sind in Führungspositionen nach wie vor stark unterrepräsentiert und arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit.
609 Unternehmen geben Einblicke
Der Bericht wird laut Artikel 46 GvD 198/2006 alle zwei Jahre aus einer Genderperspektive erstellt. Seit Inkrafttreten des Staatsgesetzes Nr. 162/2021 sind alle Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden verpflichtet, entsprechende Daten zu liefern. Für die aktuelle Ausgabe beteiligten sich 609 Südtiroler Unternehmen.
Vorgestellt wurde der Bericht am Dienstag in Bozen. Bei der Pressekonferenz nahmen neben Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer auch die Präsidialsekretärin des Landtages, Maria Elisabeth Rieder, Afi-Präsident Stefano Mellarini und Afi-Direktor Stefan Perini teil.
Rieder sprach von einer „wertvollen Informationsquelle für die Politik, weil er es ermöglicht, zu verstehen, wo noch Verbesserungsbedarf besteht“. Afi-Präsident Mellarini hob hervor, dass „der derzeitige Mangel an Arbeitskräften ein Motor für die Beschleunigung der Erreichung der Geschlechtergleichstellung werden könnte“.
„Frauen stellen 44,2 Prozent der Mitarbeitenden in großen Unternehmen, aber nur 11,4 Prozent der Führungskräfte sind weiblich.“ Brigitte Hofer
„Frauen stellen 44,2 Prozent der Mitarbeitenden in großen Unternehmen, aber nur 11,4 Prozent der Führungskräfte sind weiblich“, betonte Hofer. Von einer echten Gleichstellung kann also keine Rede sein. Hindernisse wie die „gläserne Decke“ und die vertikale Segregation prägen weiterhin die Karrierewege vieler Frauen.
81,8 Prozent der Teilzeitverträge werden von Frauen abgeschlossen
Ein zentrales Problem bleibt die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit. „81,8 Prozent der Teilzeitverträge werden von Frauen abgeschlossen“, erklärte Afi-Direktor Perini. Auch in der Elternzeit zeigt sich dieses Muster: 2023 nahmen Frauen 54,9 Prozent des obligatorischen Mutterschafts- bzw. Vaterschaftsurlaubs in Anspruch, Männer 45,1 Prozent. Bei der freiwilligen Elternzeit lag das Verhältnis bei 56 zu 44.
Damit gibt es zwar Fortschritte, doch eine ausgewogene Verteilung ist noch nicht erreicht.
„Gerade die am meisten benötigten Maßnahmen, um Familien zu entlasten, sind die am wenigsten verbreitet.“ Stefan Perini
Flexible Arbeitszeiten sind das am häufigsten eingesetzte Instrument zur Vereinbarkeit. Stundenkonten und Smartworking folgen mit Abstand. Deutlich seltener setzen Unternehmen jedoch auf direkte Unterstützungsmaßnahmen: Nur 12,8 Prozent beteiligen sich an den Kosten für Kinderbetreuung, andere Hilfen sind noch rarer. „Gerade die am meisten benötigten Maßnahmen, um Familien zu entlasten, sind die am wenigsten verbreitet“, so Perini.
Beförderungen: Lichtblick bei internen Karrierewegen
Positiv fällt die Analyse der Beförderungen aus: 45,6 Prozent gingen 2023 an Frauen. Besonders im Büropersonal zeigt sich ein annähernd gleiches Verhältnis – mit 52,8 Prozent sogar ein Überhang zugunsten der Frauen. Hier scheint sich die Schere allmählich zu schließen.
Neu ist im aktuellen Bericht der historische Vergleich. Unter den 499 Unternehmen, die sowohl 2020–2021 als auch 2022–2023 teilnahmen, zeigt sich eine klare Tendenz:
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Der Frauenanteil an den Beschäftigten stieg von 42,8 auf 45,1 Prozent.
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Bei den Führungskräften erhöhte sich der Anteil von 9,4 auf 11,9 Prozent – ein Plus von 2,5 Prozentpunkten.
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Unter den leitenden Angestellten wuchs der Frauenanteil von 20,9 auf 23,0 Prozent – ein Zuwachs von 2,1 Punkten.
Diese Zahlen machen deutlich: Die weibliche Erwerbstätigkeit nimmt kontinuierlich zu, allerdings in kleinen Schritten. Gerade in den Führungsetagen bleibt das Vorankommen eher zäh. Die Hoffnung besteht, dass die Dynamik in den kommenden Jahren stärker an Fahrt gewinnt.
Es braucht gemeinsamen Einsatz
Hofer macht deutlich: „Ohne effektive Politiken zur Vereinbarkeit und ohne einen kulturellen Wandel in der Aufteilung der Pflegearbeit wird die Geschlechtergleichstellung ein fernes Ziel bleiben.“ Politik, Institutionen und Unternehmen müssten bessere Rahmenbedingungen schaffen: flexible Arbeitszeiten, ganzjährige Kinderbetreuungsangebote und faire Chancen auf Vollzeitarbeit für beide Elternteile.
Ein wichtiger Baustein sei auch der Gleichstellungsaktionsplan mit konkreten Maßnahmen. Auf europäischer Ebene werde zudem die neue EU-Richtlinie 2023/930 zur Entgelttransparenz ein bedeutender Schritt sein, um den Gender Pay Gap zu schließen.
„Nur mit geeigneten Diensten, innovativen Politiken und einer neuen Kultur der gemeinsamen Verantwortung können wir die ‚gläserne Decke‘ endlich durchbrechen.“ Brigitte Hofer




















